Seengen/Boniswil
Steinzeit-Experte Max Zurbuchen zügelt seine Werkstatt nach Boniswil

Der bekannte Archäologe und Prähistoriker Max Zurbuchen hat seine Steinzeitwerkstatt vom Seenger «Burgturm» nach Boniswil gezügelt. Steinzeit-Fans können nun im frühreren Landi-Lager neben dem Bahnhof Steine schleifen und Feuer entfachen.

Pascal Meier
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In der neuen Werkstatt:

In der neuen Werkstatt:

Pascal Meier

Kaum ein Schüler aus der Region ist in den vergangenen 40 Jahren nicht in die Seenger Steinzeitwerkstatt von Max Zurbuchen eingetaucht und hat wie die frühen Menschen im Seetal Werkzeuge geschliffen, Korn gemahlen und Feuer geschlagen – zuerst im Kornhaus vom Schloss Hallwyl, seit 1982 dann im Keller des «Burgturms».

Als international anerkannter Prähistoriker empfing Max Zurbuchen auch Regierungsräte, zeigte Militärs, wie man Feuer entfachte, und erklärte Medizinern jene Krankheiten, an denen die Ur-Seetaler starben. 2007 begleitete der Archäologe auch das Projekt «Steinzeit Live» des Schweizer Fernsehens.

Zu feucht, zu wenig Platz

Seit kurzem ist die Holztür im Erdgeschoss des Seenger «Burgturm» jedoch verschlossen und der Keller dahinter leer. Max Zurbuchen hat während der Sommerferien seine Sachen gepackt und die ganze Steinzeitwerkstatt nach Boniswil gezügelt. «Ich konnte einfach nicht mehr so weitermachen», sagt Max Zurbuchen. «Der gewölbte Keller des Burgturms war zwar ein schöner Ort für die Steinzeitwerkstatt, sorgte aber zunehmend für Probleme.»

Werkstatt neu privat

Max Zurbuchen hat die Seenger Steinzeitwerkstatt 1972 von Reinhold Bosch übernommen, dem Gründer der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung. Aus dieser ehrenamtlichen Aufgabe wurde eine lebenslange Leidenschaft. Zurbuchen erneuerte und erweiterte die Werkstatt in den vergangenen 40 Jahren auf eigene Kosten und mit viel Herzblut. Da deshalb nur noch ein Teil der ausgestellten Fundobjekte der Historischen Vereinigung gehört und kein Vertrag die Rechte und Pflichten regelt, wurde gemeinsam entschieden, dass Max Zurbuchen die Werkstatt auf privater Basis weiterführt. Die Historische Gesellschaft stellt ihre Fundobjekte weiterhin als Dauerleihgabe zur Verfügung. «Das Seetal hat in vielfältiger Weise von Zurbuchens Wirken profitiert», schreibt die Historische Vereinigung in einer Würdigung. Der Wegzug aus Seengen sei bedauerlich, aber «wir wünschen Max Zurbuchen, dass er am neuen Ort die Faszination der Zeit vor 4000 Jahren weiterhin so lebendig vermitteln kann.» Da in Boniswil im Gegensatz zu Seengen Mietkosten anfallen und weitere Ausgaben anstehen, sucht Max Zurbuchen Sponsoren. «Im nächster Zeit muss ich etwas schmal durch», sagt Zurbuchen dazu. «Die Steinzeitwerkstatt kann aber von einem guten Namen profitieren.» (pi)

Die Feuchtigkeit liess ständig den Verputz von den Wänden bröckeln, und wenn es draussen regnete, war der steinige Boden der Werkstatt nach einer Führung oft mit Schlamm überdeckt. Über die Jahre wurden auch die fehlenden sanitären Anlagen zum Problem. «Heute kann man kein Museum ohne Heizung und WC führen», sagt Max Zurbuchen.

Und weil der Steinzeit-Experte seine Werkstatt ständig erweiterte und an neuen Projekten arbeitete, wurde auch der Platz im nur 40 Quadratmeter grossen Kellergewölbe immer knapper. «Ich konnte mich nicht mehr entwickeln und musste deshalb eine neue Lösung suchen.»

Werkstatt nun doppelt so gross

Fündig wurde Max Zurbuchen im ehemaligen Landi-Lager in Boniswil. In den Räumlichkeiten beim neuen Bahnhof hat der Steinzeitexperte in den vergangenen Wochen seine neue Werkstatt eingerichtet. Die ersten Führungen fanden bereits statt, als erste Gäste durfte Max Zurbuchen die Hallwilersee-Rangers begrüssen, mit denen er zusammenarbeitet und Veranstaltungen am Hallwilersee durchführt.

Die neue Steinzeitwerkstatt erscheint zwar nicht mehr so «heimelig» wie jene im Keller des «Burgturms», ist dafür doppelt so gross und nicht weniger liebevoll eingerichtet. Zudem ist die Werkstatt per öffentlichen Verkehr gut erreichbar und es stehen genügend Parkplätze zur Verfügung. «Damit steht meine Steinzeitwerkstatt auf einer völlig neuen Basis», sagt Max Zurbuchen – und meint damit nicht allein den Standortwechsel: Denn mit dem Umzug ist die Steinzeitwerkstatt auch unabhängig von der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung geworden, die Zurbuchen im Jahre 1972 ehrenamtlich die Leitung der Steinzeitwerkstatt übergeben hatte. Nun führt er diese auf privater Basis (siehe Text rechts).

Dass sich Zurbuchen damit nach Jahrzehnten von Seengen verabschieden musste, war nicht leicht – zumal er auch das Seenger Pfahlbauhaus nach archäologischen Funden rekonstruiert hatte. Die Suche nach einem neuen Standort, an der sich auch der Gemeinderat und die Historische Vereinigung beteiligt hatten, verlief jedoch erfolglos. «In Boniswil hoffe ich auf einen guten Neuanfang», sagt Max Zurbuchen. «Und die Steinzeitwerkstatt bleibt im Seetal.»

Tag der offenen Tür: Am Samstag, 1.September, lädt Max Zurbuchen von 10 bis 18 Uhr zum Besuch in die neue Steinzeitwerkstatt. Diese ist das ganze Jahr geöffnet. Führungen nach Vereinbarung.