Möriken
Traktoren-Liebhaber: «Die erste wahre Prüfung war die Traktorenprüfung»

470 ausgestellte Traktoren werden ab Freitag in Möriken zu bestaunen sein. Zum 8. Internationalen Oldtimer-Traktorentreffen erinnert sich Thomas Lüpold an den Beginn seiner Liebe zu den landwirtschaftlichen Maschinen.

Isabelle Schwab
Drucken
Teilen
Thomas Lüpold auf seinem einzigartigen Traktor: Ein Hürlimann D100. Der Traktor ist 66 Jahre alt, sein Besitzer 15 Jahre jünger.Mathias Marx

Thomas Lüpold auf seinem einzigartigen Traktor: Ein Hürlimann D100. Der Traktor ist 66 Jahre alt, sein Besitzer 15 Jahre jünger.Mathias Marx

Morgen Freitag beginnt zum achten Mal das Oldtimer-Traktorentreffen. Unter den 470 ausgestellten Traktoren befindet sich auch ein Hürlimann D 100 mit Güllepumpe. Sein Besitzer, Thomas Lüpold, ist seit der ersten Ausführung des Traktorentreffens mit dabei. Seine Liebe für die alte Maschine begann, als er ein kleiner Bub war.

«1948, ein Jahr nach der Produktion, hat mein Vater den D 100 gekauft», sagt Thomas Lüpold. Der 51-Jährige ist selbst einige Jahre Jünger, als der Traktor, der sich heute in seinem Besitz befindet, und erinnert sich an das, was ihm sein Vater erzählte. «Damals konnten nur wenige Menschen Auto fahren. Deshalb musste mein Vater zuerst im Werk in Wil zur Fahrschule.» Stolz zeigt er Dokumente aus dieser Zeit vor. «Zusammen mit meinem Vater fuhren 30, 40 andere Bauern mit ihrem neuen Traktor ab.» Das sei zu dieser Zeit ein ganz aussergewöhnlicher Anblick gewesen.

Vorsichtige Bauern

In den Fünfzigern kostete der Hürlimann D 100 um 15 000 Franken. Das war sehr viel Geld, gerade für einen Bauern und Metzger, wie es der Vater von Thomas Lüpold war. Umso stolzer war die Familie auf den Kauf.

Doch nicht alle waren gegenüber den damals modernen Traktoren freundlich eingestellt. «Ich erinnere mich gut, wie einige Bauern noch die Nase rümpften, wenn sie einen Traktor sahen.» Die Traktoren seien zu schwer für die Äcker und würden den Boden zu sehr verdichten, hiess es von einigen Bauern. Der Vater Thomas Lüpolds liess sich jedoch nicht beirren.

Er machte aus dem «Gussmuni» ein Unikat, in dem er eine Güllepumpe anbrachte. Bald begann er zu «gschäften», wie sich Thomas Lüpold erinnert. «Er begann mit Kanalreinigungen und Güllenloch-Leerungen und baute sich damit ein Geschäft auf.» Später habe er auch für die Gemeinde Schnee gepflügt.

Erste Traktorfahrten

Als kleiner Bub durfte Thomas Lüpold hinten auf den Traktor klettern und dem Wegknecht beim Pflugleeren helfen. Das Gefühl sei unbeschreiblich gewesen: «Ich war wahnsinnig stolz.» Früher habe ein Bauernsohn Traktor fahren gelernt, sobald er genug Kraft gehabt habe, um Kupplung und Bremse zu benutzen. «Für einen Bauernsohn war die erste wahre Prüfung die Traktorenprüfung mit 14 Jahren.»

«Heute bin ich 51 Jahre alt. Der Traktor 66. Nur einer von uns beiden sieht jünger aus», lacht Thomas Lüpold. Die Zuverlässigkeit der alten Mechanik sei mit Grund, wieso ihn alte Maschinen faszinieren. Thomas Lüpold bereitete den Traktor seines Vaters zusammen mit einem Stifti-Kollegen wieder auf.

«Ich denke nicht, dass ich das heute noch könnte», lacht der gelernte Mechaniker. Mit etwas Glück hätten die Freunde viele Ersatzteile im Elternhaus gefunden. Der Vorteil bei einem einmal reparierten Oldtimer Traktor sei, dass man ihn ein Jahr lang stehen lassen könne «und er läuft immer noch einwandfrei», sagt Thomas Lüpold. «Das liegt daran, dass früher noch keine Elektronik in die Fahrzeuge eingebaut wurde.»

Eine ganz spezielle Atmosphäre

Deshalb halte sich auch die Vorbereitungszeit für den Traktorentreff in Grenzen. Thomas Lüpold muss seinen Traktor lediglich etwas abstauben, sagt er. Was ihn jedes Mal an das Traktorentreff ziehe, sei die Atmosphäre: «Man hört den Lärm einer Dampfmaschine im Hintergrund. Ein monotones hmpf, hmpf, hmpf. Jeder Traktor hat seinen eigenen Ton, seinen eigenen Geruch. Die Leute sind sehr friedlich.

Es gibt keinen Neid, man freut sich gemeinsam, wenn jemand eine seltene Maschine gefunden und repariert hat», schwärmt Lüpold.

Längst werde der Traktorentreff nicht nur von Oldtimer-Traktorenbesitzern besucht. Da Thomas Lüpold neben dem Festgelände arbeitet, sei es für ihn insbesondere schön, den Traktorentreff vor seinen Augen wachsen zu sehen.

Aktuelle Nachrichten