Ruedi Baumann ist seit über 40 Jahren in Lenzburg als Architekt tätig. Er stört sich am schlechten Zustand, in dem sich die Bahnhofstrasse befindet. «Zwischen dem Knoten ‹Mülimärt› im Osten und dem Kreisel beim ‹Lenzportal› im Westen schüttelt es derart, dass einem fast speiübel wird», schreibt er.

Und weiter: «Strassen- und Trottoir-Flicke von Leitungs- und Tiefbauarbeiten aus den letzten dreissig Jahren lassen grüssen und fühlen. Fährt man auf der Bahnhofstrasse, werden Achs-Schenkel und Federpakete von Fahrzeugen malträtiert; Veloschutzbleche und Einkaufskörbli auf den Drahteseln ‹tschättern› im Marschtempo um die Wette. Dabei ist nicht etwa die Rede von einer Bahnhofstrasse in einem Entwicklungsland. Hier geht es um die Lenzburger Bahnhofstrasse. Vor etwa 35 Jahren war sie in einem ähnlichen Zustand wie heute. Dann wurde Lenzburg Austragungsort eines Kantonalen Musikfestes und die Bahnhofstrasse zur Paradestrecke für die Disziplin ‹Marschmusik›. Damals wurde sie zum letzten Mal tipptopp geflickt.»

«Bussenpotenzial von über 100 000 Franken»

«Hinzu kommt neuerdings eine exorbitant zunehmende Sitten-Verrohung im motorisierten Individualverkehr rund um die Ostkreuzung beim Einkaufszentrum Mülimärt. Es ist zur Tagesordnung geworden, dass man die Lichtsignale mit dem Auto regelmässig überfährt, vorne, auf Höhe Fahrertüre bei Orange, wobei es dann hinten, auf Höhe Hintertüre, ganz bestimmt schon Rot ist. Die Steigerung dessen ist auch klar: vorne schon Rot und hinten ebenfalls. Das ist egal, hier wird ja niemals kontrolliert und gebüsst. Allein auf dieser Kreuzung liegt ein Bussenpotenzial von weit über hunderttausend Franken pro Jahr.»

Hinter dem Bus über die Kreuzung bolzen

Ebenfalls nicht zur Verkehrsberuhigung bei trage zu alledem der öV mit der an sich unbestrittenen Privilegierung der Busse der Regionalbus Lenzburg. «Deren Chauffeure müssen den Vortritt der Busse an der Kreuzung ausnützen, um den Fahrplan einhalten zu können. Jedoch sollten das die Insider unter den nachfolgenden PW-Lenkern nicht tun. Längst haben einige herausgefunden, dass es meist noch reicht, wenn man direkt hinter dem Bus über die Kreuzung bolzt, just bevor es wieder Rot wird. Für den zweiten PW dahinter, welcher die Situation sportlich auch noch schnell doppelt, wird es dann eng. Das führt zu möglichen und effektiven Kollisionen.»

Baumann hält fest: «Lenzburg hat klar zwei Baustellen: Die bauliche Sanierung der Bahnhofstrasse und die Optimierung der Steuerung der Ampelanlagen mit einer aktiven Verkehrsüberwachung an der Kreuzung beim ‹Mülimärt›.» (az)