Lenzburg
Stadträtin tritt nicht mehr an – gibt die kleine EVP den Sitz kampflos auf?

Dreieinhalb Amtsperioden sind genug, findet die Stadträtin Heidi Berner. Sie verzichtet auf eine Wiederwahl. Gibt die kleine EVP den Sitz kampflos frei?

Ruth Steiner
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Die Stadträtin kündigt an, bei den Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats im Herbst 2017 nicht mehr anzutreten.

Die Stadträtin kündigt an, bei den Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats im Herbst 2017 nicht mehr anzutreten.

Chris Iseli

«14 Jahre sind genug, ich verzichte auf eine erneute Kandidatur», erklärt Heidi Berner. Die Stadträtin kündigt an, bei den Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats im Herbst 2017 nicht mehr anzutreten.

Die Meldung kommt nicht allzu überraschend. Die Gerüchte um einen Rücktritt Berners kursierten bereits seit einiger Zeit in der Stadt. «Ende 2017 werden es dreieinhalb Amtsperioden sein, in denen ich als Stadträtin dem Ressort Soziales/Gesundheit vorgestanden bin», schreibt Berner in ihrer Ankündigung. Zu ihren grössten Leistungen während dieser Zeit gehörten die Erarbeitung eines Altersleitbildes, der Ausbau der sozialen Dienste, der Jugend- und Schulsozialarbeit. Die letzten beiden wurden angestossen durch das Filmprojekt «Lenzburg 9 - 99», in welchem die Lenzburger Jugend unter anderem Anspruch auf einen eigenen Platz im öffentlichen Raum erhob. Daraus hervor gingen verschiedene Projekte wie der Freizeitpark Hammerpark, Midnight-Sports und der Jugendtreffpunkt im Tommasini.

Gesamterneuerungswahl: Übrige Stadträte machen weiter

Im Moment scheint Heidi Berner als einzige aus dem Stadtrat auszuscheiden. Die andern Stadträte erklärten auf Anfrage, dass sie sich im Herbst zur Wiederwahl stellen werden. Stadtammann Daniel Mosimann (SP), eben erst als Grossrat in Pflicht genommen, macht weiter. Vizeammann Franziska Möhl (CVP) sagt: «Das Amt macht mir viel Freude. Ich werde wieder antreten.» Auch bei Martin Steinmann (FDP) ist «die Motivation voll da.» Mit der laufenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung und dem neuen Bahnhofplatz stehen grosse Brocken an, erklärt er. Martin Stücheli (SVP) signalisiert ebenfalls Bereitschaft zum Weitermachen. «Ich gehe davon aus, dass ich noch einmal antreten werde.» Er wolle sich diesbezüglich jedoch noch mit der Partei absprechen. (str)

Ein harter Wind schlug der Stadträtin beim Neubau des Alterszentrums «Obere Mühle» entgegen, als Othmarsingen und Staufen, zwei Partnergemeinden, in der Planungsphase aus dem Projekt ausstiegen. Nichtsdestotrotz - der 42 Millionen Franken teure Bau wurde im vergangenen Jahr in Betrieb genommen. Sie werde noch eine Weile Präsidentin der Trägerschaft des Alterszentrums bleiben, erklärt Heidi Berner, das könne sie unabhängig eines Stadtratmandats tun. Daneben will sie sich mehr Zeit für die Familie und die Enkelkinder nehmen. «Im August werde ich 62 Jahre alt, mein Mann ist seit einem halben Jahr pensioniert.»

Bei ihrer Wahl im Herbst 2003 hatte sich die promovierte Gewässerbiologin als Vertreterin der kleinen EVP in einem reinen Damen-Wahlkampf gegen eine Kandidatin der damals schon viel grösseren SVP durchgesetzt. Ein enger Weggefährte von damals beschreibt sie als «grosse Chrampferin, gute Vermittlerin, eine Person, die auch für die schwächeren Menschen einsteht.»

EVP-Vorstand tagt im Februar

Bei der EVP ist man sich bewusst, dass es schwierig sein dürfte, den Stadtratssitz zu retten. Die Mittel um einen Wahlkampf zu betreiben, sind nicht vorhanden, man wäre auf die Unterstützung der grossen Parteien angewiesen, sagt Vorstandsmitglied Marcel Spörri. Er ist 2004 für Heidi Berner in den Einwohnerrat nachgerutscht. 2014/15 hat er die Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission präsidiert. Sind bei Spörri Ambitionen da, Berner nun auch im Stadtrat zu beerben? Der Bankfachmann winkt zwar nicht ab, er hält jedoch fest: «Es ist ein Amt, das viel Zeit in Anspruch nimmt.» Eine mögliche Kandidatur müsste mit seinem Arbeitgeber, der Partei und auch seiner Familie besprochen werden. Davon sei bisher nichts geschehen. Der EVP-Vorstand tagt im Februar.