Lenzburg

Tod der Edelkastanie: Die Wunde wird noch lange nicht verheilen

Die Baumfreunde vermissen die Edelkastanie am Lenzburger Steinbrüchliweg. Und Politiker ärgern sich über das Verhalten des Stadtrates.

Wer die Edelkastanie am Lenzburger Steinbrüchliweg geliebt hat, dem blutet angesichts dieser Bilder das Herz. Dort, wo eben noch eine bis zu 200-jährige Edelkastanie stand, klafft eine Lücke. Zu sehen ist nur noch der Strunk des ehemals stolzen Baumens. Des Baumes, dessen Erhaltung von renommierten Experten empfohlen worden war («… Der Baum (kann) weiterhin als sicher und erhaltenswert eingestuft werden»).

In einer vom Gesamtstadtrat verabschiedeten Medienmitteilung hiess es dann aber, die Kastanie sei «alt und krank». Immerhin hatte der Stadtrat den Eigentümern empfohlen, «umgehend nach der Fällung einen adäquaten Ersatzbaum zu pflanzen». Bis dieser allerdings das Loch füllen wird, werden Jahrzehnte vergehen.

Auch der Vogelschutzverein intervenierte

Der Tod der Edelkastanie hat in Lenzburg viel mehr Staub aufgewirbelt, als es anfänglich den Anschein hatte. Auch, weil der Stamm keineswegs morsch war. Zuerst schrieb die SP: «Wir fühlen uns getäuscht.» Und: «Lenzburg hat nicht nur einen eindrücklichen Baum verloren – sondern auch Vertrauen in den Stadtrat.»

Dann legte die Grossrätin und Präsidentin der lokalen SVP, Brigitte Vogel, nach: «Ich habe das Gutachten aufmerksam studiert und mit Befremden festgestellt, dass die Medienmitteilung der Stadt Lenzburg ziemlich anders tönt und zu einem ganz anderen Schluss kommt.» (die AZ berichtete). Und wie jetzt bekannt wird, hat sich auch Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg beim Stadtrat beschwert: «Wir erwarten, dass die Stadt in Zukunft Baugesuche auf Stadtbild oder Quartier prägende und/oder ökologisch wichtige oder konfliktträchtige Bäume überprüft und diese gezielt unter Schutz stellt.»

Der Vogelschutzverein hat schon 2014 das Projekt Lenzburger Baumtrilogie gestartet. In einem Artikel im «LBA» war auch die Edelkastanie am Steinbrüchliweg zu sehen. Sie wurde an einer Exkursion besucht.

Schon im Winter 2013/14 liess die damalige Besitzerin des Grundstücks den Baum für 2012.05 Franken sanieren. Ihre Villa wurde später verkauft und durch einen Neubau ersetzt. Nach einem weiteren Handwechsel war das Versprechen, dem Baum Sorge zu tragen, vergessen.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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