Lenzburg
Theater probt ein tödliches Verwirrspiel in den alten Fabrikhallen der Wisa-Gloria

Das Landschaftstheater führt im Mai das Theater «...& Gloria» in der alten Kinderspielfabrik auf. Die Proben laufen bereits. Besonderheit: Die Zuschauer werden von Schauplatz zu Schauplatz wandern.

Barbara Vogt
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Die Wisa-Gloria ist Bühne für das Wandertheater «... & Gloria». Szenen gibts an verschiedenen Orten. tf

Die Wisa-Gloria ist Bühne für das Wandertheater «... & Gloria». Szenen gibts an verschiedenen Orten. tf

Tod und Leben. Leben und Tod. Darum geht es in der neuen Produktion des Landschaftstheaters Lenzburg «... & Gloria». Das Theater spielt auf dem Areal von Wisa-Gloria. In den verwinkelten Ecken und alten Fabrikhallen, in denen einst Kinderspielsachen produziert wurden, Leben geherrscht hat. Doch dann wurde der Betrieb eingestellt und das Areal war tot. Bis Künstler, Gewerbetreibende und Fanclubs Einzug hielten und die Räume wieder belebten.

Bis zur Premiere von «... & Gloria» am 23. Mai ist es noch eine Weile hin, doch die Proben laufen bereits. Zweimal in der Woche treffen sich die rund 30 Schauspieler. «Eine grosse Verantwortung, die alle Beteiligten auf sich nehmen», sagt Tinu Niederhauser, Präsident des Landschaftstheaters.

Viele der Spielenden seien Amateure aus der Region und würden sich für ein halbes Jahr zeitlich und emotional verpflichten. Das mache es nicht immer einfach, Schauspieler für eine Produktion zu finden.

Skurrile Theaterwanderung

Das Theater «... & Gloria», geschrieben vom Zürcher Autoren Jens Nielsen, ist ein Dialektstück, in dem sich die Grenzen zur Realität und Wirklichkeit verwischen. Auf dem druckfrischen Flyer wird es als «skurrile Theaterwanderung durch eine gespenstisch normale Familiengeschichte» bezeichnet.

Es kommt zu einem Todesfall: Die Firma von Brigadier Alfred Nobs hat turbulente Zeiten hinter sich. Haarscharf ist ein Konkurs abgewendet worden. Doch der Turnaround scheint geschafft und ein doppeltes Jubiläum steht an – Brigadier wird 70, die Firma 125.

Das Fest beginnt, alle jubilieren. Da stirbt der Patron. Und weil er der Chef ist, gibt er seinen Tod gleich selbst bekannt. Zumindest den Zuschauern.

War es Selbstmord? Mord? Schwebt der verstorbene Brigadier als Geist durch die Wisa-Gloria? Eine Antwort gibt es nicht, das soll es auch nicht, findet Tinu Niederhauser: «Die Ebene von Wunsch und Wahrheit, von Wahrscheinlichkeit und Realität, von Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich im Stück ganz selbstverständlich.»

Dafür würden seltsame und skurrile Ereignisse von Brigadiers Leben bruchstückartigen Rückblenden gespielt.

Infostand für verwirrte Besucher

Während des Stücks begegnet das Publikum schrägen Figuren – sieht farbige Installationen, hört seltsame Klänge. Das Landschaftstheater beschreibt dies so: «Es ist, als schauen wir durch einen Türspalt in verschiedenste Zimmer eines grossen Hauses mit dem Namen Leben.»

Er selbst spielt eine solch surreale Figur: Mit einem kleinen Pinsel bemalt er ein grosses Plakat mit der Aufschrift «Wisa-Gloria», das geklaut worden ist.

Was am Stück letztendlich wahr oder unwahr ist, entscheiden die Besucher. Wird das Verwirrspiel zu irritierend, kann man sich, an den Infostand für verwirrte Zuschauer wenden.

Das Publikum sitzt während des Theaterstücks nicht etwa schön bequem in Sesseln, sondern wandert von Schauplatz zu Schauplatz. Aufgeteilt in vier Gruppen hören sich die Besucher die Geschichte vom Brigadier an. Dass die Besucher nicht an einem Ort bleiben, sondern sich stets bewegen, stelle die Organisatoren vor ein logistisches Problem, sagt Tinu Niederhauser und lacht.

Regisseurin besetzt Rollen gut

Wisa-Gloria bilde für die Aufführung eine ideale Kulisse, sagt Niederhauser. Das Areal lebe von der Geschichte der ehemaligen Spielzeugfabrikation und den vielen Kulturen, die sich heute darin bewegen. «Wir reagieren auf die Landschaft, die Fabrikstrukturen.»

Lobende Worte findet der Theaterpräsident für die Regisseurin Martha Zürcher aus Zürich: «Sie versteht es die Spieler zu fördern und hat ein Gspüri dafür, welche Rollen sie besetzen können.»

Noch sucht das Landschaftstheater Lenzburg Helferinnen und Helfer, die hinter der Kulisse mithelfen. Mehr Infos unter helfer@landschaftstheater.ch

Die Premiere von «... & Gloria» findet am 23. Mai, um 19.30 Uhr statt. Bis zum 11. Juni sind zehn Vorstellungen geplant.