Lenzburg
Teurer Hustenanfall: Ein Mann verliert die Kontrolle über den BMW – und muss zahlen

Wegen eines Hustenanfalles kam ein 45-jähriger Polier vor einem Jahr von der Strasse ab und krachte in eine Hecke. Verletzt wurde niemand. Das könne jedem passieren, sagte der Unfallfahrer vor dem Bezirksgericht.

Michael Küng
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Das Bezirksgericht Lenzburg.

Das Bezirksgericht Lenzburg.

AZ

Vor dem Bezirksgericht stand am Dienstag ein 45-jähriger Strassenbau-Polier. Vor einem Jahr ist er wegen eines Hustenanfalls mit seinem BMW in Boniswil von der Seetalstrasse abgekommen und in eine Hecke gekracht, verletzt wurde niemand. Dafür schickte ihm die Staatsanwaltschaft wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs einen Strafbefehl: Der Polier wurde zur Zahlung einer Busse über 300 Franken sowie Gebühren und Verfahrenskosten von 790 Franken verurteilt. Dagegen erhob er Einsprache.

Wie der Mann vor Gericht ausführte, war er auf dem Heimweg ins Wynental, nachdem er bei einem Besuch in Lenzburg gegen Halsschmerzen einen Tee mit Rum getrunken hatte. Auf dem Heimweg übermannte ihn besagter Hustenanfall, weswegen er die Kontrolle über sein Auto verlor, über die Gegenfahrbahn fuhr und in einer Hecke landete. An dem BMW entstand dabei Sachschaden. Dass auch die Hecke nicht heil davon gekommen ist, kann dem Strafbefehl entnommen werden.

Im Verlauf der Verhandlung widerspricht sich der Beschuldigte mehrfach. «Es ging alles sehr schnell, es war mir unmöglich, zu bremsen», sagte er. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob bei einem erneuten heftigen Hustenanfall dasselbe passieren würde, antwortete der Polier hingegen, er würde das nächste Mal ganz sicher bremsen. Die Frage ist nicht ganz unwichtig: Hätte er anders geantwortet, müsste er zur Überprüfung seiner Fahrtauglichkeit antraben.

Dass es unmöglich gewesen sei, den Unfall zu verhindern, war auch seine Motivation für das Vorgehen gegen den Strafbefehl: Das hätte jedem passieren können. Allerdings befand der Mann auch, dass er «natürlich bestraft werden» müsse. Nur sei der Schaden an seinem BMW eben schon Strafe genug.

Sein Anwalt führt aus, dass weder eine Verletzung der Sorgfaltspflicht noch ein Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetz vorliege. Er erinnert an einen Fall, in dem er erfolgreich eine Autofahrerin verteidigt hat, die wegen einer Schlafapnoe einen Unfall gebaut hat. Ihre Erkrankung war ihr zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht bekannt.

Das Bezirksgericht lässt den Vergleich nicht gelten und folgt dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft. Zusätzlich muss der Autofahrer für die Prozesskosten aufkommen. In seiner Begründung führt der Gerichtspräsident aus, dass die unter Schlafapnoe leidende Unfallverursacherin, die der Verteidiger erwähnte, bei ihrem Unfall bewusstlos und deshalb nicht schuldfähig gewesen sei. Im vorliegenden Fall verhält es sich anders.

Das Bundesgericht definiere das Beherrschen des Fahrzeugs so, dass das Fahrzeug nichts tut, das der Fahrer nicht will. Dazu gehöre auch das Bewältigen von plötzlich eintretenden Verkehrshindernissen oder unerwarteter Umwelteinflüsse wie eben ein heftiger Hustenanfall. Das Urteil möge hart erscheinen und der Beschuldigte sei «sicher kein Schwerverbrecher».

Der Vorfall sei ganz einfach «dumm gelaufen». Bei so einem Urteil könne manchmal eine Prise Humor helfen: «Würde es dem Staat um das Geld gehen, könnte er doch in Gerichtssälen Werbung für Halsschmerz-Medikamente zulassen», schliesst der Gerichtspräsident die Verhandlung im Scherz. Das Urteil kann innert zehn Tagen weitergezogen werden.