Im traditionellen Frühlingskonzert brachte der Musikverein Lenzburg Georg Friedrich Händels «Joshua» (Josua) am vergangenen Wochenende in Lenzburg und Erlinsbach zur Aufführung. «Joshua» gehört zu den meisterlichen Oratorien, mit denen Händel 1746/47 den Sieg der Hannoverschen Dynastie über die schottischen Jakobiten feierte. Das gross angelegte Werk gehört zu den heroischen «Siegesoratorien», die in ihrer patriotischen Hochstimmung den Nerv der Zeit trafen und damit zum grossen Erfolg wurden. «Joshua» schildert in expressiver, tonmalerischer Klangsprache die blutrünstige Eroberung Kanaans unter der Führung Joshuas, des charismatischen Führers und Nachfolgers Moses. Aufgelockert wird das kriegerische Geschehen durch die anrührende Liebesgeschichte des jungen Helden Othniel und der schönen Achsah. Mit dieser Art des barocken Oratoriums schuf Händel das «englische Oratorium» mit Siegesklang und Jubelchören, virtuosen Arien, innigen Liebesduetten und dem das Geschehen bildhaft darstellenden Orchester.

Von Beat Wälti subtil geführt gelang es, dem in jeder Beziehung herausfordernden Werk die ihm eigene Spannung, Intensität und die für den Barock so charakteristischen Affekte zur Geltung zu bringen, was sich auch im Engagement und der Konzentration der Ausführenden zeigte. Wohltuend war auch die hörerfreundliche Wahl der Tempi.

Im Zentrum des Werkes steht der Chor, das Volk der Israeliten darstellend. Der mächtige Chor des Musikvereins beeindruckte mit seiner Kompaktheit und gleichzeitigen Lockerheit, der plastischen Gestaltung, aber auch durch die Ausgewogenheit der Register und dem kultivierten Klang im Fortissimo – hier sind die Fortschritte unüberhörbar.

Überzeugende Solisten

Eine überaus glückliche Hand hatte der Musikverein bei der Wahl der Solisten: Stephanie Pfeffer, Sopran, als Achsah, Simon Savoy, Altus, als Othniel, Jan-Martin Mächler, Tenor, als «Joshua» und Stefan Vock, Bass, als Caleb. Ein ganz starkes Quartett, das dramatische, virtuose und lyrische Glanzpunkte setzte – und dem man gerne wieder begegnen möchte.

Spezielle Komplimente gehören dem gross besetzten Orchester, dem Trompeten und Pauken einen besonderen Glanz verliehen, und das während der gesamten Dauer gefordert war und diese Herausforderung auch bestens bestand. Ebenso wie auch Ursula Bircher, Cello, und Yvonne Ritter, Cembalo, die das Continuo als Grundlage des gesamten musikalischen Geschehens bildeten.

Auch wenn das Oratorium «Joshua» nach früheren Erfolgen kaum mehr aufgeführt wurde, gehört es doch zu den absoluten Meisterwerken Händels und findet heute wieder vermehrt Beachtung.

Die grossen Besucherzahlen in Lenzburg und Erlinsbach zeigten ihre Begeisterung und dankten dem Musikverein Lenzburg, dem Solistenquartett und dem Dirigenten Beat Wälti mit «Standing Ovations».