Lenzburg

Trägervereinspräsidentin stützt «Mittagstisch-Fünfliber»

Kinder am Mittagstisch (Symbolbild)

Kinder am Mittagstisch (Symbolbild)

Mit der Umsetzung des kantonalen Kinderbetreuungsgesetzes (KiBeG) sollen Eltern tiefer in die Tasche greifen. Damit ist die CVP nicht einverstanden.

Mit der Umsetzung des kantonalen Kinderbetreuungsgesetzes (KiBeG) werden Eltern stärker zur Kasse geben. Statt 15 Franken (für alle) kostet etwa der Mittagstisch seit August bis zu 22 Franken (für Essen und Betreuung).

Damit ist die CVP nicht einverstanden. Die Erhöhung der Kosten habe dazu geführt, dass weniger Kinder den Mittagstisch in Anspruch nehmen. Zudem, so wird moniert, würden mit dieser Regelung gerade Familien aus dem Mittelstand zusätzlich stark belastet, denn der neue Tarif überlaste ein Familienbudget rasch einmal. In einem Vorstoss fordert die CVP eine Subventionierung des Mittagstisches um mindestens fünf Franken. Dafür müsste die Stadt 60'000 Franken zur Verfügung stellen. Die Überweisung der «Motion für einen Mittagstisch-Fünfliber» ist für die Sitzung des Einwohnerrats vom kommenden Donnerstag traktandiert. Die höheren Kosten der Tagesstrukturen sind zum einen auf die Umstellung des Subventionssystems zurückzuführen. Bisher wurde der Leistungsanbieter von der Stadt mit einem Betrag unterstützt und konnte so das Angebot preiswerter gestalten. Mit der Vollkostenrechnung müssen nun die Eltern den vollen Betrag bezahlen. 

Bis zu einem steuerbaren Einkommen von 90'000 Franken jährlich erhalten sie Subventionen von der Stadt. Dieser Betrag ist jedoch tiefer als die bisherige Unterstützungsplafonierung; mit dem neuen KiBeG hat die Stadt ihre Subventionspolitik angepasst. Sie nimmt die Eltern finanziell stärker in Pflicht. Nebst Gesetzeslage und Richtlinien haben die Lenzburger Tagesstrukturen mit dem Verein Erziehung und Bildung (VEB) auch eine neue Trägerorganisation erhalten. Dessen Präsidentin ist Sabine Sutter-Suter, CVP-Grossrätin und ehemalige Lenzburger Einwohnerrätin. Sie präsidiert zudem das Familienzentrum familie+.

Nachfrage gestiegen

VEB-Präsidentin Sutter-Suter zeigt Verständnis für das Anliegen ihrer Parteikollegen. «Es ist mir auch persönlich ein grosses Bedürfnis, dass Eltern, die ihre Kinder ausserhalb der Familie betreuen lassen, ein bedarfsgerechtes Angebot vorfinden.» Nicht zuletzt deshalb habe sie sich im vergangenen Jahr als VEB-Präsidentin zur Verfügung gestellt, sagt Sutter-Suter, die selber Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist.

Die VEB-Präsidentin ist zufrieden mit der Entwicklung der Tagesstrukturen in Lenzburg. Aktuell werde das Angebot von über 60 Kindern genutzt. Das sind etwa 20 Kinder mehr, als in der CVP-Motion vom vergangenen Dezember aufgeführt.

Die Zunahme um rund 50 Prozent innerhalb weniger Monate erstaunt die VEB-Präsidentin nicht weiter. «Beim Schuljahreswechsel muss jeweils mit Schwankungen der Auslastung der Tagesstrukturen gerechnet werden.» Diese würden sich jedoch ausgleichen, sobald schulergänzende Aktivitäten wie beispielsweise Musikunterricht jeweils wieder organisiert seien. Zudem ist Sabine Sutter-Suter überzeugt, dass die Änderung der Trägerschaft bei der ursprünglichen Zurückhaltung eine Rolle gespielt hat. «Die Eltern wollten uns und unser Angebot zuerst kennenlernen und erfahren, wie es beim VEB läuft.»

Neue Tarife gaben zu reden

Dass Klärungsbedarf vorhanden ist, was die neuen Preisstrukturen anbelangt, hat der VEB im vergangenen Sommer anlässlich einer Informationsveranstaltung bereits festgestellt. «Wir haben damals aufgezeigt, dass der Betrag nebst der Verpflegung auch Aufsicht und professionelle Betreuung der Kinder während des Aufenthalts beinhaltet», erklärt die VEB- Präsidentin.

Die Stadt Lenzburg hat die Tagesstrukturen im Schulhaus Mühlematt angesiedelt. Die dort vorhandenen Raumkapazitäten lassen einen Ausbau des Tagesstrukturen-Angebots auf über 80 Kindern zu. Das dürfe jedoch keinesfalls auf Kosten der Aufenthaltsqualität gehen, sagt Sabine Sutter-Suter. «Es soll genug Platz haben zum Spielen, aber Kindern auch die Möglichkeit bieten, sich bei Bedarf zurückziehen zu können.»

Das Mittagessen wird von der Brasserie Barracuda, einem Betrieb der Sozialfirma Trinamo AG, angeliefert.

Je nach Wochentag ist die Nachfrage nach einer externen Betreuung unterschiedlich hoch. Dienstags und donnerstags sind die Tagesstrukturen laut VEB-Präsidentin Sutter-Suter am meisten ausgebucht, mittwochs und freitags am wenigsten.

Wird die Motion am Donnerstag überwiesen, muss der Stadtrat eine Vorlage zur Vergünstigung des Mittagstischs ausarbeiten. Die CVP rechnet vor, dass mit dem «Mittagstisch-Fünfliber» das Angebot der Tagesstrukturen für viele wieder erschwinglich würde: «Zusätzlich könnten rund 40 Familien davon profitieren», heisst es im Vorstoss.

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