Neueröffnung
Tessinerbrot neben Börek und Baklava – Seon hat endlich wieder einen Beck

Kerim und Gülsen Demirbas verkaufen in ihrer Bäckerei unter anderem frisch produzierte türkische Spezialitäten. Das Konzept des Ehepaars Demirbas scheint aufzugehen: Die Bäckerei kommt bei der Kundschaft gut an.

Anja Suter
Merken
Drucken
Teilen
Kerim Demirbas stellt Baklava in seiner Backstube selbst her. Während der Teig im Ofen bäckt, kocht der Sirup in der Schüssel.

Kerim Demirbas stellt Baklava in seiner Backstube selbst her. Während der Teig im Ofen bäckt, kocht der Sirup in der Schüssel.

Britta Gut

«Entschuldigung, was ist das genau», fragt ein Herr und deutet dabei auf die Auslage. Sevgi Sahin Özkan erklärt ihm die verschiedenen Gebäcke und aus was sie bestehen. Zufrieden wählt der Mann einige Stücke aus. Er ist nicht der Erste, der sich am Montag eine Auswahl der türkischen Gebäcke einpacken liess, immer wieder stehen an diesem Morgen neugierige Kunden im Laden und probieren sich durchs Sortiment.

Ein Beck im Dorf, das gabs lange nicht mehr. Vor 11 Jahren verschwand mit dem «Lü Beck» die letzte Bäckerei aus Seon. Ausnahme war das Provisorium der Seenger Bäckerei Studler, die ihre Waren beim Sternenkreisel aus einem Container verkaufte. Das Projekt verzögerte sich um mehrere Jahre und scheiterte schliesslich. Im Jahr 2015 musste die Bäckerei Studler ihr das Provisorium abbrechen, weil dessen Bewilligung abgelaufen war.

Auch Tessiner Brot ist im Regal zu finden

Das Ehepaar Demirbas wusste von all dem nichts. «Wir wollten schon immer eine eigene Bäckerei», sagt Gülsen Demirbas. Das Ehepaar wohnt mit den beiden Kindern seit zwei Jahren in Seon. Immer wenn sie die Kinder zur Schule gebracht habe, sei sie an dem leeren Geschäft vorbeigekommen, so Gülsen Demirbas. Ende September erfüllte sich dann der Traum des eigenen Ladens.

Seit diesem Tag sind Gülsen und Kerim Demirbas und Sevgi Sahin Özkan sieben Tage pro Woche hinter der Theke und in der Backstube. Die Bäckerei Demirbas ist keine rein türkische Bäckerei, wie Gülsen Demirbas betont: «Wir bieten Produkte aus verschiedenen Ländern an.» So ist in der Auslage der Bäckerei neben Börek und Baklava auch Tessinerbrot zu finden. Um den Kunden die türkischen Spezialitäten näher zu bringen, wurden bei der Eröffnung Proben verteilt. «Damit jeder die verschiedenen Gebäcke kennen lernen kann», sagt Sevgi Sahin Özkan.

Von sechs Geschwistern wurden fünf Bäcker

Ein Grossteil der Waren produziert Kerim Demirbas frisch im Laden. Der 39-Jährige hat das Bäckerei-Handwerk von seinem Vater gelernt. Er backt, seit er 12 Jahre alt ist. Und nicht nur er: Von sechs Geschwistern sind fünf Bäcker geworden. Und auch der nächste Bäckerei-Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern. Auch die Söhne von Gülsen und Kerim Demirbas wollen Bäcker werden.

Kerim Demirbas ist ständig in Bewegung. So schleppt er Zuckersäcke vom Lager in die Backstube, setzt Sirup für die Baklava an oder schiebt die nächsten Portionen für das Börek in den Ofen.

«Es ist ein sehr gutes Gefühl in der eigenen Bäckerei zu arbeiten», erklärt er. «Ich liebe meinen Job und weil es mein eigenes Geschäft ist, bin ich noch motivierter. Ich stecke hier all meine Energie rein», erklärt der Bäcker. Das Konzept des Ehepaars Demirbas scheint aufzugehen: Die Bäckerei kommt bei der Kundschaft gut an und auch die Probieraktion war ein voller Erfolg: Zu den beliebtesten Produkten gehören unter anderem Börek und Pide.