Vor Wochenfrist war Sibylle Lichtensteiger Gast, als das sanierte und modernisierte Museum Burghalde eröffnet wurde. Man gehe dort auf informative und unterhaltsame Art mit der Geschichte Lenzburgs um, lobt sie.

Als Leiterin des Stapferhauses beschäftigt sich Lichtensteiger ebenfalls mit kulturellen Themen. Im Stapferhaus fokussiert man sich jedoch auf die Aktualität, macht gesellschaftliche Brennpunkte zu Ausstellungsthemen.

In drei Wochen, am Sonntag, 28. Oktober, wird eine neue Ausstellung eröffnet: die insgesamt 11. grosse Ausstellung der Kulturinstitution, die erste im neuen Haus an prominenter Lage beim Bahnhof Lenzburg. Die Vorbereitungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Das Datum der offiziellen Eröffnung von «Fake. Die ganze Wahrheit» naht in Riesenschritten. Im Innern des Hauses ist noch viel zu tun, bis die Ausstellung wunschgemäss aufgebaut ist. Anderthalb Jahre, nachdem die Bagger die ersten Schaufeln in den Boden rammten wird das 24,8 Millionen Franken teure Gebäude zum ersten Mal bespielt. Die Schlüssel dazu hat Lichtensteiger im Juli bekommen.

Grund zum Schwärmen

Entspricht das nun fertige Haus tatsächlich auch den Vorstellungen der Ausstellungsmacher? Die Absicht war, sich die vielen Möglichkeiten zu bewahren, die die bisherige Location im alten Zeughaus bot und mit denen das Stapferhaus bekannt geworden ist; nämlich in einem provisorisch anmutenden Umfeld eine professionelle Ausstellung zu realisieren. «Ja, wir haben uns gewünscht, die Vorteile des alten Zeughauses in einem Neubau nicht zu verlieren», sagt Sibylle Lichtensteiger und kommt richtig ins Schwärmen. «In Zusammenarbeit mit Pool-Architekten Zürich haben wir hier unser Traumhaus gebaut.»

Pool-Architekten hatten 2014 den Wettbewerb mit ihrem Projekt «blaues Haus» gewonnen. In einfachen Worten beschrieben, besteht das Haus aus einer hölzernen Gebäudehülle, deren blaue Fassade je nach Lichteinfall heller oder dunkler schimmert. Für die Lichtensteiger ist «es ein Haus geworden, mit dem und in dem man arbeiten kann. Die Baute gewährleistet eine grösstmögliche Flexibilität für die Gestaltung unserer Ausstellungen». Damit ist auch der dunkle Anstrich im Innern des Gebäudes zu verstehen; als neutrale Grundlage für die Bespielung.

Das neue Haus ist ein Rohling

Was Lichtensteiger unter dem Begriff Flexibilität versteht, wird beim Rundgang durch die wachsende erste Ausstellung am neuen Ort rasch einmal klar. «Fake. Nichts als die Wahrheit» setzt sich mit dem Umgang mit Wahrheit und Lügen in den verschiedensten Lebensbereichen auseinander. Diese finden in dafür eigens geschaffenen Amtsstuben statt, wofür unzählige mobile Wände in das Gebäude eingebaut wurden. Je nach Bedarf können die Wände später verschoben oder wieder abgebaut werden. So auch die mobile Treppe, auf deren Stufen sich Sibylle Lichtensteiger fürs Foto stellt: Die Treppe kann weggerückt oder demontiert und durch einen anderen Aufgang ins obere Stockwerk ersetzt werden.

Das neue Haus des Kulturinstituts ist als «Rohling» zu verstehen – als leere Theaterbühne, auf die man mit Kulissen eine wechselnde Welt hineinbaut. Im obersten Stock des Hauses ist in einer offenen Bürolandschaft die Leitung und Administration des Hauses untergebracht. Im Parterre das Kafi. Als Teil der Ausstellung wird es sich jeweils ebenfalls verändern.

Das Konzept sieht zudem vor, nebst dem Haus auch die Gebäudefassade und die Pergola wechselartig zu bespielen. Auf dem Balken beim Eingang steht derzeit «Amt für die ganze Wahrheit». Dass diese Aussage mit einem Augenzwinkern verstanden werden darf, verrät der über vier Meter hohe, aus Holz geschaffene Pinocchio, der die Besucher in der Pergola empfängt. Sibylle Lichtensteiger sagt dazu: «Pinocchio verweist darauf, dass im ‹Amt für Wahrheit› auch die Lüge zu Hause ist – und er lässt erahnen, dass es auf diesem Amt nicht tierisch ernst zu- und hergehen wird.»