Rupperswil
Stromtankstelle: Sonnenstrom reicht für zwei weitere Autos

Ein Architekt tankt sein Auto an der Steckdose – und hat Strom für weitere 50000 Kilometer übrig. Auch die Sommerreporter fahren ein Elektroauto. Reporter Marc Fischer hat die entferntesten Ecken des Kantons zu erreichen versucht.

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Werner Setz und sein Auto geniessen die Sonne an der Tankstelle, die den Strom von den Solarpanels auf dem Hausdach bezieht. Kel

Werner Setz und sein Auto geniessen die Sonne an der Tankstelle, die den Strom von den Solarpanels auf dem Hausdach bezieht. Kel

Werner Setz steigt aus seinem Auto und schliesst es an der Stromtankstelle an. «Das mache ich mittlerweile so selbstverständlich wie das Anschnallen der Sicherheitsgurte», sagt der Architekt, der das Dreifamilienhaus in Rupperswil, von dessen Dach aus die Zapfsäule mit Sonnenenergie gespeist wird, vor einem Jahr gebaut hat.

Die PV-Module bedecken auf dem Flachdach eine Fläche von 100 Quadratmetern. «Das 20 kWp-Solarkraftwerk hat seit Mitte Juli 2011 21160 kWh Strom geliefert», erklärt Setz. Das Kürzel kWp heisst ausgeschrieben Kilowatt Peak und bezeichnet die Nennleistung der Fotovoltaikanlage, bezogen auf die Leistung, die bei maximaler Sonneneinstrahlung erreicht wird.

35 Prozent Überschuss

Das Solarkraftwerk versorgt die drei Wohnungen zuverlässig mit Warmwasser, Wärme, Lüftung, Haushaltstrom und Mobilität. Rund 35 Prozent oder gut 7300 kWh bleiben übrig. «Damit würde mein Auto weitere 50000 Kilometer fahren», rechnet Setz vor.

«Genau so hat es sich doch Bundesrätin Doris Leuthard vorgestellt, als sie am 18. April davon gesprochen hat, dass in zehn Jahren neue Häuser nur noch als Plusenergiehäuser gebaut werden», sagt Werner Setz. Plusenergiehäuser sind Häuser, die wie das Haus im Gebiet Obermatt in Rupperswil einen Überschuss an Strom produzieren. Bereits sind sechs solche Häuser nach Plänen von Architekt Setz gebaut worden, vier weitere sind «in Messung». Das heisst, es muss erst nachgewiesen werden, dass überschüssiger Strom produziert wird. «Mein Paradepferd steht im Kanton Basel, in Riehen», sagt Setz, «es produziert das Zweieinhalbfache seines Eigenverbrauchs.»

Reiseziel selten zu weit weg

Auch die Sommerreporter fahren ein Elektroauto. Reporter Marc Fischer hat die entferntesten Ecken des Kantons zu erreichen versucht. Dabei ist er prompt stehen geblieben und musste das Auto an einer 220-Volt-Steckdose aufladen. «Das dauert Stunden, während denen man am besten schlafen geht», sagt Setz. Und fügt an, dass Marc Fischers Übungsanlage nicht geeignet sei, die Vorteile eines Elektroautos zu testen.

150 Kilometer ist die Reichweite seines Elektrowagens. Für ihn, den Architekten, reiche das praktisch immer. Sobald er seinen Parkplatz in Rupperswil erreicht hat, wird die Batterie aufgeladen. Erst dreimal sei das Reiseziel zu weit weg gewesen, sodass er den Zug habe nehmen müssen. «Man kann sich einrichten.» Und selbstverständlich eigne sich ein Elektroauto für einen Aussendienstmitarbeiter, der tagtäglich weite Strecken zurücklegt, nicht.

«Es ist ein gutes Gefühl, den Tank mit Energie made in Switzerland füllen zu können», sagt Werner Setz, «erst recht, wenn diese Energie von einem Dach fliesst, über das auch noch das ganze Haus versorgt wird.»

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