Lenzburg
Trotz «reizvoller Aufgabe»: Noch kein Kronprinz in Lenzburg

Das verbleibende Stadtrat-Quartett äussert sich zurückhaltend zur Nachfolge von Stadtammann Hans Huber. Für viele spielen die Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle.

Fritz Thut
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Vizeammann Daniel Mosimann: Klarheit in sechs Wochen. zvg

Vizeammann Daniel Mosimann: Klarheit in sechs Wochen. zvg

Im fünfköpfigen Lenzburger Stadtrat sind fünf verschiedene Parteien vertreten. Als Team harmoniert das Gremium – trotzdem oder deswegen? – derart gut, dass sich das Rest-Quartett äusserst zurückhaltend gibt, wenn es zur Nachfolge des auf Ende Jahr zurücktretenden Stadtammanns Hans Huber (FDP) befragt wird.

Wohl keine Senkrechtstarter

Nach der viele Beobachter überraschenden Ankündigung des vorzeitigen Huber-Abgangs am Neujahrsempfang steht niemand hin und meldet offen eigene Ambitionen auf das höchste Exekutivamt im Bezirkshauptort an. Dies hängt auch damit zusammen, dass Huber mit seinem Abgang die Diskussion über die Dotation des Lenzburger Ammann-Pensums angestossen hat.

Geht man von der Variante aus, dass die FDP als Nachfolger von Hans Huber als Mitglied des Stadtrats keinen Senkrechtstarter mit Ammann-Ambitionen ins Wahlrennen schickt, ist sicher der bisherige Vizeammann Daniel Mosimann (SP) in der Poleposition für den Ammann-Posten.

«Zum Fussgänger degradiert»

«Das ist eine reizvolle Aufgabe», antwortet Mosimann in seinen Wintersportferien vieldeutig, angesprochen auf die Perspektive, eine Stufe höher zu steigen. Er werde sich Gedanken machen und «Gespräche in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Partei führen». Mosimann plädiert dafür, die Diskussionen über die Besetzung der personellen Vakanz im Stadtrat und über die künftige Ausgestaltung der Stadtratsdotationen separat zu führen: «Das sind total verschiedene Ebenen.»

Über die eigene Position im Ammann-Rennen will er sich schon bald entscheiden. Als wär’s ein Wink des Schicksals, hat sich Mosimann vorgestern beim Skifahren die Speiche des linken Unterarms gebrochen. Mit eingegipstem Arm kann der Vizeammann nun weder Motorrad- noch Autofahren: «Momentan bin ich zum reinen Fussgänger degradiert.» Doch spätestens wenn der Gips wegkommt, in etwa sechs Wochen, will er Klarheit über die eigene Ammann-Kandidatur schaffen.

Option offenhalten

Von den politischen Zirkeln der Stadt als mögliche weitere Kandidatur aus dem Rest-Quartett wird am zweithäufigsten Franziska Möhl (CVP) genannt. Direkt darauf angesprochen, hält die «Finanzministerin» fest, dass es «auf die Rahmenbedingungen ankommt»: «Ich halte diese Option offen, doch braucht es zuerst eine Auslegeordnung über die Pensen des Stadtrats.» Je nach Ergebnis könnten dann in Beruf und Familie Abklärungen vorgenommen werden.

Viele Punkte noch offen

Für Stadtrat Martin Stücheli (SVP) sind momentan «noch derart viele Punkte offen», dass er sich noch nicht äussern könne. Für ihn ist mitentscheidend, welchen Kandidaten die FDP bei der Stadtratsersatzwahl präsentiert. Zur Stellendotation hält Stücheli fest, dass es im bisherigen Rahmen schwierig sei, als Ammann «nebenbei einer andern Tätigkeit nachzugehen». Er fühle sich in seinem Ressort gegenwärtig sehr wohl, doch ganz allgemein, sei «Stadtammann sicher ein Amt, das einen reizen kann».

Heidi Berner (EVP) will sich überhaupt noch nicht konkret äussern: «Ich finde, wir sollten zuerst untereinander diskutieren. Wir sind aktuell ein gutes Team und dies soll in Zukunft so bleiben.» Zwischen den Zeilen lässt die Sozialvorsteherin durchblicken, dass sie prioritär die Aufgaben in ihrem Departement durchziehen will: «Mit dem Alterszentrum habe ich ein ehrgeiziges Projekt, auf das ich mich konzentrieren will.»

Ein eindeutiger Kronprinz oder eine eindeutige Kronprinzessin ist in dieser erster Runde (noch) nicht auszumachen.