Im vergangenen Herbst hat der Stadtrat über die Pläne informiert, die Wilstrasse auf dem Streckenabschnitt vom Waldeingang (Parkplatz Vita-Parcours) bis zur Aabachbrücke im Wyl für Motorwagen und Motorräder zu schliessen. Dieses Ansinnen hat jedoch auf breiter Front Widerstand ausgelöst.

Unter anderen haben Anwohner, wie auch der Tennisclub und der Personalausschuss der Justizvollzugsanstalt (JVA) mit 92 Unterschriften von JVA-Mitarbeitenden nach der Ankündigung Einsprache gegen die Sperrung erhoben.

In der Zwischenzeit hat sich die Situation an der Wilstrasse jedoch verändert: Der Kanton plant dort eine Erweiterung des Zentralgefängnisses um 60 Haftplätze. Dabei soll der Neubau unmittelbar neben dem vor drei Jahren erstellten Zentralgefängnis platziert werden. Die Bauprofile sind bereits aufgestellt, das Baugesuch ist derzeit auf dem Bauamt Lenzburg aufgelegt. Geplanter Baubeginn ist laut Angaben des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI) gegen Ende dieses Jahres. Das neue Zentralgefängnis soll im Frühling 2017 bezogen werden können.

Da drängt sich Frage auf: Geht der Stadtrat nach dieser neuen Ausgangslage mit nunmehr zwei Gefängnissen (und der Option auf einen Anbau an den geplanten Erweiterungsbau) unmittelbar an der Wilstrasse nochmals über die Bücher? Es ist ja davon auszugehen, dass die Gefängniserweiterung auch eine Zunahme des Verkehrs durch neue Gefängnis-Mitarbeitende und zusätzliche Anlieferungen mit sich bringen wird.

Mit der Zufahrtsmöglichkeit von der Seonerstrasse her über den Waldabschnitt könnte die Anfahrt von der Ammerswilerstrasse über den Ziegeleiweg beziehungsweise von der Aavorstadt über die Bachstrasse (beide Zufahrten liegen in der 30er-Zone) etwas entlastet werden. Die Strecke durch den Wald wird auch heute als Schleichweg von der Seonerstrasse zu den Sportanlagen und zum Zentralgefängnis benutzt.

Stadtrat über Bücher gegangen

Aus dem städtischen Bauamt ist zu vernehmen, dass der Stadtrat sich vergangene Woche nochmals zum Thema beraten hat. Dabei ist man offenbar zum Schluss gekommen, vom geplanten Vorgehen nicht abzuweichen: «Der Stadtrat hält an seinem Entscheid fest, das durch den Wald führende kurze Strassenstück für Autos und Mofas zu schliessen», sagt Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau.

Offenbar kann auch der Kanton auf die Benutzung dieser Strasse verzichten. Er hat dem Stadtrat schriftlich mitgeteilt, dass die Zufahrt über die Wilstrasse von Seon her für den Gefängnisbetrieb nicht notwendig sei. Einzig für die Bewirtschaftung der Flächen des Gutsbetriebes im Wil werde die zur Sperrung geplante Strecke von den landwirtschaftlichen Fahrzeugen befahren. Und diese sollen wie auch Forst- und Militärfahrzeuge vom vorgesehenen Verbot ausgenommen werden.

Wilstrasse ist eine Waldstrasse

Fakt ist: Die Wilstrasse ist gebaut als Waldstrasse und taugt nicht für regelmässigen Verkehr. Da sie trotzdem häufig von Motofahrzeugen befahren wird, entstehen der Stadt jedes Jahr unverhältnismässig hohe Unterhaltskosten.

Ein vom Einwohnerrat bewilligtes Sanierungsprojekt war jedoch vor bald vier Jahren in einer Referendumsabstimmung vom Volk abgelehnt worden. Es wurde befürchtet, die Strassenverbreiterung würde das Naherholungsgebiet Wil mit zusätzlichem Verkehr belasten. Für das anschliessend redimensionierte Projekt, das einen Landtausch mit dem Kanton inklusive einer Kostenbeteiligung an die Sanierung vorsah, bot die kantonale Behörde jedoch nicht Hand.

Als nächsten Schritt wolle man nun die Gespräche mit den verschiedenen Einsprechern gegen die Strassensperrung führen, heisst es im städtischen Bauamt.