Er stand schon oft vor Gericht. Häufig hat er gewonnen. Nun hat der Unternehmer aus der Region Lenzburg eine bittere Niederlage erlitten – zumindest vor der ersten Instanz. Die war das Bezirksgericht Brugg, weil das Bezirksgericht Lenzburg aus Befangenheit in den Ausstand getreten war. Vor kurzem hatte der Unternehmer mit einer Konkursgeschichte für Aufsehen gesorgt. Das Obergericht hatte die vom Bezirksgericht Lenzburg beschlossene Konkurseröffnung jedoch wieder aufgehoben. 

Der Gerichtsfall in Brugg drehte sich um den Betrieb, den der Unternehmer in Lenzburg führt. Der 49-jährige Mann mietete Räume im Erdgeschoss eines Gebäudes, das der Eigentümer umbauen liess. Dies passte dem Unternehmer nicht, kurz nach Beginn der Bauarbeiten kam es im Januar 2017 zur Eskalation: Der Unternehmer und seine Partnerin betraten die abgesperrte Baustelle. Die 39-jährige Frau, die im Betrieb ihres Partners tätig ist, habe auf der Baustelle «getan wie wild», sagte ein junger Bauarbeiter als Zeuge vor Gericht. Sie habe rumgeschrien, ein Schild umgeschmissen und Kabelbinder durchgeschnitten. Mit der Aktion habe sie laut Anklageschrift den Besitzer der Liegenschaft dazu bringen wollen, die Bauarbeiten abzubrechen. 

Das war nicht der einzige Protest: Schon vor Baustart versuchten der Unternehmer und seine Partnerin gegen die geplanten Bauarbeiten vorzugehen, obwohl bereits eine rechtskräftige Baubewilligung vorlag. Als das Gerüst aufgestellt wurde, schrieben sie Briefe an den Liegenschaftsbesitzer und die beteiligten Bauunternehmen. Sie drohten mit Strafanzeige, falls die Arbeiten fortgesetzt würden. Vor dem Bezirksgericht Brugg trat der Liegenschaftsbesitzer als Strafkläger auf. In einem gemeinsamen Verfahren wurden der Unternehmer und seine Partnerin der mehrfachen versuchten Nötigung, des Hausfriedensbruchs und der geringfügigen Sachbeschädigung angeklagt. Fast genau vier Monate nach der Verhandlung ist das Urteil aus Brugg nun da. Das Gericht erklärte die lange Dauer bis zur Verkündung des Urteils, dass nachträglich noch Unterlagen eingeholt werden mussten.

Das beschuldigte Paar wurde in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Der Unternehmer wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 370 Franken verurteilt. Seine Partnerin zu 50 Tagessätzen à 250 Franken. Das sind hohe Beträge für Personen, die vor Gericht angaben, nichts zu verdienen beziehungsweise sich nur das Allernötigste auszuzahlen. Die Probezeit beträgt für beide zwei Jahre. Die Verurteilten müssen auch für die Verfahrenskosten sowie die Verteidigerin des Strafklägers aufkommen. Das sind insgesamt 9158 Franken Anwaltshonorar; sowie die Verfahrenskosten, Zeugenentschädigung und Anklagegebühr von insgesamt 1237 Franken.

Das Paar hielt sich – trotz eines Verbots – auf der Baustelle auf und beging damit Hausfriedensbruch, lautet die verkürzte Begründung des Bezirksgerichts Brugg. Indem sie einen Bauarbeiter am Wegfahren hinderten, wurde Nötigung begangen. Auch die Briefe mit den Drohungen erfüllen den Tatbestand der Nötigung.