Prozess in Lenzburg
Temposünder fährt mit 159 km/h hinter Polizeiauto, das seinen Bruder verfolgt

Eine Video-Patrouille verfolgt auf der A1 einen Temposünder. Dessen Bruder folgt dem Polizeiauto und wird auch gebüsst. Vor Gericht streitet er alles ab. Der Richter erteilt ihm eine überraschende Lektion.

Pascal Meier
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Das Dreier-Combo «Bruder-Polizei-Bruder» fuhr über mehrere Kilometer mit übersetzter Geschwindigkeit über die Autobahn – bis die Polizei der Tempobolzerei in Baden-Dättwil ein Ende machte. (Symbolbild)

Das Dreier-Combo «Bruder-Polizei-Bruder» fuhr über mehrere Kilometer mit übersetzter Geschwindigkeit über die Autobahn – bis die Polizei der Tempobolzerei in Baden-Dättwil ein Ende machte. (Symbolbild)

imago

Der Kosovare hatte es eilig. Mit knapp 160 km/h bretterte er im Mai 2016 über die A1 zwischen Lenzburg und dem Baregg-Tunnel. Auf der Überholspur zog er an Autos vorbei – und einer Video-Patrouille der Kantonspolizei. Die Patrouille im unscheinbaren Zivilfahrzeug nahm die Verfolgung auf und filmte den Temposünder über mehrere Kilometer. Sie massen eine Geschwindigkeit von 159 km/h im 120er-Bereich. Nach Abzug der Sicherheitsmarge 29 km/h zu viel.

Bei der Ausfahrt Baden-Dättwil war dann Schluss: Die zwei Polizisten zogen den Westschweizer aus dem Verkehr. Er wurde später von der Staatsanwaltschaft per Strafbefehl verurteilt. Der Mann akzeptierte die Busse. Zu erdrückend war der Beweis auf Video.

Die Geschichte ist damit nicht zu Ende. Hinter dem Kosovaren fuhr nämlich dessen Bruder, ebenfalls auf der Überholspur. Der 47-jährige Westschweizer hatte es genauso eilig und fuhr viel zu schnell. Er merkte dann nicht, dass die Video-Patrouille ebenfalls auf die Überholspur wechselte, sich zwischen ihn und dem Bruder einreihte und diesen verfolgte. Das Dreier-Combo «Bruder-Polizei-Bruder» fuhr über mehrere Kilometer mit übersetzter Geschwindigkeit über die Autobahn – bis die Polizei der Tempobolzerei in Baden-Dättwil ein Ende machte.

«Zustände wie in einer Diktatur»

Im Gegensatz zum Bruder akzeptierte der Fahrer im hinteren Auto den Strafbefehl nicht. Der Fall wurde deshalb vor dem Bezirksgericht Lenzburg verhandelt. Dort sagte der Temposünder verärgert: «Es gibt keinen Beweis, dass ich gleich schnell gefahren bin wie mein Bruder», übersetzte die Dolmetscherin. Auf Französisch fuhr der 48-jährige Waadtländer fort: «Es gibt nur eine Video-Messung vom Auto meines Bruders, das vor der Video-Patrouille fuhr. Ich fuhr aber dahinter und wurde nicht gefilmt.» Und: «Ich fuhr höchstens 130 km/h. Da bin ich mir sicher!»

Einer der beiden beteiligten Polizisten sagte jedoch im Gerichtssaal, dass das Fahrzeug hinter der Patrouille längere Zeit gleich schnell fuhr wie das gemessene Fahrzeug vor der Patrouille. Also knapp 160 km/h. Video-Aufnahmen von Kameras entlang der Autobahn zeigten zudem, dass die drei Fahrzeuge hintereinander im gleichen Abstand fuhren.

«Man sieht auf den Aufnahmen der Autobahn-Kameras die Kontrollschilder nicht», kritisierte der Angeschuldigte. «Das könnten andere Autos sein.» Er wisse, dass er nicht so schnell gefahren sei. «Ich lüge nie. Ich sage immer die Wahrheit.» Gerichtspräsident Daniel Aeschbach fragte darauf: «War das jetzt die Wahrheit oder eine Lüge?» Die Wahrheit, sagte der Waadtländer leicht verärgert – und verglich den Polizeieinsatz mit den Zuständen in seiner früheren Heimat in Ex-Jugoslawien. «Das alles erinnert mich an die Diktatur von damals. Die Polizei konnte auch machen und sagen, was sie wollte.»

