Lenzburg
Treuhänder Padrutt soll Konti von Mandanten geplündert haben

Anfang Dezember fiel einer Stockwerkeigentümergemeinschaft auf, dass in ihrer Kasse ein sechsstelliger Betrag fehlt. Seit Anfang 2011 hatte die Lenzburger Padrutt&Partner Treuhand und Liegenschaftenverwaltung AG das Verwaltungsmandat inne.

Thomas Röthlin
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Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des umstrittenen Anwalts Padrutt.

Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des umstrittenen Anwalts Padrutt.

Chris Iseli

Die Kontrolle der Kontoauszüge förderte zwei unerklärliche Überweisungen im Juli und August zutage - auf das Konto von Roland Padrutt, Rechtsanwalt mit strafrechtlicher und medienwirksamer Vergangenheit (siehe «Buchser Dorfkrieg»).
Die Stockwerkeigentümer kündigten Padrutt per sofort, zeigten ihn an und reichten Strafklage ein. Und sie staunten über den Betreibungsregisterauszug, lautend auf über 1Million Franken.
«Komplexe» Vermögensdelikte
Die Staatsanwaltschaft Aargau bestätigte am Mittwoch auf Anfrage der az Aargauer Zeitung, dass gegen Roland Padrutt wegen Vermögensdelikten ermittelt werde, und zwar seit über einem Jahr. Das Verfahren dauere so lang, weil es sehr komplex sei, erklärt Staatsanwältin Marianne Erni. Im Fokus der Untersuchung mit mehreren Geschädigten stünden Straftatbestände wie Betrug, Veruntreuung und ungetreue Geschäftsbesorgung.
Für weitere Auskünfte vertröstet Erni «aus ermittlungstaktischen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt». Fragen nach der Anzahl Opfer, der Gesamtdeliktsumme, den möglichen Motiven und dem offenbar unbekannten Aufenthaltsort Padrutts lässt die kantonale Staatsanwaltschaft unkommentiert.
Der Redaktion sind weitere Fälle bekannt, die Gegenstand des laufenden Strafverfahrens sind. Sie stützt sich dabei auf Aussagen von Geschädigten und Einsicht in Dokumente.
Bei zwei anderen Stockwerkeigentümergemeinschaften tönt es seit kurzem gleich wie im eingangs erwähnten Fall: Padrutt habe den Erneuerungsfonds geplündert oder das Betriebskonto um fünfstellige Beträge erleichtert. Die Buchungen hätten nichts mit allfälligen Sanierungsarbeiten oder Investitionen in die Liegenschaften zu tun.

«Buchser Dorfkrieg»: Was im ersten Fall Padrutt geschah

Roland Padrutt füllte in der ersten Hälfte der 2000er-Jahre schon einmal die Zeitungsspalten, dann mit seiner damaligen Gattin Ursula Padrutt. Beide sind Rechtsanwälte und waren auch politisch tätig: sie als SP-Grossrätin und Gemeinderätin, er als Präsident der Kreisschulpflege. Der «Buchser Dorfkrieg» richtete sich zuerst gegen den Gemeindeammann, dem in einer anonymen Strafanzeige diverse Mauscheleien vorgeworfen wurden. Dann wendete sich das Blatt, das Verfahren wurde eingestellt und die Strafbehörden ermittelten gegen Padrutts wegen falscher Anschuldigung und Verletzung des Amtsgeheimnisses. Gegen das schillernde Paar kam es im April 2005 zum viel beachteten Strafprozess in Aarau - der mit einem Freispruch mangels schlüssiger Beweise endete.
Ursula Padrutt hatte sich schon 2002 nach einer Hausdurchsuchung von ihrem Ehemann getrennt. Damals legte sie nach Anfeindungen in mehreren Fällen auch das Amt der Justizkommissionspräsidentin ab, trat als Grossrätin zurück und gönnte sich ein Time-out in den USA. 1998 hatte die SP-Politikerin als Regierungsrätin kandidiert, wurde im zweiten Wahlgang aber vom wilden Kandidaten Kurt Wernli überflügelt. Ursula Padrutt praktiziert heute als Anwältin in Lenzburg und legt Wert darauf, dass sie mit Roland Padrutt, von dem sie seit 2005 geschieden ist, nichts mehr zu tun habe. (trö)