Neujahrsblätter
Tori Fuhrer, der «beste Kübelmann», ist einer der bekanntesten Lenzburger

«Service Public» ist das Thema der Lenzburger Neujahrsblätter 2021 und des Lebens von Tori Fuhrer.

Janine Gloor
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Im Sommer steht Tori jeden Morgen um fünf Uhr auf. Für den Garten.

Im Sommer steht Tori jeden Morgen um fünf Uhr auf. Für den Garten.

AZ

Jedes Jahr ist mal zu Ende. Auch wenn es noch so entbehrungsreich und anstrengend war. Und wenn es zu Ende ist, erscheinen die Lenzburger Neujahrsblätter. Das ist seit 1930 so und das Coronajahr ist keine Ausnahme.

Hauptfigur der aktuellsten Ausgabe ist natürlich die Stadt Lenzburg. Unter dem Hauptthema «Service Public» haben die Autorinnen und Autoren die Stadtverwaltung unter die Lupe genommen und verschiedene Menschen und ihre Arbeit im Dienste der Stadt porträtiert. In ausführlichen Texten öffnen sich verschiedene Türen, zum Beispiel jene zu den Sozialen Diensten, zur Abteilung Tiefbau und Verkehr und auch die Tür zu einem Polizeiauto der Regio­nalpolizei. Wenn Lenzburger über Lenzburger schreiben, kommt so einiges zu Tage. Zum Beispiel über den Leiter der Sozialen Dienste Lenzburg, Michael Gruber, der in der «Krone» aufgewachsen ist und heute 22 Hunde in seinem Haushalt zählt.

Von Bahnhofsneubau bis Biberschaden

Insgesamt 250 Personen arbeiten im Dienst der Stadt, einer ist Christian Brenner, Leiter Abteilung Tiefbau und Verkehr. «Ich war erstaunt, wie interessant und vielseitig die Verwaltungsaufgaben sind», sagt Neujahrsblätter-Chefredaktor Mike Müller, der den Beitrag geschrieben hat. Der Artikel zeigt, worum sich die Abteilung von Christian Brenner kümmert. Vom Bahnhofsneubau über den Baumkataster bis zum Bach inklusive Biber ist Brenner zuständig.

Die aktuelle Ausgabe der Neujahrsblätter ist eine, in der man vielleicht auch in 50 Jahren noch nachlesen will, wie das denn genau war, als Corona dem Leben dazwischenkam. Die Planung der Neujahrsblätter beginnt jeweils im Januar und ist rollend. Das feste Redaktionsteam, das neben Müller aus Redaktor Rolf Kromer und Bild­redaktor Emanuel Freudiger besteht, hat beschlossen, sich nicht überrollen zu lassen. «Wir haben am Hauptthema festgehalten, Covid-19 aber einen eigenen Artikel gewidmet», sagt Mike Müller.

Für einmal waren die Brunnen die Stars

Auch in der Chronik wird klar, dass dies ein Jahr des Absagens und Verschiebens war, in dem manche Protagonisten auf Bildern auffällig weit auseinanderstehen. Auch ein Jahr der Solidarität und der Kreativität. Auch das Jugendfest light wurde festgehalten. «Dieses Jahr haben wir die Brunnen zu den Stars gemacht», sagt Müller. Und wer es ertragen kann, dass am Freischarenmanöver Kritik angebracht wird, findet einen Rückblick ins Jahr 1979, als das Lenzburger Landschaftstheater ins Kreuzfeuer der Pazifisten geriet.

Wer Corona für ein paar Seiten ganz vergessen will, widmet sich dem Filetstück der neusten Ausgabe, dem Porträt eines Lenzburger Stadtoriginals: «Tori Fuhrer, der beste Kübelmann weit und breit.»

Toris Leben neben dem Güselwagen

Die Kinder von heute sind um einiges ärmer als die letzte Generation. Denn sie können nicht «Tori, Tori» schreien, wenn sie den Güselwagen kommen sehen. Auf diesem stand früher Tori. Der liebenswürdige Kübelmann, der für alle einfach «de Tori» war. Wegen seiner schmerzenden Knie musste er 1998 vom Güselwagen absteigen. Noch heute trauert er seiner Tour nach. Die Arbeiten, die er beim Bauamt stattdes- sen übernehmen konnte, waren längst nicht so erfüllend. Dass alle seine Nachfolger «Kläuse» waren, hat auch nicht geholfen. Das Porträt macht aus dem zweidimensionalen Kübelmann Tori mit den bedruckten T-Shirts einen ganzen Menschen; mit Haus und Hobbys und Schwierigkeiten, die er im Leben meistern musste.

54 Mal war Tori am gleichen Ort in den Ferien, wo, sei hier nicht verraten. Siebenmal war er am Nordkap und einmal wurde er quasi wiedergeboren. Darum feiert er seinen Geburtstag doppelt. Zum ersten Mal geboren wurde er 1939, 1976 wurde er Ortsbürger. Nach seinen eigenen Angaben sei er der zweitbekannteste Lenzburger. Die Bekanntheit, die muss er sich vielleicht teilen, doch Tori ist der Publikumsliebling.

Hinweis

Die 92. Ausgabe der Lenzburger Neujahrsblätter gibt es ab sofort in der Buchhandlung Otz, im Bücher Antiquariat Vonarburg und bei Büro Ryser für 20 Franken zu kaufen.