Fussball

Traditionsklub aus Meisterschwanden hat Lehren aus dem Debakel gezogen

Hoch die Bälle! Die F-Junioren des FC Meisterschwanden mit ihren beiden Trainern Marsio Gioia (verdeckt, links) und Mladen Santoric (verdeckt, rechts).

Hoch die Bälle! Die F-Junioren des FC Meisterschwanden mit ihren beiden Trainern Marsio Gioia (verdeckt, links) und Mladen Santoric (verdeckt, rechts).

Der 108-jährige FC Meisterschwanden stand 2014 vor dem Ende: Aus Geldmangel zog der 1.-Ligist die Reissleine. Dann startete man neu in der 5. Liga, marschierte durch bis in die 2. Liga inter – und jetzt glaubt man wieder an die Zukunft.

Mittwochabend, kurz vor 18 Uhr. Auf der Meisterschwander Fussballanlage Obermoos kommt langsam Betrieb auf. Die F-Junioren, die jüngsten Kicker des 1907 gegründeten Vereins, werden von ihren Eltern ins Training gebracht.

Über 20 Nachwuchsfussballer werden an diesem schönen Herbstabend von den beiden Trainern Marsio Gioia und Mladen Santoric begrüsst. Die Stimmung ist gelöst, es fallen Witze. Vor allem der Wohler Gioia ist gut drauf: «Marsio ist nie schlecht gelaunt», meint eine Mutter am Spielfeldrand. Zwei Mädchen, die erstmals dabei sind, werden von den beiden Coaches sofort ins Training integriert. Nach einer kurzen Fotosession gehts los mit Passen, Schiessen, Ball stoppen – das Einmaleins des Fussballs.

Ein paar Meter entfernt beobachtet Marc Hefti amüsiert die Szenerie. Der Vizepräsident des FC Meisterschwanden ist voll des Lobes über die neu aufgegleiste Juniorenabteilung. «Wir sind jetzt auf dem richtigen Weg.» 

55 Kinder spielen und trainieren in vier Mannschaften, je eine von den F- bis zu den C-Junioren. Heftis Tochter ist erstmals mit dabei auf dem Platz. «Sie wollte einmal mittrainieren und hat auch gleich noch eine Freundin mitgebracht.» Auf dem grünen Rasen sind die jungen Kicker bereits voll in Fahrt, lautstark unterstützt vom Trainerduo. «Die Zukunft des neuen FCM hat begonnen», sinniert Vereinspräsident Toni Bruni und blickt ein paar Sekunden gedankenverloren auf den Platz. Die Welt im FC Meisterschwanden scheint wieder in Ordnung zu sein.

Das Debakel im Winter 2014

Vor rund zwei Jahren war alles noch ganz anders. Damals durchlebte der Verein die schlimmste Zeit seiner über 100-jährigen Geschichte. Die hochtrabenden Pläne der Meisterschwander erlitten definitiv Schiffbruch. In der Winterpause der Saison 2013/14 zog man die Reissleine und die 1. Mannschaft aus Geldmangel aus der Meisterschaft zurück.

Im Sommer 2014 startete man mit einer neuen Vorstands-Crew in der 5. Liga. «Den Imageschaden spüren wir noch heute dann und wann im Dorf», so Präsident Bruni.

Was war damals passiert? Der bescheidene Verein schaffte den direkten Durchmarsch von der 4. bis in die 2. Liga inter und verpflichtete auf dem Höhepunkt des Grössenwahns im Sommer 2010 George Weah jr., den Sohn des ehemaligen Weltfussballers. Die Finanzen hielten mit der sportlichen Entwicklung allerdings in keiner Weise Schritt. Es kam unweigerlich zum Debakel. Und zu einer totalen Erneuerung des Vereins.

Von der damaligen Truppe ist nur Bruni noch dabei. «Als es an der ausserordentlichen Generalversammlung im Frühling 2014 darum ging, ob der Verein überlebt oder beerdigt wird, habe ich mich gerne als Präsident zur Verfügung gestellt.»

Für die Zukunft machen sich Bruni und seine Vorstandskollegen keine Sorgen. Das Vereinsbudget in der Höhe von 80 000 Franken ist gedeckt, die 1. Mannschaft ist mit Trainer Giuseppe Milazzo auf Kurs Richtung 4. Liga und auch im Nachwuchsbereich läuft es wunschgemäss. Toni Bruni atmet tief durch: «Seit dem 4. September 2014 ist der FC Meisterschwanden schuldenfrei. An diesem Datum haben wir die allerletzte Rechnung beglichen.»

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