Wissbegierig sei sie schon immer gewesen, sagt sie. Und auch das Reisefieber hat Laura Stoffel schon in jungen Jahren gepackt. 30 Jahre alt, hat die ehemalige Hôtelière-Restauratrice schon viele Länder bereist, eine ganze Reihe fremder Kulturen kennen gelernt und die Menschen und ihren Alltag vor Ort studiert.

«Ich habe mich unterwegs oft gefragt, was in den Menschen vorgeht, denen ich begegnet bin. Weshalb werden Tagesabläufe so gestaltet, Strukturen so gelegt, wie sie sind.» Fragen, auf welche die ehemalige Restauratrice im Studium über Sozial-Anthropologie an der Universität Bern jetzt Antworten sucht. Ganz besonders angetan ist die junge Frau vom afrikanischen Kontinent. Die Migrationsströme aus der Region Richtung Westen, auch in die Schweiz, sind ihr an die Nieren gegangen, sagt sie. Bei einem Sozialeinsatz vor Ort wollte sie deshalb mehr dazu erfahren, was die Menschen fort treibt aus ihrer Heimat.

Grosses Elend

Zwei Jahre ist es her, dass die junge Frau mit Rucksack und Gitarre am Rücken nach Togo reiste. Im Gepäck die Adresse der Sada (Synergie d’Action pour un Développement Approprié), eine togoische Non-Profit-Organisation, die sich im Bereich der Basis-Bildung und Stärkung (Gleichstellung/Empowerment) der afrikanischen Frau engagiert. «Dort half ich in Schule und Kindergarten mit», erzählt sie.

Nicht alles, was sie gesehen hat, habe ihr dabei gefallen. An allen Ecken und Enden fehlten die elementarsten Dinge. «Die Kinder haben oft nichts zu essen und hungern. Manche erscheinen aus diesem Grund am Nachmittag nicht mehr im Schulunterricht.» Geld, um Abhilfe zu schaffen, ist keines vorhanden. Der Hunger sei ein grosses Problem in Afrika, trotz Hilfeleistungen grosser internationaler Organisationen.

Die Not der Menschen hat Laura Stoffel nicht mehr losgelassen. Und schliesslich zur Gründung eines Stipendienfonds geführt. Das erste Geld floss aus Kreisen ihrer Familie und Freunden. An Flohmärkten werden Secondhandkleider und gebrauchte Gegenstände verkauft.

Dorfbevölkerung integrieren

Damit ermöglicht Laura in Togo Waisenkindern eine Schulbildung und regelmässiges Essen in der eigens dafür gebauten Schulkantine. Die Arbeitskraft und der Mais zum Kochen kommt von den Dorfbewohnern. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der Sada geführt. In dieser Organisation habe sie gut gebildete Menschen angetroffen, welche die Idee mitentwickelten und deren Realisation vor Ort besorgen. In Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung.

Das ist wichtig. Der Sozialeinsatz hat der Studentin nämlich deutlich vor Augen geführt, dass «ein Projekt, das vom Dorf nicht mitgetragen wird, keine Chance hat.» Die Kooperation mit Einheimischen ist für Laura Stoffel zudem Ausdruck des Respekts gegenüber der örtlichen Kultur. «Ich wollte den Menschen nicht einfach eine Idee aus Europa aufdrücken, sondern vor Ort recherchieren und das spezifische Bedürfnis herausfinden.»

Auf ihrer Website www.fabelhaftewelt.ch berichtet Laura Stoffel detailliert über die Verwendung der Gelder und erzählt von den Projektfortschritten. Dort erfährt man auch, dass in den letzten beiden Jahren dank Spenden von 10 000 Franken über 120 Kinder in die Schule gehen konnten.

«Noch stecken wir in den Kinderschuhen», sagt Laura. «Doch mit einem Rucksack voller guten Willens, Vertrauen und Glaube an Humanität wird das Projekt ‹fabelhafte Welt› kontinuierlich weiterwachsen.»