Staatsanwältin Barbara Loppacher beantragte die lebenslängliche Verwahrung, auch wenn eine wichtige Voraussetzung dafür nicht gegeben scheint. Das Gesetz verlangt unter anderem, dass zwei psychiatrische Gutachter unabhängig voneinander eine dauerhafte Untherapierbarkeit des Beschuldigten feststellen. Das haben die beiden am Dienstag befragten Experten aber nicht getan.

Beide sahen den 34-jährigen Schweizer als therapiefähig, wenn auch ein Erfolg nicht garantiert sei, und eine Behandlung sicher lange Jahre dauern müsste. Eine dauerhafte Untherapierbarkeit verneinten beide. Ebenso einig waren sie sich darin, dass eine hohe Rückfallgefahr bestehe, wenn nichts unternommen werde.

Gutacher nicht überall gleicher Meinung

Bei der Frage nach psychischen Störungen, die direkt mit den Delikten zusammenhängen, unterschieden sich die Gutachter in mehreren Punkten. Hier hakte Loppacher ein.

Eine Therapierbarkeit müsse nur dort vorhanden sein, wo eine solche ursächliche Störung vorliege, argumentierte sie. Die Tötungen als schwerste Delikte könnten nicht auf eine konkrete psychische Störung zurückgeführt werden, die behandelt werden könnte, so Loppacher. Also sei der Beschuldigte nicht therapierbar.

Klar angezeigt sei auf jeden Fall eine Verwahrung, allenfalls eine ordentliche. Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe allein genüge nicht, sagte die Anklägerin. Die "Wahrscheinlichkeit ist gross", dass er nach 15 Jahren bedingt entlassen würde.

"Die lebenslange Verwahrung ist noch nicht vom Tisch"

Opferanwalt Markus Leimbacher nach dem ersten Prozesstag: «Die lebenslange Verwahrung ist noch nicht vom Tisch.»

Auch Leimbacher glaubt weiterhin, dass die lebenslange Verwahrung ,ausgesprochen werden kann, obwohl zwei psychiatrische Gutachten ihn als therapiefähig eingestuft haben.

Vieles macht sprachlos

"Vieles in diesem Verfahren macht sprachlos", sagte die Staatsanwältin. Auch nach den Ausführungen der Psychiater und der Befragung des Beschuldigten sei kaum etwas verständlich geworden. Der Beschuldigten sei jemand, der "stets den Eindruck eines anständigen, netten jungen Mannes" mache. "Ein Eindruck, der täuscht" , so die Staatsanwältin. Gerade das verunsichere und erschüttere.

Loppacher rekapitulierte den Tathergang. Dabei wies sie auf mehrfache Widersprüche des heute 34-jährigen Schweizers zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen hin. Auch habe er im Laufe der Untersuchung manche Aussagen verändert und abgeschwächt.

Grausam und skrupellos

Irrelevant sei, ob der Beschuldigte aus purer Lust getötet habe, oder um seine Tat zu vertuschen - beides sei skrupellos und damit ein Mordmerkmal.

Die Staatsanwältin wirft dem Beschuldigten neben mehrfachem Mord auch mehrere weitere Delikte vor, darunter Nötigung und Geiselnahme. Die vier Personen hielt er als Geiseln, um jeweils einzelne von ihnen zu bestimmten Dinge zu zwingen.

Namentlich zwang er den 13-Jährigen dazu, etwa eine halbe Stunde lang einen üblen sexuellen Missbrauch über sich ergehen zu lassen und gegen seinen Willen die Wünsche des Täters zu erfüllen. Nach dem Missbrauch tötete der Beschuldigte seine auf ihren jeweiligen Betten liegenden, gefesselten Opfer. Nachdem er sich das Blut abgewaschen hatte, verteilte er überall Fackelöl und zündete das Haus an.

Weitere Buben im Visier

Kurz nach der Tat suchte er im Internet nach passenden Buben, recherchierte über deren Familien und Tagesabläufe. Er bereitete sich vor, wie vor der ersten Tat: er packte seinen Rucksack mit Tatutensilien und verfasste "amtliche" Schreiben, die ihn als Schulpsychologen auswiesen, um damit eingelassen zu werden.

Mit seiner Ausrüstung fuhr er zum Haus einer der ausgespähten Familien im Kanton Solothurn, schritt aber nicht zur Tat. Tags darauf wurde er verhaftet.