Dürrenäsch hat aus dem Debakel rund um den ersten Anlauf zum Bau einer neuen Mehrzweckhalle die Lehren gezogen. Andrea Kuzma, die kurz nach dem Fiasko im Herbst 2016 zum Gemeindeammann gewählt wurde, hat beim Neustart des Bauvorhabens die Bevölkerung ins Boot geholt, zur Mitwirkung eingeladen und laufend über den Fortschritt des Projekts «Schulraum+» informiert. Das scheint sich nun auszuzahlen.

Vorgestern hat Gemeindeammann Kuzma vor fast vollen Rängen in der dem Abbruch geweihten Turnhalle nochmals umfassend über die aktuellen Baupläne inklusive den finanziellen Folgen aufgeklärt – sozusagen als Hauptprobe für den Ernstfall Mitte Mai. Kann dieser Anlass als Gradmesser genommen werden, so hat Kuzma an der ausserordentlichen Gmeind am 19. Mai keine Überraschungen zu befürchten.

Beim Bauprojekt geht es um die Sanierung des Schulhauses sowie die Sanierung und den Neubau der Mehrzweckhalle. Für das Gesamtpaket muss die Gemeinde 11,5 Millionen Franken aufbringen. So viel kostet das aus einem Gesamtleistungswettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt der BEM Architekten AG, Baden, in Zusammenarbeit mit Schär Holzbau AG, Altbüron, für die Mehrzweckhalle sowie die Schulhaus-Sanierung von den Stutz Kohli Architekten GmbH, Wohlen. Letztere war allerdings nicht Teil des Wettbewerbes gewesen. Ursprünglich war für das Schulraumprojekt gar die Rede von 18 Millionen Franken gewesen. Auch wenn die nun vorliegenden Zahlen deutlich unter diesem Betrag liegen, hat die knapp 1300 Einwohner zählende Gemeinde immer noch einen happigen finanziellen Brocken zu stemmen. Ob man zu dieser Investition bereit ist, wird sich zeigen.

Beim Projekt «Schulraum+» geht es konkret um Folgendes:

  • Das Dürrenäscher Schulhaus stammt aus dem 19. Jahrhundert. «Das Schulhaus prägt die Dorfmitte und hat eine hohe Identifikation für das Dorf. Das wollen wir nicht zerstören», erklärte Kuzma. Doch entspricht das Gebäude in keiner Weise mehr den heutigen Ansprüchen an Schulraum. Auch was die Sicherheit anbelangt, sind grosse Mängel vorhanden. Kuzma betonte, eine Sanierung sei nicht weiter aufschiebbar.
  • Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf 2,7 Millionen Franken. Entgegen den bisherigen Plänen soll das Schulhaus mit Priorität behandelt werden. Das heisst: Gibt der Souverän am 19. Mai grünes Licht, will der Gemeinderat bereits im Sommer 2019 mit den Planungsarbeiten beginnen. Im Herbst soll mit dem Bau gestartet werden, die Schüler sollen bereits im Sommer 2020 in das sanierte Schulhaus zurückkehren können.
  • Noch während die Schulhaussanierung im Gange ist, will man in Dürrenäsch die Realisation des neuen Mehrzweckgebäudes an die Hand nehmen. Diese ist für Februar 2020 vorgesehen, Beginn der Bauarbeiten im Sommer 2020. Verläuft alles nach Plan, ist die neue Mehrzweckhalle im Frühling 2022 bezugsbereit. Die heutige Turnhalle wird abgerissen, an deren Stelle kommt die neue Mehrzweckhalle zu stehen. Der Gebäudeannex bleibt bestehen, er wird saniert. Die Baukosten betragen 7,7 Millionen Franken. Mit zusätzlich 1,1 Millionen Franken gehen die Investitionen für den Innenausbau ins Geld: 440 000 Franken kostet die neue Bühne, 150 000 Franken die Kücheneinrichtung, 85 000 Franken sind für die Möblierung eingeplant.

Zu wenig Schulraum

Ein «Tolggen» bleibt im vorliegenden Projekt «Schulraum+». Auch nach dessen Vollendung, trotz der Investition von 11,5 Millionen Franken, hat Dürrenäsch nicht genügend Schulraum. Das ist darauf zurückzuführen, dass beim aktuellen Projekt momentan auf den Einbezug des Beck-Bertschi-Hauses verzichtet wird. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. «Im Moment bleibt wohl der eine oder andere Container auf dem Schulhausplatz stehen», so die pragmatische Haltung Kuzmas.

Gleichzeitig prüft Dürrenäsch mit verschiedenen Gemeinden eine Kooperation für den Schulbetrieb. Von den umliegenden Gemeinden komme allenfalls Leutwil infrage. «Dort ist eine Zusammenarbeit bei der Schule am ehesten denkbar», so Kuzma. Jedoch seien die Gespräche aufgrund der jüngsten politischen Turbulenzen in Leutwil zeitlich nicht wunschgemäss vorangekommen.

Die Baupläne haben Konsequenzen für die Gemeinde: Dürrenäsch wird nicht darum herumkommen, seinen Steuerfuss anzupassen. Laut Kuzma wird der Gemeinderat voraussichtlich an der Wintergmeind 2020 eine Erhöhung des aktuellen Steuerfusses von 95 auf 105 Prozent beantragen. Das ist ein Plus von zehn Prozent. «Ohne die entsprechenden finanziellen Mittel kann das Projekt nicht realisiert werden», betonte Kuzma an der Info. Ebenso hat die Realisation von «Schulraum+» Auswirkung auf das Nettovermögen von Dürrenäsch. «Das Pro-Kopf-Nettovermögen von heute 3752 Franken wird sich kurzfristig in eine Nettoschuld bis zu knapp 3000 Franken pro Einwohner im Jahr 2022 umwandeln», so Kuzma. In den anschliessenden Jahren sollte sich diese Kurve wieder verflachen.