«Ich gehe vor Bundesgericht»

Gerichtspräsident Daniel Aeschbach bestätigte schliesslich den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Waadtländer zu einer Busse von 400 Franken. Zudem muss er 1750 Franken Verfahrenskosten zahlen – alles ein Klacks für den Beschuldigten, einem Geschäftsführer mit rund 120 Angestellten und einem Jahreslohn von über 300'000 Franken. Schnell stellte sich an der Verhandlung heraus: Es geht ihm nicht ums Geld. Ihm droht ein Ausweisentzug, auch wegen eines früheren Verkehrsdelikts. Und es geht dem Mann ums Prinzip. «Es gibt keine Beweise», wiederholte er sich vor Gericht. «Ich werde bis vor Bundesgericht gehen.»

Zum Schluss der Verhandlung zeigte sich Gerichtspräsident Aeschbach befremdet über den Vergleich zwischen der Schweizer Polizei und der Diktatur im ehemaligen Jugoslawien. «Sie sind seit 20 Jahren in der Schweiz und sollten unser Land kennen», sagte Aeschbach – und schob eine Bemerkung nach, über die selbst die versierte Übersetzerin stolperte: «Zur besseren Integration sollten Sie unsere Kultur studieren. Ich schlage dazu Trudi Gerster vor, unsere Märchenkönigin.»

Das liess der Waadtländer nicht auf sich sitzen. Sein Zeigefinger war auf Daniel Aeschbach gerichtet, als er sagte: «Von Ihnen lasse ich mir nicht sagen, ob ich integriert bin oder nicht.» Dann verliess er wütend den Saal.

Aktuelle Polizeibilder vom März 2017:

