Am 22. November 2016 feiert das Theaterstück «Tell vor Gericht» – ein adaptiertes Drehbuch der berühmtesten Schweizer Sage um Nationalheld Wilhelm Tell – feierliche Premiere. Doch die Vorführung wird wohl alles andere als gewöhnlich. Sie findet nämlich nicht in einem schmucken Theatersaal, sondern hinter den dicken Betonwänden der JVA Lenzburg statt.

In der Turnhalle des Gefängnis proben die schweren Jungs derzeit fleissig. Die Hauptrolle des Wilhelm Tell hat Insasse Marko Lazic ergattert. Der Serbe, der wegen Betrugsdelikten hinter Gittern sitzt, ist stolz auf seine Rolle: «Es ist eine grosse Ehre für mich», sagt Lazic gegenüber Tele M1 und gibt an, die Rolle wegen seiner guten deutschen Sprachkenntnissen bekommen zu haben.

Die Zeit im Knast sinnvoll nutzen

Im Theaterstück wird Wilhelm Tell wegen Mord angeklagt. In der Folge kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Eben dieser Umstand mache das Stück für die Häftlinge der JVA so interessant, wie Regisseurin Annina Sonnenwald gegenüber dem Regionalsender erklärt. «Die Insassen haben alle Erfahrungen als Angeklagte im Gerichtssaal gemacht. Und genau diese Erfahrungen fliessen nun in das Stück.»  

Auch Veysel kennt die Anklagebank nur zu gut, wurde er doch wegen Drogendelikten zur Haft in der JVA Lenzburg verdonnert. Ihm biete das Theaterspielen eine ideale Gelegenheit, seine Zeit im Gefängnis sinnvoll zu nutzen. Gegenüber Tele M1 sagt er: «Die Geschichte um Wilhelm Tell hat mich sehr interessiert.» Vor allem gehe es ihm aber darum, etwas Sinnvolles zu tun, wie er lachend hinzufügt: «Bislang habe ich vor allem Scheisse gebaut, jetzt möchte ich etwas Gutes tun.» (luk)