Die Hypothekarbank Lenzburg ist stolz auf ihre regionale Verankerung und wird hier deshalb auch liebevoll Hypi genannt. Doch die Hypi ist nicht nur bodenständig, sondern auch richtig schnell: Als erstes börsenkotiertes Finanzinstitut präsentierte sie gestern das Jahresergebnis. Und dieses ist äusserst solide.

Trotz dem schwierigen Umfeld mit den extrem tiefen Zinsen konnte CEO Marianne Wildi von einigen durchbrochenen Marken berichten: «Bei der Bilanzsumme haben wir erstmals die 4,5-Milliarden-Franken-Grenze gesprengt.» Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt hier 3,2 Prozent. Der Wert der Kundendepots übersprang 2014 die 2-Milliarden-Marke.

Kein Einbruch beim Bau

Die Ausleihungen an Kunden (zur Hauptsache Hypotheken) lagen bei 3,7 Milliarden oder 0,4 Prozent höher als im Vorjahr. Wildi sprach hier von einem «gedämpften Ausleihungswachstum». 96 Prozent der Ausleihungen werden durch Kundengelder finanziert, die um 2,4 Prozent anstiegen.

Beim Liegenschaftsmarkt in der Region sieht Verwaltungsratspräsident Max Bühlmann noch keine Spur von einer geplatzten Blase: «Solange man von hier aus acht grosse Baukrane sieht, kann von einem Einbruch keine Rede sein.»

Fast 88 Prozent oder über 3 Milliarden der Hypi-Hypothekarausleihungen betreffen den Wohnbau und hier mehr als die Hälfte die Finanzierung von Einfamilienhäusern. Max Bühlmann: «Wir können von der Nähe zu Zürich profitieren; von Lenzburg aus ist man schneller am Paradeplatz als aus gewissen Zürcher Aussenquartieren.»

Gewinn sinkt um 0,9 Prozent

Der Jahresgewinn der Hypi sank im letzten Jahr um minime 0,9 Prozent auf 21,2 Millionen Franken. Die Reduktion von 2,5 Mio. beim Zinsengeschäft konnte anderweitig fast kompensiert werden. CEO Wildi sprach denn auch von einer «sehr geringen Verschlechterung»: «Auf dieses stabile, gute Resultat sind wir angesichts der Zinsentwicklung stolz.»

Die gute Verfassung der Hypi erkennt man auch bei Eigenkapital und Abschreibungen. Das Eigenkapital wurde im letzten Jahr weiter erhöht und liegt weit über den Vorgaben der Finanzmarktaufsicht. Die Investitionen in die Bankgebäude (Hauptsitz, Niederlassungen in Meisterschwanden und Oberrohrdorf) wurden direkt abgeschrieben. In die Auffrischung des Hauptsitzes am Hypiplatz wurden in den letzten Jahren total 15 Millionen Franken gesteckt; die Bevölkerung wird im April zu einem Tag der offenen Türen eingeladen.

Börsenkurs sehr stabil

Angesichts der soliden Zahlen fällt auch der Blick der Verantwortlichen in die Zukunft zuversichtlich aus. «Wir hoffen, dass es so weitergeht», so VRP Bühlmann. Die zurückhaltende Ausleihpolitik soll weitergeführt werden: «Wir möchten auf der sicheren Seite bleiben und nicht um jeden Preis jedem Kredit vergeben.» Vor diesem Hintergrund war den Verantwortlichen eine gewisse Erleichterung über einige Rückzahlungen im letzten Jahr anzumerken: «Wir haben das Kredit-Portfolio bereinigen können», so Marianne Wildi.

Die Firmenphilosophie spiegelt sich auch im Kurs der Hypi-Aktie. «Die Ausschläge halten sich – sogar beim generellen Börsensturz nach dem Euro-Entscheid der Nationalbank – in einem äusserst engen Rahmen», so Bühlmann. Während die Indizes gestern nochmals tüchtig tauchten, konnte die Hypi-Aktie gestern gar zulegen. Der Verwaltungsratspräsident führt diese Stabilität auf die «treuen Aktionäre» zurück: «Eine Hypi-Aktie hat man zum Vererben und nicht zum Handeln.»

Der Generalversammlung im März wird eine gleich bleibende Dividende von 110 Franken beantragt. Bezogen auf den Jahresendkurs von 4160 Franken bedeutet dies eine Rendite von 2,6 Prozent.

Personelle Wechsel

An der GV wird Max Bühlmann, der sich gestern als «dienstältester Verwaltungsrat der Schweizer Bankenszene» bezeichnete, von seinem Amt zurücktreten; als Nachfolger wird der bisherige Vizepräsident Gerhard Hanhart vorgeschlagen. Bühlmann ist seit 1980 Hypi-Verwaltungsrat.

Noch vorher gibt es einen Wechsel in der Geschäftsleitung der Hypi. «Aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen», so die Medienmitteilung, tritt Franz Feller auf den 1. Februar aus diesem Gremium zurück. Die Führung des Bereichs Unternehmenskunden übernimmt ad interim CEO Marianne Wildi.