Das Stapferhaus Lenzburg hat sich innert weniger Jahre zum Kulturhaus mit nationaler Ausstrahlung gemausert. Ausstellungen wie «Entscheiden» und «Geld» (mit dem berühmten Bad in vier Millionen Fünfräppler) lockten bis 80'000 Besucher auf das Zeughausareal. Mehrere Produktionen schafften den Sprung ins Ausland.

Jetzt geht das Stapferhaus mit der Ausstellung «Heimat – eine Grenzerfahrung» an den Start. Diese öffnet am Samstag, 11. März. Am Freitagabend war Vernissage. Dafür hatte das Stapferhaus ein grosses Festzelt aufgestellt. Die Gästeliste zählte über 350 Namen, darunter in erster Linie Macher und Gönner der neuen Ausstellung.

Das Stapferhaus zu finden gelang auch ortsunkundigen Besuchern problemlos: Über dem Kulturhaus thront ein 32-Meter-Riesenrad – das Wahrzeichen der Ausstellung. Und ein Symbol für Heimat: Eine Fahrt auf dem Riesenrad weckt Kindheitserinnerungen. Oder wie es Projektleiter Detlef Vögeli ausdrückte: «Von oben hat man einen anderen Blick auf die Heimat.»

Stapferhaus Lenzburg fragt: Was ist Heimat?

Stapferhaus Lenzburg fragt: Was ist Heimat?

In einer innovativen Ausstellung wird dieser Frage in Lenzburg nachgegangen. Wir konnten SVP-Politiker Ueli Giezendanner beim Rundgang begleiten.

Das Riesenrad ist für die Ausstellung zentral. Im Vorfeld war das Stapferhaus-Team an zwölf Schweizer Chilbis gereist, setzte sich dort in eine Gondel des Riesenrads und fragte 1000 Menschen: Was bedeutet Ihnen Heimat? «Berge, Seen und Vogelgezwitscher am Morgen», war eine Antwort. Oder: «Kafi mit einem Löffel Zucker, das erinnert mich an meinen Grossvater.»

So kamen 1000 Heimatstimmen zusammen, die Grundlage für die Ausstellung. Entstanden ist eine interaktive Landkarte der Heimatgefühle. Eine aufwendige Vorarbeit. «Heimat» ist deshalb die bisher grösste Produktion vom Stapferhaus, das Budget ist rund einen Viertel grösser als bei früheren Ausstellungen. Das ging nur dank zusätzlicher Gelder von Stiftungen.

Hürzeler dreht doch eine Runde

Chilbi-Atmosphäre herrschte auch an der Vernissage. Im Festzelt standen bunte Stände mit Popcorn und Ghackets mit Hörnli. «Die Chilbi hat es uns angetan», sagte Stapferhaus-Leiterin Sibylle Lichtensteiger, und erklärte, warum ihr Team das Thema «Heimat» gewählt hatte: «Heimat hat Hochkonjunktur. Politiker von links bis rechts wollen sie retten, Firmen und neuerdings auch Zigaretten heissen Heimat», so Lichtensteiger. «Wir wollen deshalb genau hinschauen und den Horizont öffnen: Warum reden alle über Heimat?»

Über die Heimat sprach auch Regierungsrat Alex Hürzeler. «Heimat löst Gefühle und Emotionen aus», sagte er, und liess keinen Zweifel daran, wo seine Heimat nicht ist: Auf dem Riesenrad. Hürzeler: «Das löst eher gemischte als Heimat-Gefühle aus.»

Offene Münder, grosse Brillen

Nach der Vernissage öffnete das Stapferhaus-Team die Türen der Ausstellung. Alex Hürzeler schritt voran und setzte sich mit seiner Frau Ursula doch ins Riesenrad. Dieses leuchtete in allen Farben am Lenzburger Stadthimmel – zur Freude von Stadtammann Daniel Mosimann. «Es ist auch ein bisschen ein Wahrzeichen Lenzburgs», sagte er. «Wenn es in einem Jahr weg kommt, fehlt etwas.»

Mosimann sagte zudem, er habe hohe Erwartungen an die Ausstellung. Der Stadtammann ist damit nicht allein: Bereits vor der Eröffnung haben sich 500 Gruppen angemeldet, freie Plätze gibt es erst Mitte April wieder. «Einzelbesucher sind davon nicht betroffen», so Sibylle Lichtensteiger.

Nebst dem Riesenrad sorgten auch andere Teile der Ausstellung für viel Gesprächsstoff – und einige Lacher: Die Männer und Frauen, die mit offenen Mündern und grossen Virtual-Reality-Brillen auf der Nase den Kopf in alle Richtungen bewegten, gaben ein köstliches Bild ab. Was sie auf dem Bildschirm in den Brillen sahen, war jedoch eindrücklich: Sie blickten auf die Erde hinunter, über dem Kopf zog die Milchstrasse vorbei. Ein ganz neuer Blick auf die Heimat.

Mehr über die Ausstellung lesen Sie am Montag auf der Seite Kultur der Aargauer Zeitung.