Bezirksgericht Lenzburg

Student Blerim muss über 20000 Franken Strafe bezahlen

Student Blerim hielt sich auf den Aargauer Strassen nicht an die Gesetze - jetzt muss er dafür tief in die Taschen greifen

Student Blerim hielt sich auf den Aargauer Strassen nicht an die Gesetze - jetzt muss er dafür tief in die Taschen greifen

Blerim fuhr ohne Führerausweis, Vignette und Autoversicherung. Dafür muss der Kosovare jetzt tief in die Tasche greifen.

«Ich war es nicht. Es war mein Bruder», beteuerte Blerim (Name geändert) auf Deutsch. Sein jüngerer Bruder auf der Zuschauerbank nickte zustimmend. Dann wechselte Blerim in seine Muttersprache Albanisch und sagte zu der Übersetzerin: «Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen. Ich will das richtigstellen.»

Doch seine Bemühungen liessen das Gericht kalt. Blerim wurde zu einem «Autorenhonorar für seine Lügengeschichten» – wie es Einzelrichter Daniel Aeschbach nannte – von 21 000 Franken verurteilt. Der Grund für die Geldstrafe: Blerim ist verbotenerweise Auto gefahren.

Es war nicht das erste Mal, dass Blerim eine Busse erhielt. Schon mehrmals war er geblitzt worden.

«Ich bin damals regelmässig mit den Autos meines Vaters und Onkels gefahren. Sie haben mich bei den Bussen als Fahrer eingetragen», sagte der 27-Jährige. Ob tatsächlich er gefahren sei, wisse er nicht.

Dann am 8. Juni 2014 (der Fahrausweis von Blerim war gesperrt, weil er die obligatorische Kontrollfahrt für die Umschreibung eines ausländischen Führerausweises nicht bestanden hatte) hielt die Kantonspolizei Aargau auf der Autobahn einen BMW M6 an.

Als die Polizisten den jungen Fahrer nach seinem Namen fragten, antwortete dieser, er sei Blerim. Einen Führausweis konnte er nicht vorweisen.

Weil am Auto weder eine Vignette klebte, noch der Wagen versichert war, wurde Blerim daraufhin zweimal befragt.

Sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei der Polizei gab er zu, den Wagen gefahren zu haben.

Er wurde im Strafbefehl deshalb zu einer unbedingten Geldstrafe von 9000 Franken verurteilt. Weil er den Strafbefehl anfocht, kam es zur Gerichtsverhandlung.

«Aussagen zum falschen Fall»

«Ich habe es verwechselt. Ich dachte, es ging um eine andere Busse, die ich einen Monat zuvor erhalten hatte.»

In Tat und Wahrheit sei sein jüngerer Bruder gefahren. «Er war damals illegal in der Schweiz. Als er angehalten wurde, hatte er Angst, ins Gefängnis zu müssen. Deshalb hat er vorgegeben, ich zu sein.»

Der Richter schaute ungläubig. «Sie wurden zweimal befragt, haben das Protokoll unterschrieben», sagte er.

Blerim schüttelte den Kopf. Er sei zu dieser Zeit unter grossem Stress gestanden. Sein Französischstudium habe er aus finanziellen Gründen unterbrechen müssen. Ausserdem habe er im selben Monat geheiratet. «Ich wusste, dass mein Bruder etwas mit der Polizei zu tun gehabt hatte und meinen Namen angab. Er sagte aber, ich solle mir keine Sorgen machen, es sei nur wegen der Vignette.» Als Blerim dann vorgeladen wurde, habe er nicht daran gedacht, dass es sich um diesen Vorfall handeln könnte. «Ich habe Aussagen zum falschen Fall gemacht.»

Der Gerichtspräsident nahm ihm die Geschichte nicht ab, fragte mit erhobener Stimme, ob es in Blerims Familie normal sei zu lügen. Der Kosovare schien perplex. Er könne beweisen, dass sein Bruder gefahren sei und nicht er. «Er und sein Kollege haben Selfies gemacht, als sie mit dem BMW unterwegs waren. Da ist auch das Datum drauf.» Sein Bruder auf der Zuschauerbank zückte sofort sein Smartphone. Doch den Antrag, die Fotos als Beweismittel aufzunehmen, lehnte der Richter ab. «So ein Datum kann man ganz einfach fälschen», sagte er.

Dann hätte das Plädoyer des Verteidigers gefolgt. «Ich kann mir keinen Anwalt leisten», sagte Blerim und versuchte, den Richter alleine von seiner Unschuld zu überzeugen. Erfolglos. Blerim muss 21 000 Franken zahlen, trägt die Kosten der Verhandlung. Über das Urteil war der Student fassungslos und bestürzt. Nach der Verhandlung sagte Blerim zum Richter, er werde den Entscheid nicht anfechten. Das wäre zu stressig. Doch ein Problem habe er: Ohne Führerschein könne er unmöglich Arbeit finden. Das habe er in den letzten Monaten immer wieder gemerkt.

Allzu schnell dürfte sich dieses Problem wohl nicht lösen.

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