Lenzburg

Statt Züge fahren Velos über den Aabach

Die Aabachbrücke der Seetalbahn wurde saniert und dient nun der Radwanderroute.

Die Aabachbrücke der Seetalbahn wurde saniert und dient nun der Radwanderroute.

Eine der ältesten Betonbrücken der Schweiz steht in Lenzburg. Umfassend saniert dient sie künftig nicht mehr der Seetalbahn sondern Radwanderern.

«Wir in Lenzburg haben eben ein Flair für historische Bauten.» Stadtrat Martin Steinmann wendete bei diesen Worten den Blick vom Schlossberg vor die eigenen Füsse: Die sanierte Aabachbrücke unweit der Nordwestecke des Landi-Parkplatzes wurde nach der umfassenden Auffrischen ihrer neuen Bestimmung übergeben.

Als Erinnerung an die frühere Verwendung hatte Steinmann extra unter dem Brückengeländer eine Modelleisenbahnlokomotive mit zwei Wagen montiert. Die Wagenmodelle, im typischen historischen Dunkelgrün gemahnten die Teilnehmer der Einweihungsfeierlichkeiten an die Seetalbahn, die über diese Brücke den Anschluss des Seetals und der Stadt Lenzburg an die Schnellzugstrecke Olten–Wildegg–Zürich sicherstellte.

Die Brücke stammt aus dem Jahr 1895 und versah ihren Dienst bis 1984, als der Bahnbetrieb auf dem Seetalbahn-Abschnitt zwischen Lenzburg und Wildegg eingestellt wurde. Vor zehn Jahren, im Rahmen der Kerntangenten-Eröffnung, wurde die Strecke endgültig aufgehoben. Die Stadt erhielt damals das Trassee, samt Aabachbrücke und den entsprechenden Plänen von den SBB.

Aus diesen Unterlagen geht hervor, dass die gewölbte Brücke 1895 mit dem damals noch neuen Baustoff Beton realisiert wurde: «Sie ist somit eine der ältesten Betonbrücken der Schweiz», schrieb der Stadtrat 2013 in der Einwohnerratsvorlage für den Sanierungskredit in der Höhe von 288 000 Franken.

Schon bei der Behandlung im Stadtparlament stand die spätere Verwendung fest: «Ein Bahntrassee ist natürlich ideal für die Anlage eines Radweges», so Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau im Stadtbauamt. Und so ist die Aabachbrücke nun Bestandteil des Radwanderwegs Aabach Lenzburg– Wildegg. Und dieser wird vom Bund im Rahmen des Agglomerationsprogrammes I als A-Massnahme unterstützt.

Angedeutete Steine

Nun ist die derart subventionierte Sanierung abgeschlossen. Ein Detail: Beim Bogengewölbe wurden die schon beim Bau im 19. Jahrhundert angedeuteten Steine naturgetreu rekonstruiert. «Damals war das Vertrauen in den Beton noch nicht so gross; die symbolischen Steine sollten dem Volk Sicherheit vermitteln», so Brenner.

Die neue Aabachbrücke wurde unten und oben eingeschwemmt. Im heftigen Platzregen brachte Stadtrat Steinmann seine Modelleisenbahn in Sicherheit.

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