Schloss Hallwyl

Textilproduktion wie im letzten Jahrhundert: Die jungen Stoffdrucker

Spezialangebot im Rahmen des «Textil-Oktobers» im Schloss Hallwyl.

Konzentriert strich der achtjährige Noel Sonderegger blaue Farbe auf einen Schwamm. Danach drückte er einen Druckstock drauf und presste diesen anschliessend sorgfältig auf einen Baumwollbeutel. Nach dem Abheben des Models begutachtete er das filigrane Blättchenmotiv, das auf dem Stoff erschien, und wiederholte den Vorgang.

Er probierte verschiedene Druckstöcke und Farben aus und am Ende zeigte er stolz sein Werk. «Den Beutel werde ich als Turnsäcklein für die Schule brauchen», erklärte er.

Die Klischees stammen aus Suhr

Neben Noel haben gestern viele weitere Kinder Baumwolltaschen und -beutel farbig bedruckt. Im Rahmen seines «Textil-Oktobers» führt das Schloss Hallwyl an den Sonntagen eine Textilwerkstatt durch. Die Druckstöcke, welche den Besuchern dort zur Verfügung stehen, stammen von der Textildruckerei Suhr.

Diese wurde 1903 in Aarau von zwei Stoffdruckern gegründet und 1908 nach Suhr verlegt. Bis zum Zweiten Weltkrieg druckten die rund 50 Angestellten von Hand, danach folgte die Automatisierung. 2010 wurde der Betrieb eingestellt.

In der Textilwerkstatt stehen den Kindern verschieden grosse Druckstöcke zur Verfügung. Auf die grossen mussten die kleinen Textildrucker die Farbe sorgfältig mit einem Roller auftragen und das Klischee anschliessend auf die Baumwolle pressen. Eltern und freiwillige Helferinnen unterstützten die Kinder beim Andrücken, damit ein gleichmässiges Druckbild entstand.

Leichter zu handhaben waren die kleineren Indienne-Motive. Diese wurden zuerst auf einen mit Farbe getränkten Schwamm und danach auf die Textilien gedrückt. Anschliessend wurden die bedruckten Baumwollbeutel zum Trocknen aufgehängt und durften später von den Kindern zusammen mit einer ausführlichen Wasch- und Bügelanleitung mit nach Hause genommen werden.

Spinnen, weben und drucken sind die Themen des «Textil-Oktobers». Webstühle und Spinnräder zeigen die verschiedenen Stationen der Baumwollverarbeitung. Die Kinder durften auf kleinen Webrahmen mit Wolle einen kleinen Blätz weben und das Knüpfen von Bändern üben, wobei sechs Stränge ineinander verwoben werden mussten.

Der achtjährige Jan Kohler aus Muhen beherrschte die Technik bereits gut und erklärte: «Der kleine Finger, der keinen Faden hat, klaut denjenigen des Zeigefingers der anderen Hand, dann werden die übrigen Fäden hochgeschoben und der kleine Finger klaut wieder einen anderen Faden.»

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