Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wehrt sich gegen Kritik an der Verfahrensdauer im Falle des Vierfachmörders von Rupperswil, Thomas N. Auch wenn dies in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werde, sei eine Anklageerhebung 16 Monate nach der Verhaftung aus ihrer Sicht sehr speditiv, betont Fiona Strebel, Sprecherin der federführenden Staatsanwaltschaft. Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass Thomas N. angeklagt wurde und zwar wegen

  • mehrfachen Mordes
  • mehrfacher räuberischer Erpressung
  • mehrfacher Freiheitsberaubung
  • mehrfacher Geiselnahme
  • mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind
  • mehrfacher sexueller Nötigung
  • Brandstiftung
  • mehrfacher strafbarer Vorbereitungshandlungen
  • mehrfache Pornografie.
Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, wird unter anderem wegen Kinderpornographie angeklagt

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, wird unter anderem wegen Kinderpornografie angeklagt

Das sagt die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft und der Gerichtspsychologe (7.9.2017).

Strebel führt aus: «Alleine die Abwicklung der psychiatrischen Begutachtung und der Parteirechte dauert jeweils rund 12 Monate, und das liegt nicht an den Strafverfolgungsbehörden, sondern an unserer Strafprozessordnung.» Diese schreibe unter anderem zahlreiche aufwendige Formalitäten vor und räume den Parteien auch umfangreiche Beschwerdemöglichkeiten gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft ein.

Ex-Kriminalkommissar Markus Melzl: «Thomas N. hatte sich lange im Griff»

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Sind mit der Anklage alle Rechtsmittel vom Tisch? «Nein», sagt Strebel, «es ist eine Beschwerde des Beschuldigten vor Obergericht hängig.» Die Staatsanwaltschaft habe einen Antrag des Beschuldigten abgelehnt, diesen Entscheid habe Thomas N. angefochten.

«Zum Inhalt des Antrags kann ich mich nicht äussern, die Beschwerde betrifft aber einen Aspekt, der das Verfahren nicht verzögert», stellt die Sprecherin klar. Deshalb habe sich die Staatsanwaltschaft entschieden, an ihrem Fahrplan festzuhalten und trotzdem jetzt Anklage zu erheben.

Die Pflichtverteidigerin von Thomas N., Rechtsanwältin Renate Senn, teilt mit, sie nehme die Anklageerhebung zur Kenntnis. Auch wenn das Interesse der Öffentlichkeit am Fall gross sei, «werden seitens der Verteidigung und des Beschuldigten vor der Gerichtsverhandlung keine Stellungnahmen und Erklärungen abgegeben», hält Senn auf Anfrage fest. Sie will sich erst beim Plädoyer an der Gerichtsverhandlung zur Anklage und zum Verfahren äussern.

Wann die Gerichtsverhandlung stattfindet, ist noch nicht klar.