«Das sind Stumpen, Zigarren haben einen Kopf», erklärt Denise Kunz, eine von drei Stumpenfrauen von Schloss Hallwyl. Zigarren waren einst Adligen vorbehalten, weiss Kunz. Gestern zeigte sie zusammen mit Muriel Romer zum letzten Mal in dieser Saison das Stumpen-Handwerk. Sieben Mal pro Jahr, jeweils am zweiten Sonntag des Monats von April bis Oktober, wird in der ehemaligen Kornkammer des Schlosses gearbeitet. Die vollständig in Handarbeit hergestellten Stumpen, so Kunz, werden auch verkauft. Ein Zehnerpäckli kostet zehn Franken.

Zuerst der Wickel …

Das Handwerk ist aufwendig: Zuerst muss das Innenleben des Stumpens gemacht werden. Dazu nimmt Stumpenfrau Denise Kunz ein nasses Tabakblatt und entfernt die dicke Mittelrippe. Nun hat sie zwei grosse Blattteile. Sie legt eines davon vor sich auf die «Maschine», füllt es mit handgerupften Tabakblättern – beim Hacken ginge zu viel Saft verloren – und bedient das Gerät: Heraus kommt ein Wickel oder Rohling. Der muss getrocknet und gepresst werden, bevor dann Muriel Romer in Aktion tritt.

… dann das Deckblatt

Muriel Romer schneidet die Deckblätter zurecht und bestreicht sie mit Reisleim, einem Gemisch aus Reispulver und Wasser. Der Rohling wird nun von der Spitze des Deckblattes her mit dem Deckblatt umwickelt. «Wichtig ist, dass die Blattrippen nicht aussen sind», sagt Muriel Romer. Man verkauft nur tadellose Ware. Sind die Stumpen fertig, müssen sie auf die Länge zugeschnitten werden. «Das erledigt die Guillotine», erklärt Denise Kunz und zieht den Hebel: Die langen Stumpen sind halbiert.

Erinnerungen an Heimarbeit

«Pro Nachmittag, das sind zwei Stunden, machen wir zwischen vier und zehn Zehnerpäckli», erklärt Denise Kunz. Doch die Produktion ist nur ein Teil der Aufgabe der Stumpenfrauen: Sie sind da, den Besuchern die Stumpenherstellung näher zu bringen. Viele erinnern sich an die Heimarbeit von früher, haben Verwandte, die in der Fabrik gearbeitet haben. Einmal sei eine alte Frau gekommen, die einst genau diese Arbeit gemacht habe, erzählt Denise Kunz. Nach einigem Zögern habe sie sich an den Arbeitsplatz gesetzt und wie automatisch zu arbeiten begonnen: das Gedächtnis der Hände.

Genuss- oder Suchtmittel?

Gestern will ein Knabe während der Präsentation wissen, ob die Stumpen denn besser schmeckten als die maschinell hergestellten. «Geschmackssache», sagt Denise Kunz, die Rückmeldungen seien jedenfalls durchwegs positiv. Stumpen gölten übrigens als Genuss-, nicht als Suchtmittel: In den Ursprungsländern des Tabaks – er kam erst Ende des 15. Jahrhunderts mit Kolumbus auf die Iberische Halbinsel – war Tabak «Religionskraut» und Heilmittel. Einen Wohlgeruch versprechenden spanischen Namen haben jedenfalls die Stumpen der Stumpenfrauen: La Flor de Hallwyla.