Othmarsingen
Täfeli verdrängen «Jakob»: Der Schmuck für den neuen Kreisel steht fest

Die Kreuzung auf der Strasse zwischen Mägenwil und Dottikon heisst im Volksmund «Jakob». Bei der Wahl des neuen Kreiselschmucks kommen Sujets in Erinnerung an den ehemaligen Velohändler Ernst Jacob jedoch nicht zum Zug. Die Jury bevorzugt Täfeli.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Drei Täfeli als fünf Meter hohe Metallkonstruktion schmücken künftig den Kreisel auf der Jakob-Kreuzung (Visualisierung)

Drei Täfeli als fünf Meter hohe Metallkonstruktion schmücken künftig den Kreisel auf der Jakob-Kreuzung (Visualisierung)

zvg

Spricht man im Dorf von der Jakob-Kreuzung so weiss jeder, dass vom Verkehrsknoten Mägenwilerstrasse-Dottikerstrasse die Rede ist. Selbst an der Gemeindeversammlung im November 2010 lief das Traktandum für den Neubau des Kreisels unter dem Namen Jakob. Dieser ist ein Überbleibsel von Ernst Jacob, der vor mehr als einem halben Jahrhundert an der Kreuzung eine Velowerkstatt betrieb.

Mit einem Wettbewerb wurde nun eine Dekoration für den neuen Kreisel auf eben dieser Jakob-Kreuzung gesucht: Das jetzt präsentierte Siegerprojekt besteht aus einer Konstruktion von drei Täfeli, zwei stehend und eines darüber liegend. Die Idee dazu stammt von Beni Sidler, der in der Nachbarschaft des künftigen Kreiselschmucks wohnt.

«Das Täfeli ist typisch für Othmarsingen und die Firma Disch von Bedeutung für das Dorf.» Damit begründet Vizeammann Hans Rätzer die Wahl der Jury, die sich aus dem Gemeinderat und der Verwaltung zusammensetzte.

Disch AG, Othmarsingen

1903 gründet Alfred Disch die Disch AG. Als erstes Produkt stellte er Biskuits her. 1933 brachte er als erster Unternehmer ein Bonbon mit nahrungsergänzenden Inhaltsstoffen auf den Markt: Sportmint. Damit war er seiner Zeit weit voraus, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Noch heute stellt die Firma Disch die Sportmint-Produkte her. Heute machen Pharmazieartikel mit 75 Prozent das Kerngeschäft aus. 15 Prozent sind Speziallebensmittel und nur noch 10 Prozent Bonbons. (az)

Sechzig Ideen für Kreiselschmuck

Das Täfeli-Konstrukt wird rund fünf Meter hoch. Hergestellt wird es aus einem matten Chromstallblech. Die Kosten betragen rund 30 000 Franken, sagt Rätzer.

Hinzu kommen Aufwendungen für die Gestaltung der Insel und Anpassung der Böschung. Die Gemeinde hofft, die Kosten nicht allein tragen zu müssen.

Man gehe davon aus, dass sich dafür Sponsoren finden lassen, so Rätzer. Die Firma Disch scheint nicht darunter zu sein. Für den neuen Kreiselschmuck seien über 60 Ideen eingegangen, schreibt der Gemeinderat.

«Unter den Vorschlägen befanden sich Vorschläge mit Bezug zur Vergangenheit – auch ein Velo-Sujet», sagte Hans Rätzer. Doch diese vermochten nicht zu überzeugen.

Täfeli-Idee war immer da

Vom Täfeli-Schmuck als Siegerprojekt wenig erstaunt ist Simone Hunziker, Präsidentin der Kulturkommission. Es sei schon im Voraus bekannt gewesen, dass die Behörde im Kreisel eine Täfeli-Dekoration bevorzuge und weniger an der Weiterführung des Namens Jakob hange.

Hunziker hat erst vor wenigen Tagen von der Evaluation erfahren. Sie bemängelt die lange Zeitspanne seit dem Wettbewerb, in der «man nichts gehört hat».

Zudem hätte es die Präsidentin der Kulturkommission gerne gesehen, wenn die Kulturverantwortlichen des Dorfes im Evaluationsverfahren befragt worden wären. Hunziker bezweifelt, dass sich die Bezeichnung Täfeli-Kreisel durchsetzt. «Die Othmissinger werden wohl weiterhin beim vertrauten Jakob bleiben.»

Keine Hommage ans Original

Ein Kommentar von Ruth Steiner

«Wörter»-Kreisel, «Dreiämter»-Kreisel, «Bünzkreis»: In den vorderen Rängen des Ideenwettbewerbs für den Othmarsinger Kreisel findet sich keiner, der den Begriff «Jakob» in die Zukunft retten will. Velohändler Ernst Jacob betrieb einst unmittelbar bei der Kreuzung eine Velowerkstatt. Wenn es auf der Kreuzung «chlöpfte», hielt er mit seinem Kommentar nicht zurück: «Dä Löli hett wieder nid gluegt.»

Er rückte mit Schaufel und Wischer aus, räumte die Scherben zusammen. Das nennt man ein Dorforiginal und ein solches stärkt die Identifikation eines Ortes. Die Wahl der «Täfeli» als Schmuck lässt darauf schliessen, dass der Gemeinderat mit der Kreiseldekoration genau das Gegenteil bezweckt und mit einem bekannteren Sujet als Visitenkarte nach aussen wirken will. Dies dürfte mit dieser Lösung gelingen.