Die Widmi hat ihre Unschuld also verloren und nun geht es dieser Grünfläche entlang von Stadtbach und Ammerswilerstrasse endgültig an den Kragen. Obwohl viele Lenzburger im Hinterkopf immer um die «Gefahr» der Überbauung dieser bislang stillen Reserve wussten, hat man geflissentlich verdrängt, dass diese grüne Insel dereinst untergehen würde.

Peter Martin, als Vertreter der Bauherrschaft CPV/CAP Pensionskasse Coop, erinnerte am Spatenstich daran, dass von der ersten Idee bis zum aktuellen Baubeginn doch etwelche Jahre ins Land gezogen sind. Vor 12 Jahren habe er sich erstmals dieses Stück Land angeschaut. Mit einem für Fr. 4.50 erstandenen Stadtplan habe er sich auf dem Bölli einen Überblick verschafft. Bis nun an «diesem attraktiven Standort dieses tolle Wohnbauprojekt» realisiert werden kann, mussten etwelche Hürden übersprungen werden. Selbst beim Gestaltungsplan habe man mithelfen dürfen, rühmte Martin die «gute Zusammenarbeit mit den Stadtbehörden».

Die Grüne Lunge

Man sei überzeugt, mit den Neubauten das neue «Quartier aufwerten» zu können. Architektonisch und städtebaulich dafür verantwortlich ist André Meier, dessen «junges Büro» beim ausgeschriebenen Wettbewerb einen Heimsieg landen konnte. In zwei längliche Baukörper werden 74 Mietwohnungen (von anderthalb bis fünfeinhalb Zimmer das ganze Spek-trum) erstellt.

Das Siegerprojekt habe man noch «optimieren müssen», räumte Meier am Spatenstich ein. Man habe «Federn lassen müssen», doch stehe er immer noch dahinter: «Es wird ein gutes Stück Stadt», blickte der Architekt in die nahe Zukunft. In seiner zweiten Funktion als Lenzburger Bürger habe er etwas «zwiespältige Gefühle», doch mit dem von der Stadt ins Spiel gebrachten benachbarten Widmi-Park bekomme das Areal eine wichtige «grüne Lunge». Hans Setz vom beauftragten Totalunternehmer Gross aus Brugg lobte ebenfalls die gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten: «Wir haben bisher gute Rahmenbedingungen angetroffen.»

Geht es in diesem Stil weiter, sollen im Frühjahr 2013 die ersten Mieter einziehen können. Ihre Wohnungen werden Minergiestandard aufweisen. Zwischen den zwei Baukörpern, just wo der Spatenstich stattfand, ist ein «urbaner Gassenraum» (Meier) geplant, der an die Altstadt erinnern soll.