Lenzburg
Super-8-Film ermöglicht Zeitreise zum Regionalbus der 80er-Jahre

Ein im Internet hochgeladenes historisches Filmdokument zeigt Szenen aus der Zeit des «Kängurettli», dem Regionalbus Lenzburg (RBL).

Fritz Thut
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Ein Bus fährt zur Haltestelle Egliswil Waagplatz. Doch etwas stimmt nicht. Der Hintergrund. Die Mehrzweckhalle fehlt. Oder: Der Bus passiert an der Seenger Poststrasse die noch unmittelbar am Trottoir gelegene Bäckerei Hächler. Heute ist hier die Dorfpapeterie; die Bäckerei ist nun zurückversetzt.

Zurückversetzt, zeitlich, fühlt sich der Betrachter des Films. Der rund neunminütige Streifen ist seit kurzem auf der Facebook-Seite des Regionalbus Lenzburg (RBL) zu betrachten. Er ermöglicht eine Zeitreise in die Frühzeit des regionalen öV-Betriebes. Nostalgische Gefühle kommen da hoch, denn trotz grobkörnigen Bildern ist der Film ein interessantes Zeitdokument, das die Entwicklung von RBL und Region festhält.

Der Stadt-Bahnhof

Der historische Film stammt von Walter Bräm. Der frühere RBL-Chauffeur war ein begeisterter Hobbyfilmer und hat mit seiner Super-8-Kamera auch Szenen rund um seinen Berufsalltag festgehalten.

Eine digitalisierte Version des Films, eingebrannt auf eine DVD-Scheibe, schlummerte einige Jahre in den Büros der RBL-Verwaltung und wurde nun durch Geschäftsführer René Bossard entdeckt und durch die Publikation im Internet zum Leben erweckt.

Die Bilder stammen aus den 80er-Jahren, wie Experten anhand der Fahrzeug-Modelle herausgefunden haben. Auch für Bahn-Nostalgiker gibt es Stoff: Vom Bahnhof «Lenzburg Stadt» ist eine Szene zu sehen, bei der der Stationsbeamte die Barriere von Hand schliesst. Am 3. Juni 1984 wurde die Strecke Lenzburg–Wildegg vom Zug- auf den Busbetrieb umgestellt.

Zwei Jahre später wurde im Bezirkshauptort der Städtlibus eingeführt. Die Busse waren damals mit «Kängurettli» angeschrieben und das australische Beuteltier zierte auch Bushaltestellen.

Steile Aufwärtskurve

Auf vielen Bildern im Film fällt auf, dass damals die Busse meist leer verkehrten. Dies hängt damit zusammen, dass Filmer Bräm nicht ausschliesslich Kurs-, sondern auch interne Testfahrten festgehalten hat. Trotzdem veranschaulichen die Szenen die stürmische Entwicklung, die der 1970 gestartete RBL genommen hat.

Anfang der 90er-Jahre wurde die Millionen-Marke geknackt. Inzwischen ist man schon bei drei Millionen Passagieren pro Jahr angelangt. In diesem Jahr wird die Delle von 2014 wieder wettgemacht. Geschäftsführer Bossard rechnet wieder mit Zahlen wie im Rekordjahr 2013.

Die Haltestellen Burghalde und Rütli fallen weg

Am 13. Dezember ist Fahrplanwechsel. Im Bereich des Regionalbus Lenzburg (RBL) gibt es in diesem Jahr relativ wenige Auswirkungen. Immerhin: Auf dem Gebiet der Stadt Lenzburg wird eine neue Haltstelle in Betrieb genommen (Fünflinden), während andererseits die Haltestelle Burghalde aufgehoben wird. Das gleiche Schicksal erleidet auch Ammerswil Rütli.
«Wir sind uns bewusst, dass der Wegfall der Haltestelle Burghalde nicht allen gefallen wird», räumt RBL-Geschäftsführer René Bossard ein. Im Gegensatz zu Ammerswil Rütli, wo nur sehr wenige Passagiere zu verzeichnen waren, wird Lenzburg Burghalde doch fleissig benützt. Die Fahrgäste können nun die nahe gelegene Haltestelle Friedweg benützen.
Von hier fahren die Busse der Linie 392 direkt zum Hypiplatz. Durch das Auslassen der Haltestellen Burghalde und Kronenplatz gewinnt dieser Kurs an Zeit, was der Sicherheit der Anschlüsse an der Endstation Bahnhof dient.
Die neue Haltestelle Fünflinden bei der Behindertenwerkstatt wird von der Linie 394 zwischen Bahnhof Lenzburg und Rupperswil angefahren. Dafür wird von dieser Linie und auch von der Linie 396 (nach Hunzenschwil) die Haltestelle Augustin-Keller-Strasse nicht mehr bedient. Für die Passagiere nahezu unbemerkt, für die interne Organisation aber wichtig, ist die Tatsache, dass auf der Linie 394 neu ein «linientreuer Wagenlauf» eingeführt wird: Dies bedeutet, dass die Fahrzeuge stets auf dieser Linie bleiben; allfällige Verspätungen werden so nicht auf andere Linien übertragen.
Die restlichen Änderungen betreffen Details: Nach Seon Birren werden die Nachmittagsverbindungen durch einen zusätzlichen Abendkurs ersetzt. Nach Othmarsingen Bahnhof (Linie 393) gibt es Mitte Nachmittag ein zusätzliches Kurspaar. (tf)