Neuer Rundgang
Starke Frauen auf Schloss Wildegg: «Sapperlot, jetzt sind wir Berner»

Der neue szenische Rundgang auf Schloss Wildegg porträtiert vier starke Frauen, die zur Zeit der Berner Herrschaft das Zepter geführt haben.

Ruth Steiner
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Schauspielerinnen Gabriela Angehrn (links) und Salomé Jantz bei den Proben.

Schauspielerinnen Gabriela Angehrn (links) und Salomé Jantz bei den Proben.

Chris Iseli

Nichts lieber als das: Schauspielerin Salomé Jantz steckt ihre Nase gerne in die Angelegenheiten anderer Leute. Ganz besonders, wenn sie dadurch längst vergangene Zeiten zu neuem Leben erwecken und historischen Persönlichkeiten aus den Geschichtsbüchern Leben einhauchen kann.

Wenn es darum geht, Geschichten am Schauplatz zu erleben, wie dies Museum Aargau seit einigen Jahren praktiziert, da läuft Jantz zu Höchstform auf: Und mit ihr zusammen Gabriela Angehrn. Doch jetzt gesteht die Schauspielerin in ihrem unvergleichlichen Basler Akzent, dass es ihr und Angehrn jüngst, «scho es betz gstongge hett», sich mit dem neuen Auftrag, einem szenischen Rundgang zum Leben auf Schloss Wildegg während der Besetzung durch die Berner, zu befassen.

Männerlastig, derb und kriegsbeladen sei das Thema. «Wir sind doch Frauen», klagt Jantz. In der Zwischenzeit haben die Zwei ihre Angst vor dem Berner Bär abgelegt – entstanden ist das Stück «Sapperlot, jetzt sind wir Berner», eine Geschichte rund um alten Adel und neue Herrn. Das Projekt ist Teil des kantonalen Gedenkjahres 1415: Die Eidgenossen kommen!»

Nicht schön aber stark

Das Problem der vermeintlichen Männerlastigkeit hat sich später wie von selbst erledigt. Bei Stöbern in den überlieferten Schriften nach Stoff für das neue Programm ist Salomé Jantz auf interessante Frauenpersönlichkeiten gestossen: Starke Frauen müssen es gewesen sein, schwärmt sie, wenn sie von Salome May, Maria Katharina von Diesbach, Barbara von Salis, Sophie von Effinger, den früheren Schlossherrinnen auf der Wildegg spricht.

«Sie waren weder mit Liebreiz noch mit Schönheit gesegnet. Doch haben diese Frauen während ihre Männer im Krieg, in Verhandlungen oder gar gestorben waren, ihren Mann gestellt und den Wildegger Haushalt geschmissen», schwärmt sie. Schon wenn Jantz von den Recherchearbeiten spricht und dabei Anekdote an Anekdote reiht, wirken ihre Darstellungen unglaublich echt, hat man das Gefühl, die Leibhaftige stehe unmittelbar neben ihr.

Jantz’ Bühnenpartnerin Gabriela Angehrn wird Salome May, wenn sie vom Brief erzählt, den Gemahl Hans Thüring ihr habe zukommen lassen. Er lässt ausrichten: Derweil man auf der Lenzburg in Gesellschaft von General von Erlach fröhlich am Tafeln sei, sei die Kunde über den verlorenen 1. Villmergerkrieg auf dem Schloss eingegangen. Und er schreibt, dass die Berner nun halt hätten büssen müssen, dass in ihren Heeren kaum noch Zucht und Ordnung herrscht.

Im Raumschiff durch Epochen

Vier markante Frauenfiguren hat Jantz nun zu einer 75 Minuten dauernden launigen szenischen Darstellung verwoben. Sie waren irgendwann in der Zeit zwischen 1415 und der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 Herrinnen auf der «Wildegg». Für die Zeitreise durch die vier Jahrhunderte hat Jantz als verbindendes Element einen futuristischen Kontrast zum historischen Hintergrund geschaffen: Es sind dies Arabella und Samarantha, zwei Überirdische, die als anachronistische Figuren mit ihrem Raumschiff Omega 3 das Publikum durch die Jahrhunderte guiden.

In wenigen Tagen findet die Vernissage statt. Bis dahin werden die zwei Schauspielerinnen auch die noch vorhandenen logistischen Probleme gelöst haben. Bis zu achtmal muss sich jede während der gut einstündigen Aufführung umziehen und das Kostüm wechseln. Noch sitzt das Prozedere nicht immer ganz nach Wunsch. «Öppe isch no chli de Chrage verdrület.» Jantz ist zuversichtlich, dass auch diese kleinen Schwierigkeiten bis zum Ernstfall beseitigt sind.

Premiere zu Sapperlot, jetzt sind wir Berner! ist am Sonntag, 26. April, um 17 Uhr, auf Schloss Wildegg.

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