Am Mittwochnachmittag werden in der Badi Lenzburg Träume wahr. Denn Träume sind bekanntlich Schäume. Auf dem Dach des Maschinenraums steht eine Schaumkanone und Punkt drei Uhr nachmittags geht die Schaumparty los.

Die Badmeister Christof Hübscher und Erwin Wiedmer sind unabhängig voneinander in den Ferien auf den Schaumspass aufmerksam geworden. Sie waren beide begeistert – und ambitiös: «Wir haben beide gesagt, das können wir besser», sagt Hübscher. Sie haben die grösste Schaumkanone gekauft, die sie finden konnten. Eine Viertelstunde lang kann diese Schaum speien. Letztes Jahr hat das Hotel Lenzburg, welches das Badirestaurant betreibt, die Kosten für Kanone und Schaum übernommen. «Sie beteiligen sich auch dieses Jahr an den Kosten», sagt Hübscher.

Wasser ist nicht genug! Die Lenzburger feierten bereits den ersten Hitzetag des Sommers am 20. Juni mit einer Schaumparty

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Erst die Aufgaben, dann die Party

Die Temperaturen an diesem Mittwochnachmittag bewegen sich um die 30-Grad-Marke, trotzdem ist die Badi nicht überfüllt. Es sind Sommerferien. «Ich bin gespannt, wie viele Kinder trotzdem kommen», sagt Hübscher. Die Schaumparty ist mittlerweile über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Regelmässig würden am Mittwoch Leute anrufen, die wissen wollen, ob die Schaumparty stattfinde. Denn nur dann kämen sie. 17 Wochen hat die Badi in dieser Saison geöffnet, bis jetzt konnte die Party ausser an einem Mittwoch – es war tatsächlich einmal schlechtes Wetter – jedes Mal stattfinden. Die Party fängt nicht zufällig um 15 Uhr an, Christof Hübscher hat sich das gut überlegt: «Meine Kinder müssen auch zuerst die Aufgaben machen, bevor sie in die Badi dürfen.»

Kurz vor drei ist alles parat, die Kanone ist zum Schaum-Abschuss bereit, daneben ein grosser Plastikbehälter mit der Mischung. Ungefähr 15 Kubikmeter Schaum spuckt die Kanone aus. Christof Hübscher macht noch eine Durchsage – «den Schaum abduschen, bevor ihr wieder ins Wasser geht» – dann geht es los. In grossen Flocken fällt der Schaum auf die tanzenden Kinder, auch die Musik fehlt nicht, es ist schliesslich eine Party. Der Schaum leidet auch ein wenig unter der Hitze und lässt sich heute nicht ganz so gut auftürmen wie sonst. Trotzdem hat sich schnell ein zirka vierzig Zentimeter hoher Teppich gebildet und einige Kinder gleichen nach wenige Minuten kleinen Schneemännern.

Trotz Sommerferien tummeln sich gut über 30 Personen unter den Flocken und auch einige Erwachsene waten durch das flauschige Weiss. Die Kinder zappeln fröhlich rum und Badmeister Hübscher schäumt. Wer sich vom Schaum befreien will, kann vor eine Wasserdüse stehen oder gleich vor Petra Staublis Feuerwehrschlauch. Mit diesem hält sie den Schaumteppich im Schach. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei.

Gehen wie auf Wolken

Und was passiert mit dem Abschaum? «Theoretisch können wir den Schaum liegen lassen und er vergeht in der Hitze», sagt Hübscher. Doch damit die Badi schnell wieder zum Normalbetrieb übergehen kann, wird er in den Abfluss gespritzt und läuft in die Kanalisation. Die Badmeister haben deshalb darauf geachtet, umweltverträglichen Schaum einzukaufen.
Einen Anblick ist die weisse Pracht mitten im Hochsommer allemal wert. Und mehr; es lohnt sich, im Schaum eine Runde zu drehen. Denn er ist unglaublich weich. So würden sich Wolken anfühlen, wenn man draufstehen könnte.