Lenzburg
Teurerer Mittagstisch und Vorauszahlungen: Bei der Kinderbetreuung wird sich vieles ändern

Mit der Umsetzung des kantonalen Kinderbetreeungsgetzes kommen auf Lenzburg viele Änderungen zu. Neu müssen Eltern das Geld für die Kita vorschiessen und dann zurückfordern. Auch die Kosten für den Mittagstisch steigen.

Urs Helbling
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Kinder in einer Kita. (Symbolbild)

Kinder in einer Kita. (Symbolbild)

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Auf den 1. August hin muss das kantonale Kinderbetreuungsgesetz (KiBeG) umgesetzt werden. Viele Gemeinden tun sich schwer damit. Weil sie entweder ein Angebot neu schaffen müssen oder Strukturen total umkrempeln sollen. In der Stadt Lenzburg (10 178 Einwohner) bleibt kaum ein Stein auf dem anderen.

Subventionsberechtigte Eltern bekommen das Geld neu direkt – nicht mehr die Kitas. Sie können ihre Kinder auch auswärts betreuen lassen. Der Anbieter der Tagesstrukturen wird wechseln – mit schwerwiegenden Folgen.

So steigen die Kosten für den Mittagstisch von 15 auf 22 Franken – weil die Betreiber für dieses Angebot keine Subventionen mehr erhalten. Und ganz generell werden die Eltern seitens der Stadt weniger unterstützt, weil die vorhandenen finanziellen Mittel auf mehr Köpfe aufgeteilt werden müssen. Das war gestern Abend an einer Orientierungsversammlung zu vernehmen.

Bis 120 Subventionsberechtigte

Die Ausgangslage: In der Stadt Lenzburg hat es fünf Kitas und ein Angebot des Vereins Tagesstrukturen. Letzter wird im Sommer abgelöst durch den Verein Erziehung und Bildung (VEB), Aarau. Dieser wird – wie bis anhin – 25 Plätze in der Tagesstruktur anbieten und einen Mittagstisch für 60 Kinder (vorerst nur bis zum Austritt aus der Primarschule, 6. Klasse). Der Einwohnerrat hat im Budget den Betrag für die Unterstützung der Eltern auf 574 000 Franken festgelegt. Man geht davon aus, das 100 bis 120 Eltern subventionsberechtigt sind.

Der Systemwechsel: Bisher wurden die Subventionen an die Institutionen (bspw. Kitas) ausbezahlt. Neu erhalten die Eltern das Geld direkt. Das hat für sie zwei Vorteile: Erstens müssen sie ihre finanziellen Verhältnisse nicht mehr gegenüber der Institution offenlegen und zweitens können sie ihre Kinder auch in Kitas ausserhalb von Lenzburg schicken.

Wie bei Prämienverbilligung

Entscheidend für die Subventionsberechtigung ist das «massgebende Einkommen» (analog bei der Prämienverbilligung). Also das steuerbare Einkommen plus beispielsweise Beiträge für die Säule 3a, freiwillige Zuwendungen oder 20 Prozent des steuerbaren Vermögens (200 000 Fr. sind steuerfrei). Wie die Tabelle links zeigt, hört die Subventionsberechtigung bereits relativ früh auf. Umgerechnet bei einem Bruttoeinkommen zwischen 8500 und 9000 Franken (beide Verdiener kumuliert).

Neu müssen die Eltern die Kinderbetreuungsinstitution selber bezahlen und das Geld dann bei der Stadt zurückfordern. Das kann zu schwierigen Situationen führen, beispielsweise im Fall einer Alleinerziehenden (arbeitet 50 Prozent) mit einem «massgebenden Einkommen» von 25 000 Franken. Die Stadt subventioniert die Kita (100 Fr. pro Tag) mit 65 Prozent. Sie übernimmt 11 407 der jährlichen Kosten von 17 550 Franken. Die Alleinerziehende muss neu im August die erste Monatsrechnung (knapp 1000 Franken) bevorschussen.

Im Fall von Familien zahlt die Stadt Lenzburg nur dann Subventionen, wenn beide Elternteile tatsächlich gleichzeitig arbeiten gehen. Abgerechnet wird auf der Basis von Halbtagen. Ein Beispiel: Ein Paar ist für drei Halbtage Betreuung bezugsberechtigt. Es hat ein massgebendes Einkommen von 72 300 Franken. Die Stadt zahlt 2080 Franken (20 Prozent) an die jährlichen Kosten für die Betreuung der zwei Kinder (ein Mal Kita, ein Mal Tagesstruktur).

Die Eltern müssen selber einen Subventionsantrag stellen. Dafür muss bis Ende April (dieses Jahr bis Ende Mai) eine Steuererklärung eingereicht sein. Beratung bietet die Stadt relativ wenig und zu für Berufstätige schwierigen Zeiten: während der Bürozeiten am Mittwoch und am Freitagmorgen.