Wildegg

Tausende Tonnen mehr Plastik für den Zementofen – dafür soll der Kohle-Anteil sinken

Bezieht einen Teil des Brennstoffs für die Zementherstellung von der Abresto AG: Die Jura-Cement-Fabriken AG.

Bezieht einen Teil des Brennstoffs für die Zementherstellung von der Abresto AG: Die Jura-Cement-Fabriken AG.

Die Abresto AG in Wildegg stellt Brennstoff für die Jura-Cement-Fabriken her. Nun soll die Kapazität erhöht werden.

Seit 1890 wird in Wildegg Zement produziert, damals noch unter dem Firmennamen Zurlinden & Co. 1897 wurde aus der Wildegger Zementfabrik und derjenigen in Aarau die Aktiengesellschaft Jura-Cement-Fabriken AG (JCF). Für die Zementherstellung muss das Rohmaterial aus dem Steinbruch zu Klinker gebrannt werden. Dafür braucht es Brennstoff. Die JCF greift dafür auf fossile Brennstoffe wie Kohle zurück, nutzt aber auch alternative Brennstoffe wie abgefahrene Pneus, Altöl, oder Trockenklärschlamm.

Einen Teil dieser alternativen Rohstoffe bezieht die JCF von der Abresto AG, die auf dem selben Grundstück in Wildegg steht und der JCF zu 60 Prozent gehört. Da die Abresto AG die Kapazität ihrer Brennstoffproduktion nun erhöhen möchte, liegt bei der Gemeinde Möriken-Wildegg bis am 6. Juli ein entsprechendes Baugesuch auf.

Produziert wird der Brennstoff durch das Verarbeiten von Kunststoff aus der Verpackungsindustrie. Dafür wird der angelieferte Kunststoff zu einem Granulat zerkleinert, das sich zur Verbrennung in Zementöfen eignet. Die Produktion des Kunststoffgranulates erfordert weder eine chemische oder thermische Behandlung, nur eine mechanische.

Zusätzliche Arbeitskraft eingestellt

Heute kann die Abresto AG jährlich 18'000 Tonnen Material verarbeiten. Künftig sollen es 35'000 Tonnen sein. «Bauliche Änderungen an der bestehenden Anlage sind dazu nicht nötig», heisst es im Baugesuch. «Die Kapazitätserhöhung ist mit den aktuellen Maschinen möglich», sagt Werkleiter Marcel Bieri erklärt Anfrage: Anstatt mit einer Schicht wird künftig mit anderthalb bis zwei Schichten gearbeitet. «Die Jura-Cement-Fabriken AG hat eine zusätzliche Person für die Verarbeitung eingestellt.»

Obwohl keine bauliche Veränderung geplant ist, braucht es ein Baugesuch samt Umweltverträglichkeitsprüfung. Das schreiben die Behörden aufgrund der gesteigerten Verarbeitungsmenge so vor. Zudem muss die Abresto AG ihre aktuelle abfallrechtliche Betriebsbewilligung per November 2021 erneuern lassen.

Durch die Erhöhung der Verarbeitungskapazität möchte die Firma zukünftig rund 12'000 Tonnen Kohle als Brennstoff einsparen. Neu sollen dafür nebst dem Kunststoff in Zukunft, falls möglich, auch Holzabfälle zu Alternativbrennstoff für das Zementwerk verarbeitet werden. Derzeit nutzt die JCF für die Zementherstellung etwa 80 Prozent alternative Brennstoffe. Dieser Anteil soll auf über 90 Prozent gesteigert werden.

Brennstoff steht nicht zum Verkauf

Auf den fossilen Brennstoff Kohle will die JCF längerfristig gänzlich verzichten. Marcel Bieri: «Unabhängig vom alternativen Brennstoffanteil der Abresto AG arbeiten wir selbstverständlich daran, einst ganz von der Kohle wegzukommen und den alternativen Brennstoffanteil sowie den Anteil Bio-Brennstoffe zu maximieren.» Der Brennstoff, den die Abresto aufbereitet, wird gänzlich von der JCF genutzt. Er deckt etwa dort 25 bis 30 Prozent des Bedarfs. «Ein Verkauf des Brennstoffes ist kein Thema», so Marcel Bieri.

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