Hunzenschwil
Trotz Investitionen: Steuer-Erhöhung kann hinausgezögert werden

Hunzenschwil steht vor grossen Investitionen in Schulhausbauten und Strasseninfrastruktur. Diese belaufen sich auf 18,8 Millionen Franken. Trotz hoher Investitionen kann die Erhöhung des Steuersatzes um ein Jahr hinausgezögert werden.

Ruth Steiner
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Das Gemeindehaus Hunzenschwil

Das Gemeindehaus Hunzenschwil

Reto Sterki

Seit Anfang Jahr ist Urs Wiederkehr Gemeinderat und zuständig für das Ressort Finanzen. Es sei sein Wunschressort, schon als Mitglied der Schulpflege sei er für die Zahlen zuständig gewesen, sagt der Maschinentechniker.

Wiederkehr ist also gewappnet für die neue Aufgabe. Gleich zu Beginn warten happige Brocken auf ihn, mit denen wohl kaum ein Ruhmesblatt zu holen ist: In den kommenden beiden Jahren steht Hunzenschwil vor grossen Investitionen in Schulhausbauten und Strasseninfrastruktur. Diese belaufen sich total auf 18,8 Millionen Franken. Das Budget 2015 wird dabei mit 11 Millionen belastet. Zu den grössten Ausgaben gehört die erste Tranche von 6,5 Millionen Franken für das neue Oberstufenschulhaus, 1,6 Millionen sind vorgesehen für den Bau des Kreisels Schoren. Dessen Realisation erfolgt zusammen mit dem Kanton, Coop und der Gemeinde Schafisheim. Hinzu kommt eine Million als Beitrag der Gemeinde an Bauvorhaben beim Bahnhof (Anteil Publikumsanlagen, Anpassung Personenunterführung, neue Veloabstellanlagen). Diese Investitionen sind vom Souverän bereits beschlossen.

Mit der Neuverschuldung fällt der Selbstfinanzierungsgrad der Gemeinde vorübergehend auf ein einziges Prozent. Die Pro-Kopf-Verschuldung steigt laut Finanzplan innert drei Jahren von derzeit 874 Franken auf 5669 Franken. Gemeinderat, Finanzkommission und der Leiter Finanzen sind übereingekommen, dass damit der Steuerfuss in Zukunft nicht mehr tragbar ist, und haben Massnahmen angekündigt. Bereits heute steht fest: Man wird um eine Erhöhung des Steuersatzes nicht herumkommen. Dieser ist auf 2016 vorgesehen und beträgt voraussichtlich zehn Prozent. «Die Finanz-Strategie hat der Gemeinderat zusammen mit der Finanzkommission und dem Leiter Finanzen festgelegt und wird auch über die definitive Erhöhung befinden», sagt Gemeindeammann Silvana Richner.

Trotz des Bevölkerungswachstums ist beim Steuerertrag keine markante Steigerung zu erwarten. Im Gegenteil: Die prognostizierten Einnahmen bleiben mit 8,3 Millionen Franken praktisch unverändert.

Wo immer möglich, wird gespart

Vorerst hat der Gemeinderat jedoch alles drangesetzt, um den Steuerfuss noch ein Jahr bei 95 Prozent zu halten. Dafür habe man das Budget nochmals systematisch durchgekämmt, dabei Posten für Posten genau unter die Lupe genommen. Wo immer möglich wurde der Rotstift angesetzt. So muss beispielsweise der Schulhausabwart weiterhin mit der alten Reinigungsmaschine auskommen, die Erneuerung von Pinnwänden für die Schule wurde ebenfalls zurückgestellt. «Viele kleinere Investitionen, die in der Summe jedoch ins Geld gehen, wurden aufgeschoben», sagt Urs Wiederkehr. Am Ende resultiert daraus eine Ersparnis von rund einer halben Million Franken.

Schulden rasch wieder abbauen

Gemeindeammann Richner bezeichnet das nun vorliegende Budget 2015 als «straff und solid.» Auch Urs Wiederkehr ist mit dem Ergebnis zufrieden. «Mit den vom Gemeinderat getroffenen Vorkehrungen schliesst das operative Ergebnis mit einem Aufwandüberschuss von rund 600 000 Franken (ohne Spezialfinanzierungen) ab. Das Gesamtergebnis verbessert sich von einem Minus von 134 000 Franken (2014) in ein positives Ergebnis von rund 118 000 Franken.» Auch der aktuell schwache Selbstfinanzierungsgrad soll sich innert nützlicher Frist stark verbessern. Schon in fünf Jahren soll er wieder über hundert Prozent betragen. Laut Finanzplan werden die Ausgaben nach den zwei anstehenden investitionsreichen Jahren wieder sinken, 2017 auf 2,2 Millionen und später noch tiefer. Für Richner wie auch für Wiederkehr hat die heutige Durststrecke vorübergehenden Charakter. Wo immer möglich, werde rigoros auf die Ausgabenbremse gestanden. Die beiden Gemeinderäte sind sich einig. «Wir werden so wirtschaften, dass sich die finanzielle Situation der Gemeinde in den kommenden Jahren wieder beruhigt.»

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