Berikon (AG), 31. März 2017 Eine Streifkollision geht glimpflich aus, Sachschaden entsteht dennoch: Der weisse Rover einer 19-jähringen Lenkerin wird ebenso wie das schwarze Fahrzeug einer 49-Jährigen in Mitleidenschaft gezogen. Die Frau mit dem weissen Rover fährt zunächst weiter und meldet sich erst eine Stunde nach dem Unfall bei der Polizei.
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Berikon (AG), 31. März 2017 Eine Streifkollision geht glimpflich aus, Sachschaden entsteht dennoch: Der weisse Rover einer 19-jähringen Lenkerin wird ebenso wie das schwarze Fahrzeug einer 49-Jährigen in Mitleidenschaft gezogen. Die Frau mit dem weissen Rover fährt zunächst weiter und meldet sich erst eine Stunde nach dem Unfall bei der Polizei.
Kerns (OW), 29. März 2017 Wegen eines Brandes im Keller eines Mehrfamilienhauses mussten am Mittwochabend 24 Personen evakuiert werden. Vier Personen wurden ins Spital gebracht - drei wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung und eine wegen Schmerzen in der Brust. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass das Feuer in die oberen Etagen übergreift.
Ehrendingen (AG), 29. März 2017 Am späten Abend geht ein Schopf in Flammen auf. Das Feuer greift auf den Dachstock eines benachbarten Wohnhauses über. Zwei Personen, ein 25 und ein 27 Jahre alter Schweizer, können sich retten. Brandursache und Höhe des Sachschadens sind am Tag darauf unklar.
Gebenstorf (AG), 29. März 2017 Bei einer Kollision zweier Fahrzeuge blieben beide Beteiligten unverletzt. Die Aussagen über den Unfallhergang sind allerdings widersprüchlich, weshalb die Polizei Augenzeugen sucht.
Sumiswald (BE), 28. März 2017 In der Nacht auf Dienstag ist in Sumiswald der Dachstock einer Garagenwerkstatt in Brand geraten. Durch den Vollbrand wurde der Dachstock teilweise zerstört. Verletzt wurde niemand. Die Kantonspolizei Bern ermittelt die Brandursache. 70 Angehörige der Feuerwehr Regio Sumiswald standen im Einsatz.
Suhr (AG), 28. März 2017 Ein 55-jähriger Autofahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug. Nachdem das Auto sich mehrfach überschlagen hat, kollidiert es mit einem Lastwagen. Der Unfallverursacher kommt mit leichten Verletzungen davon.
Schwarzenbach (SG), 28. März 2017 Eine 25-jährige Frau wurde bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Ihr Auto kam von der Strasse ab und prallte in eine Steinmauer. Der Ablauf des Unfalls ist noch unklar.
Glarus, 27. März 2017 Bei einem Selbstunfall einer Autolenkerin in Glarus sind alle drei Insassinnen mittelschwer bis schwer verletzt worden. Der Wagen war von der Strasse geraten und abgestürzt. Gestoppt wurde das Gefährt von einem Baum.
Biberist (SO), 26. März 2017 Ein Autolenker kollidierte nachts auf der A5 bei Biberist mit der Mittelleitplanke. Herumliegende Autoteile beschädigten auch Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn. Dabei wurde niemand verletzt.
Basel, 26. März 2017 Auf der A2 prallte am frühen Sonntagmorgen ein Autolenker in einen Anpralldämpfer. Er wurde so schwer verletzt, dass ihn die Sanität der Rettung Basel-Stadt ins Spital bringen musste.
Hirschthal (AG), 25. März 2017 Ein Autofahrer übersah beim Abbiegen den herannahenden Zug. Dieser prallte in die Seite des Autos. Beim Unfall wurde niemand verletzt. Es entstand jedoch grosser Schaden.
Rickenbach (SO), 23. März 2017 Am Donnerstagmittag gerät ein Luftkompressor, der auf einer Baustelle für Erdwärmebohrungen zum Einsatz kam, in Flammen.
Gansingen (AG), 19. März 2017 Am frühen Sonntagmorgen ging ein Notruf über ein in Flammen stehendes Haus in Gansingen ein. Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, fanden Einsatzkräfte der Polizei zwei Leichen im Innern der Brandruine. Eine spätere DNA-Analyse bestätigte den Verdacht, dass es sich bei den beiden Toten um die Hausbesitzer, einen 59-jährigen Mann und seine 50-jährige Freundin handelt. Beide Opfer wiesen Schussverletzungen auf, die entsprechende Schusswaffe wurde ebenfalls aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit nicht davon aus, dass eine Drittperson das Paar getötet hat. A. hat nach bisherigen Erkenntnissen zuerst die Freundin erschossen und dann sich selbst gerichtet. Explosion und Brand erfolgten, als die beiden bereits tot waren.
