Lenzburg
Streit um Neubau: Architekturhistorischer Wert der «Villa Fischer» ist bescheiden

Der Streit um den Schutz der «Villa Fischer» beschäftigt Lenzburg. Die Kantonale Denkmalpflege stützt dabei die Einschätzung der Stadtbildkommission – das Gebäude wird nicht in das aktuelle Bauinventar aufgenommen.

Ruth Steiner
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Die «Villa Fischer» an der Bahnhofstrasse sorgte in der Vergangenheit für rote Köpfe. Pascal Meier/Archiv

Die «Villa Fischer» an der Bahnhofstrasse sorgte in der Vergangenheit für rote Köpfe. Pascal Meier/Archiv

Pascal Meier

Für die geplante künftige Entwicklung der Stadt Lenzburg hat die Bahnhofstrasse eine zentrale Bedeutung. Sie soll das Bahnhof-Gebiet mit der Altstadt verbinden, mit einem attraktiven, lebendigen Stadtraum aufwerten und zusammenhängend gestalten. Im Klartext heisst das, dass an der Bahnhofstrasse in Zukunft wohl dichter gebaut wird und dort vermehrt Wohn- und Geschäftshäuser zu stehen kommen.

Dazu gehört das 6,8 Millionen-Projekt der Credit Suisse Real Estate Fund Living Plus. Acht Jahre nach der Überbauung «Check-In Lenzburg» wollte der Immobilienfonds der Credit Suisse AG, Zürich, das bereits bestehende Wohnservice-Projekt im letzten Jahr in einem neuen viergeschossigen Bau mit zusätzlichen Dienstleistungen komplettieren. Für dieses Projekt hätte die als «Villa Fischer» bekannte Liegenschaft Bahnhofstrasse Nr. 22 weichen müssen.

Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen. Gegen das Baugesuch der Credit Suisse vom Januar 2017 sind mehrere Einwendungen eingegangen. Zudem hat sich die Grünliberale Partei (GLP) an den Stadtrat gewandt.

Im Postulat vom 15. Mai 2017 monierte sie zum einen, dass der geplante Credit Suisse-Neubau an der Bahnhofstrasse die gültige Bau- und Nutzungsordnung (BNO) verletze und verlangte die Einhaltung der geltenden BNO im Baugenehmigungsprozess. Zum andern sollte der Stadtrat sicherstellen, dass für die geplante Aufwertung der Bahnhofstrasse «keine Präjudiz-Entscheide getroffen werden, welche die Gestaltung einschränken».

Die GLP stellte fest, dass die «Villa Fischer» zwar nicht im Inventar der kommunal schutzwürdigen Gebäude der Stadt Lenzburg verzeichnet sei, hingegen zur Ensembleschutzzone «Villenzeile Angelrainstrasse Nrn. 6, 4, 2, Bahnhofstrasse Nrn. 17 und 22» gehöre. Dagegen verstosse der viermal grössere Neubau, wurde vermerkt.

Ebenso, dass mit der vorgesehenen Bebauung der Fläche der erst vor wenigen Jahren erstellte Grünpark wieder verschwinden würde. Die Frage des Ensembleschutzes der «Villa Fischer» hat die politische, als auch die öffentliche Diskussion angeheizt. Das hatte zur Folge, dass die Credit Suisse laut Stadtrat das Baugesuchsverfahren sistierte, bis die revidierte BNO in Kraft tritt.

Postulat abschreiben

In seiner Antwort an den Einwohnerrat schreibt der Stadtrat nun, nach Einschätzung der kantonalen Denkmalpflege sei die «Villa Fischer» auf der Objektliste Bauinventar nicht mehr aufgeführt. Für die Gesamtrevision der Nutzungsplanung hatte die kantonale Denkmalpflege zusammen mit Vertretern der Stadt im März 2017 «eine Innenbegehung der Villa Fischer durchgeführt». Gestützt darauf sei die Denkmalpflege zum Schluss gekommen, die «Villa nicht in das aktuelle Bauinventar aufzunehmen».

Begründet wird dies damit, dass «der materielle Zeugenwert stark gemindert und der architekturhistorische Zeugenwert eher bescheiden seien». Schon vorher sei die Stadtbildkommission zum gleichen Ergebnis gekommen, heisst es.

In den Ausführungen kommt der Stadtrat zum Schluss, dass dem Begehren des Postulats auf Einhaltung der Baugenehmigungsprozesse entsprochen werde. Er beantragt, den Bericht gutzuheissen und das GLP-Postulat abzuschreiben.

Einwohnerrat: Die weiteren Traktanden

Auf der Traktandenliste der Einwohnerratssitzung vom kommenden Donnerstag, 28. Juni stehen nebst dem Postulat zur «Villa Fischer», Rechenschaftsbericht und Rechnung 2017 der Einwohnergemeinde, ein Verpflichtungskredit für den Bahnübergang Seetalbahn «Brünnli», eine Anfrage der SP für «Tempo 30» auf Bahnhofstrasse/Augustin Keller-Strasse, Anfragen von GLP und FDP zu Entsorgung/Recycling, die Kreditabrechnung für die Bushaltestelle Fünflinden-/Tiliastrasse sowie sieben Einbürgerungsgesuche. (str)