Bezirksgericht Lenzburg
Teurer Versprecher: «Arschloch» kostet Treuhänder 15'000 Franken

Ein Treuhänder stand vor dem Bezirksgericht Lenzburg, weil er seinen ehemaligen Angestellten mit «Arschloch» und «Betrüger» tituliert hatte.

Ann-Kathrin Amstutz
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Die beiden Treuhänder hatten vertraglich vereinbart, sich mündlich nicht zu schädigen. (Symbolbild)

Die beiden Treuhänder hatten vertraglich vereinbart, sich mündlich nicht zu schädigen. (Symbolbild)

Keystone/GAETAN BALLY

Nicht zum ersten Mal sassen sie sich im Gerichtssaal gegenüber. Bis vor drei Jahren arbeitete der 42-jährige Nowak (alle Namen geändert) im Treuhandunternehmen von Schröder, einem 48-jährigen Deutschen. Doch Anfang 2014 beschloss Nowak, sich selbstständig zu machen – und nahm über 20 Kunden aus dem alten Geschäft mit.

Dies führte zu Streitigkeiten und endete in einem Gerichtsverfahren. Man einigte sich in einem Vergleich, bei dem Nowak eine Zahlung an seinen früheren Arbeitgeber leisten musste. Darin war auch eine Sprachregelung verankert, dass beide Beteiligten den anderen mündlich nicht schädigen würden. Ein Verstoss gegen diese Konvention soll mit einer Busse von 25 000 Franken bestraft werden.

Im Juni 2015 kam es in Lenzburg zu einem verhängnisvollen Treffen zwischen Schröder und Graf. Graf, ein ehemaliger Kunde von Schröders Unternehmen, liess sich nach dem Bruch zwischen Schröder und Nowak weiter von Letzterem betreuen. Dies erhitzte Schröders Gemüt. Im Gespräch mit Graf soll er Nowak ein «Arschloch und Betrüger» genannt haben.

Als dies Nowak zu Ohren kam, erhob er Anklage gegen Schröder. Dabei ging es ihm weniger um den genauen Wortlaut als um seinen Ruf, den er bedroht sah – und um die Verletzung der Sprachregelung. So musste sich Schröder wegen Verleumdung und Beschimpfung vor Gerichtspräsidentin Danae Sonderegger verantworten.

Beide Treuhänder erschienen in Begleitung ihrer Anwälte. Schröder, sichtlich nervös, konnte kaum stillsitzen. Ganz im Gegensatz zum Kläger, welcher die Verhandlung bewegungslos verfolgte. Schröder sagte, es sei ausgekommen, dass Nowak noch mehr Kunden abgeworben habe als zuerst gedacht, teilweise indem er sie mit Vergünstigungen gelockt habe.

Dass er dies nicht früher bemerkt habe, habe ihn sehr geärgert. So sehr, dass er zu sich selbst gesagt habe: «O Gott, bin ich ein Arschloch.» Eine bekannte Ausrede. Sie stand klar im Widerspruch zur Aussage von Graf, der als Zeuge einvernommen wurde. Graf bestätigte, das «Arschloch» habe klar Nowak gegolten. Dies entlockte Schröder ein verächtliches Lächeln und Kopfschütteln.

Danae Sonderegger schlug eine aussergerichtliche Einigung vor. «Bei einem weiteren Prozess müssten Sie beide viel Zeit und Geld investieren.» Nach kurzem Hin und Her stimmten beide Parteien einem Prozessvergleich zu.

15 000 Franken plus Anwalts- und Gerichtskosten muss Schröder berappen. «Das war für Sie ein Warnschuss, wie mühsam es werden kann. Ich empfehle Ihnen, den Streit nun abzuschliessen.» Mit diesen Worten entliess Sonderegger die beiden.