Ramosch (GR), 17. März 2017 Bei einer Frontalkollision zwischen einem Auto und einem Ambulanzfahrzeug sind im Unterengadin drei Personen schwer verletzt worden.
Solothurn, 16. März 2017 Ein «Bipperlisi»-Zug und ein Mazda kollidierten am Donnerstag um zirka 8.35 Uhr. Das Auto wurde etwa 20 Meter mitgeschleift. Der Lenker wurde verletzt ins Spital gebracht. Der Sachschaden dürfte im fünfstelligen Bereich liegen.
Aarau (AG), 15. März 2017 Ein fahrlässiger Umgang mit heisser Asche führte in einem Wohn- und Gewerbehaus in Aarau zu einem Brand. Wegen der starken Rauchentwicklung musste das Gebäude durch die Feuerwehr evakuiert werden. Der Sachschaden muss auf mehrere Zehntausend Franken beziffert werden.
Althäusern (AG), 15. März 2017 Ein Autolenker fuhr auf der Bremgartenstrasse trotz Vollbremsung auf einen Rollerfahrer auf. Der Rollerfahrer musste wegen des Verdachts auf Rückenverletzungen mit einem Rettungshelikopter ins Spital geflogen werden.
Tenniken (BL), 15. März 2017 Ein niederländisches Ambulanzfahrzeug gerät auf der Autobahn A2 bei Tenniken BL in Brand. Verletzt wird niemand.
Ammerswil (AG), 15. März 2017 Ein 19-jähriger Schweizer musste nach eigenen Angaben einem schwarzen Kombifahrer ausweichen und verlor darauf die Kontrolle über seinen Lieferwagen.
Roveredo (GR), 14. März 2017 Eine 67-jährige Tessiner Autofahrerin stirbt nach einem Zusammenprall in einem Tunnel im Misox. Ein entgegenkommender Wagen war auf ihre Fahrbahn geraten.
Oberägeri (ZG), 12. März 2017 Ein 65-jähriger Quad-Lenker kollidiert mit einer Holzbarriere. Dabei zieht er sich schwerste Verletzungen. Wie es zum Unfall kam, ist unklar. Er wurde in eine Spezialklinik geflogen, wo er später verstarb.
Uzwil (SG), 10. März 2017 Zwischen 2.53 Uhr und 02.57 Uhr versucht eine unbekannte Täterschaft, einen Bankomaten aus einem Einkaufszentrum an der Wattstrasse zu stehlen. Ein Auto durchbricht die gläserne Haupteingangstür des Einkaufszentrums. Die Täter versuchen dann, den Bankomaten mit Gurten und mit der Kraft des Autos aus der Verankerung zu reissen. Doch das misslingt. Den Tätern gelingt die Flucht. Der Sahcschaden beträgt mehrere 10'000 Franken. Beim Auto handelt es sich um einen dunklen Audi Q7, Baujahr 2007-2009. Das Auto dürfte rundherum beschädigt worden sein.
Muttenz (BL), 10. März 2017 Eine 83-jährige Autolenkerin verwechselt das Gas- mit dem Bremspedal und fährt in den Eingang eines Geschäftshauses. Verletzt wird niemand. Doch der Sachschaden ist gross. Das Auto erleidet einen Totalschaden.
St. Gallen, 10. März 2017 Auf der Autobahn A1, Richtung Wil, kommt es zu einer Kollision zwischen zwei Autos. Ein 87-Jähriger fährt von hinten auf das Auto eines 23-Jährigen auf. Später zeigt sich: Der 23-Jährige hatte Marihuana konsumiert. An beiden Fahrzeugen entstand ein Sachschaden von mehreren Tausend Franken. Die rechte Fahrspur musste gesperrt werden.
Zuchwil (SO), 9. März 2017 Ein Autolenker (25) verliert am Freitagmorgen, um 6.30 Uhr, in Zuchwil die Kontrolle über sein Fahrzeug und prallt frontal in ein Kunstobjekt aus Eisen auf dem Kreisel beim «Chäs-Egge». Die Motorhaube wird richtiggehend aufgeschlitzt. Der Lenker bleibt unverletzt.
Dornach (SO), 9. März 2017 Am frühen Freitagmorgen bricht in einem Industriebetrieb ein Brand aus. Der Brandalarm geht um 2 Uhr los. Die Feuerwehr kann den Brand rasch löschen. Der Sachschaden ist aber erheblich. Verletzt wurde niemand. Brandursache war ein technischer Defekt bei der Heizung.
Lenzburg (AG), 7. März Bei einer seitlich-frontalen Kollision zwischen einem Lastwagen und einem Auto auf dem A1-Zubringer bei Lenzburg hat sich der 19-jährige Autofahrer am Dienstagmorgen Verletzungen zugezogen. Der Personenwagen wurde stark beschädigt. Gemäss ersten Erkenntnissen der Polizei vom Dienstag hat der Autofahrer das Signal "kein Vortritt" missachtet. Der Autolenker musste via Beifahrerseite aus dem Unfallauto befreit werden. Es kam zu grösseren Verkehrsbehinderungen.

Berikon (AG), 31. März 2017 Eine Streifkollision geht glimpflich aus, Sachschaden entsteht dennoch: Der weisse Rover einer 19-jähringen Lenkerin wird ebenso wie das schwarze Fahrzeug einer 49-Jährigen in Mitleidenschaft gezogen. Die Frau mit dem weissen Rover fährt zunächst weiter und meldet sich erst eine Stunde nach dem Unfall bei der Polizei.

Kapo AG