Die Vorlage zum Familienzentrum erfuhr jedoch nicht nur von den dort sitzenden Vertretern der im Bereich Familie tätigen Institutionen grosse Unterstützung, sondern überraschenderweise auch von allen Fraktionen.

Wesentlich mitgespielt hat dabei wohl die Tatsache, dass von Anfang an alle Parteien im Initiativkomitee vertreten waren. «Es steckt viel Arbeit dahinter», würdigte Brigitte Kieser, Sprecherin der Geschäfts- und Finanzprüfungskommission (GPFK), das Engagement. Ein Familienzentrum entspreche dem Leitbild der Stadt Lenzburg, sei ein Standortvorteil und fördere die Freiwilligenarbeit. «Wir wollen eine familienfreundliche Stadt sein.»

Sabine Sutter (cvp), Präsidentin des Initiativkomitees, dankte dem Stadtrat, dass er ein offenes Ohr für ein Anliegen aus der Bevölkerung gehabt habe, und dem Stadtbauamt für die Unterstützung. Trotz unterschiedlichster Wertvorstellungen hätten die Vertreter der Fraktionen in den Arbeitsgruppen gut zusammengearbeitet und in 40 Sitzungen und über 1000 Arbeitsstunden ein Betriebskonzept, einen Businessplan und ein Sponsorenkonzept erarbeitet. «Das Zentrum soll zum Dreh- und Angelpunkt für alle Angebote im Bereich Familie werden.»

2 Arme, 2 Hände, 10 Finger

Sutter erinnerte sich daran, wie sie beim Stillen ihres ersten Kindes das Gefühl gehabt habe, eine Hand zu wenig zu haben. Worauf die Hebamme sagte, sie habe doch zwei Arme, zwei Hände und zehn Finger. «Mit dem Arm der Stadt und den mitarbeitenden Institutionen als Finger werden wir das Kind schon schaukeln.»

Lea Grossmann (fdp) fand, die Stadt bewege sich in die richtige Richtung, die vorgeschlagene Lösung sei gut und günstig und das Zentrum nehme eine öffentliche Aufgabe wahr. «Die Zeiten haben sich geändert.» Sie hoffe, dass man das Zentrum bald als Erfolgsstory von Lenzburg betiteln könne.

Die SVP habe die Vorlage intensiv diskutiert, sagte Manuel Silva (svp). Er dankte für das Engagement, mahnte jedoch auch, die Stadt nicht zum goldenen Esel zu machen. «Enttäuschen Sie uns nicht.» Stadtammann Hans Huber dankte ebenfalls allen Beteiligten für das Engagement. Die Lebensqualität der Familien sei ein wichtiger Punkt im Leitbild der Stadt.

Verein kann Liegenschaft kaufen

Für eine positive Überraschung sorgte zum Schluss die SVP-Fraktion, die auf das Sitzungsgeld verzichtete und es dem Verein spendete. Worauf den anderen Parteien nichts anderes übrig blieb, als sich dem guten Beispiel anzuschliessen.

Begleitet vom Klatschen auf der Tribüne stimmten die Räte der Vorlage anschliessend einstimmig zu. Der noch zu gründende Verein «Familie + Begegnung Lenzburg» erhält von der Stadt ein zinsloses Darlehen von 200000 Franken und eine Solidarbürgschaft für 800000 Franken für den Kauf des Chrischona-Hauses am Walkeweg 19. Ausserdem bewilligten die Räte eine Anstossfinanzierung von 20000 Franken und einen jährlichen Beitrag von 15000 Franken an eine Koordinations- und Informationsstelle, deren Aufgaben per Leistungsvertrag geregelt werden.