Als klar wurde, dass sich eine nötige Sanierung im Boniswiler Restaurant Seeblick nicht mehr rentiert, hat sich das langjährige Wirtepaar Rita und Werner Schlegel nach drei Jahrzehnten schweren Herzens zum Verkauf entschlossen.

Das Restaurant am Westufer des Hallwilersees gekauft hat die Grundmann Bau AG aus Suhr, die auf der grossen Parzelle anstelle des Restaurants zwei beige Terrassenhäuser mit je fünf 4,5-Zimmer-Wohnungen bauen will.

Die Baukosten belaufen sich auf 7 Mio. Franken, das Baugesuch liegt bis zum 5. August auf. Zur Seetalstrasse hin werden die fünfstöckigen Gebäude als zweigeschossig wahrgenommen. Die Parzelle liegt in der Bauzone WG2 für Wohnen und Arbeiten.

Wird nach über 30 Jahren geschlossen: Das Restaurant Seeblick in Boniswil.

Wird nach über 30 Jahren geschlossen: Das Restaurant Seeblick in Boniswil.

Die Zufahrt zur unterirdischen Garage soll zum See hin hinter dichtem Grün versteckt werden. Die erlaubte Baudichte wird mit einer geplanten Ausnützungsziffer von 0,47 nicht ausgereizt, möglich wäre 0,6. In den Medienarchiven wird 1987 das erste Mal ein Terrassenhaus in Boniswil erwähnt.

Es war ein Einzelfall, Boniswil war über Jahrzehnte überwiegend von Einfamilienhäusern geprägt. Zum Hang hin ergänzten ein paar Höfe das Siedlungsbild, zum See hin einige Villen, hier und dort ein Mehrfamilienhaus.

Nun sind am selben Acker auf einen Schlag hin acht Terrassenhäuser geplant. Denn nur 150 Meter vom «Seeblick» entfernt sollen an der Seetalstrasse noch sechs weitere Terrassenhäuser entstehen.

Das Baugesuch für dieses zweite Projekt liegt bis zum 12. August bei der Gemeinde auf. Die schöne Hanglage über dem Hallwilersee ist prädestiniert für Terrassenhäuser als Geldanlage. Ähnliche Projekte sind – abhängig von den Grundeigentümern – dem gesamten «Buebenacher» entlang zwischen Boniswil und seinem Weiler Alliswil denkbar.

Mehr Steuersubstrat für die Gemeinde

Das ist gut fürs Steuersubstrat und trägt insofern zur Verdichtung bei, als dass die gehobenen Wohnungen eine Alternative zu freistehenden Einfamilienhäusern bieten. Und ihr Zielpublikum ist ein anderes als das der neuen Wohnblöcke im Dorfzentrum. Sie liegen direkt bei der Schule, sind für junge Familien attraktiv. Insofern können die Terrassenhäuser auch zu einer gesellschaftlichen Durchmischung beitragen. Allerdings liegen die markanten Bauten an Boniswils Peripherie, direkt an der Grenze zum Hallwilersee-Schutzdekret – wo man sich fragen kann, wie breit verdichtetes Bauen auch dort unterstützt wird. Die Gemeinde hat ihre Bau- und Nutzungsordnung erst 2015 revidiert, 2018 hat sie der Regierungsrat bewilligt.