Seon
Stiftung Satis: Der Kreis soll sich wieder schliessen

Lucia Lanz, die neue Geschäftsführerin der Stiftung Satis, Wohnheim und Werkstätten in Seon, strebt eine Neuausrichtung der Strategie an. Die interne Organisation soll neu gestaltet und Kompetenzen anders verteilt werden.

Sebastian Wendel
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Beim Kaffee mit einem Bewohner findet Lucia Lanz Ablenkung vom stressigen Alltag. chris iseli

Beim Kaffee mit einem Bewohner findet Lucia Lanz Ablenkung vom stressigen Alltag. chris iseli

Immer wieder wird das Gespräch unterbrochen. «Entschuldigung, da muss ich dran.» Am Telefon erklärt Lucia Lanz einer Mitarbeiterin, wie das weitere Vorgehen mit einem fehlbaren Bewohner aussieht. Einige Minuten später verweist sie die Person am anderen Ende der Leitung an die Behörden. «Wir haben unseren Teil geleistet, alles andere ist Teil der Sozialdienste.»

Heute tritt die 44-jährige Lucia Lanz offiziell die Stelle als Geschäftsführerin der Stiftung Satis, Wohnheim und Werkstätten, in Seon an. Doch bereits seit dem Entscheid des Stiftungsrates am 9. März, sie von der Stellvertreterin zur Nachfolgerin von Heinz Frei zu machen, laufen die Drähte heiss.

«Das Vertrauensverhältnis ist gestört, eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr möglich.» So zitierte die az Aargauer Zeitung am 17. November 2010 Stiftungsratspräsident Paul Bopp zur vorzeitigen Entlassung von Frei. Seither leitete Lucia Lanz, die sich zu den Vorkommnissen rund um ihren Vorgänger nicht äussern will, das Satis interimistisch.

«Nein, ich habe nicht wegen meiner neuen Stelle als Vizeammann in Beinwil am See demissioniert. Der Grund war eine berufliche Weiterbildung.» Lanz schiebt Gedankenspielen, die Stellenausschreibung sei nur eine Formsache gewesen und sie sei längst als neue Geschäftsführerin festgestanden, einen Riegel vor. Nur so viel: «Dass ich den Betrieb seit zehn Jahren kenne, kommt mir jetzt zugute.» Aus ihrer politischen Vergangenheit nehme sie zudem Kontakte mit, die für die Zusammenarbeit mit den Behörden wertvoll sein werden. «Sie wissen, wie ich arbeite, und umgekehrt.»

Lanz fördert den Wandel

Normal ist, wenn es gut läuft. So dachte Lucia Lanz, bevor sie begann, im sozialen Bereich zu arbeiten. Nach zehn Jahren Tätigkeit im Wohnheim Satis weiss sie: Normal ist, wenn es nicht gut läuft. «In der heutigen Gesellschaft kriegt jeder irgendwann Probleme, sei es aus Eigenverschulden oder durch äussere Einflüsse. Einen gewissen Teil der Menschen werfen diese aus der Bahn», sagt Lanz, Mutter von drei erwachsenen Kindern. Es lohne sich – für die Betroffenen und für das eigene Gewissen –, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu helfen und neue Perspektiven aufzuzeigen.

Jetzt, wo sie die Chefin des Seoner Wohnheims für Menschen mit Beeinträchtigungen ist, sieht Lanz den Betrieb aus einer anderen Perspektive als zu Beginn ihrer Tätigkeit. «Als höchste Entscheidungsträgerin verlangt jeder meiner Beschlüsse eine präzise Güterabwägung im Voraus. Was löse ich damit aus?» Lanz legt für die Zukunft grossen Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Umfeld der Bewohner. Ob Angehörige, Ärzte Psychiater, Justiz oder Sozialdienste: Alle sollen in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Die Ziele der neuen Geschäftsführerin beinhalten auch einen Wandel. So will Lucia Lanz die interne Organisation neu gestalten und Kompetenzen anders verteilen. Das Wort «Altlasten» nimmt sie kurz in den Mund, relativiert aber umgehend: «Es laufen Abklärungen, was aus der Vergangenheit übernommen wird und welche Vorgehensweisen wir nicht mehr gebrauchen wollen.»

Neben den internen Veränderungen schwebt Lanz auch eine Neuausrichtung der Strategie vor. Bereits haben erste Gespräche zwischen dem Wohnheim Satis und der reformierten Landeskirche stattgefunden, in denen ein Kooperationsprojekt zwischen den beiden Seiten zur Sprache kam. Käme ein solches zustande, wäre dies laut Lucia Lanz ein Meilenstein in der Geschichte des Wohnheims. Und ein ganz spezieller Kreis würde sich schliessen. Die reformierte Landeskirche war die einzige öffentliche Institution, die 1956 Willi Wüthrich in dessen Vorhaben, eine Wohnstätte für alkoholabhängige Männer zu gründen, unterstützte.