Es ist ein Schnäppchen. Für rund 40 Franken lässt sich mit der «Tageskarte Gemeinde» einen ganzen Tag lang die Schweiz entdecken. Verkauft wird das SBB-Ticket nur auf den Gemeindekanzleien. Zum Vergleich: Am Bahnhof kostet eine Tageskarte (2. Klasse mit Halbtax) 71 Franken. Kein Wunder, dass die «Tageskarte Gemeinde» beliebt und in den Ferien schnell vergriffen ist.

Die Gemeinden wollen mit dem Angebot den öffentlichen Verkehr fördern. Ein grosses Geschäft ist das aber nicht: Weil die SBB die Tickets im Jahres-Paket zum Preis von derzeit 12 900 Franken verkaufen, bedeutet jede unbenutzte Tageskarte einen Verlust von 35 Franken. Diverse Gemeinden haben deshalb den Verkauf eingestellt. «Die lokale Nachfrage war regelmässig zu gering, sodass Defizite anfielen», sagt Hubert Meienberger, Gemeindeschreiber von Hendschiken.

Verkauf an Auswärtige ignoriert

Die Gemeinden stehen auch unter Druck der SBB: Diese haben den Preis für die Tageskarte mehrmals erhöht. Zudem dürfen die Gemeinden seit 2011 die Tickets nicht mehr an Auswärtige verkaufen (Ausnahme: die Bevölkerung von Nachbardörfern mit weniger als 2000 Einwohnern). Einige Gemeinden sind als Folge davon ausgestiegen, so auch Uerkheim: «Ein grosser Teil der Käufer kam nicht aus dem Dorf oder der Nachbarschaft», sagt die stv. Gemeindeschreiberin Larissa Schweizer.

Die grosse Mehrheit der Gemeinden verkauft ihre Tageskarten trotzdem weiterhin an Auswärtige, wie eine Erhebung der az zeigt. «Das machen alle so», sagt ein Gemeindeschreiber. Und die SBB? Sehen diese tatenlos zu? «Wenn wir feststellen, dass sich eine Gemeinde nicht an die Regelung hält, machen wir sie schriftlich darauf aufmerksam», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer. Eine Drohung tönt anders.

Vielleicht lassen die SBB hier auch Gnade vor Recht walten, weil ein rigoroses Durchgreifen das Aus für die Gemeinde-Tageskarte bedeuten würde. «Wir könnten in diesem Fall die Kosten kaum decken und müssten das Angebot wohl einstellen», sagt Mike Barth, Gemeindeschreiber von Staufen.

Dies bestätigen andere Gemeindeschreiber. Einige finden für die strengeren Regeln der SBB zudem klare Worte: «Wenn die Gemeinde-Tageskarten nicht mehr lukrativ sind, ist das ein Eigengoal für die SBB. Denn die Billette sind im Volk sehr beliebt», sagt eine Gemeindeschreiberin.