Lenzburg
Städtische Werke lernten im Jubiläumsjahr das Kämpfen

Auch im zehnten Jahr als Aktiengesellschaft legen die städtischen Werke von Lenzburg einen erfreulichen Abschluss vor: Den Gewinn wuchs gegenüber dem Vorjahr um fast sieben Prozent. Und dies bei einem um vier Prozent tieferen Umsatz.

Fritz Thut
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Stadtrat Martin Steinmann (links) löst alt Stadtammann Hans Huber als Verwaltungsratspräsident der SWL Energie AG ab. zvg

Stadtrat Martin Steinmann (links) löst alt Stadtammann Hans Huber als Verwaltungsratspräsident der SWL Energie AG ab. zvg

Direktor Markus Blättler sprach an der Pressekonferenz im Vorfeld der Generalversammlung vom Mittwochabend von einem «sehr guten Jahr». Dass die transportierten Energiemengen, der Gesamtumsatz und der Betriebsgewinn nicht mehr zwingend parallel verlaufen, ist auch in der Region auf veränderte Rahmenbedingungen in der Energiebranche zurückzuführen.

Im teilweise liberalisierten Markt konnte sich die SWL Energie AG im letzten Geschäftsjahr bereits auf dem freien Markt eindecken: «Wir beziehen die Elektrizität nicht mehr beim klassischen Vorlieferanten AEW», so Blättler.

Stattdessen würden Ausschreibungen durchgeführt und «die Energie zu Marktpreisen» eingekauft. Dabei bewiesen die SWL-Verantwortlichen offensichtlich ein gutes Händchen. Gemäss dem für Finanzen und Administration zuständigen Vizedirektor René Trost ermöglichte dies ein «hervorragendes Ergebnis». Die SWL-Kunden können davon profitieren, wurde doch ein Tarifausgleichsfonds angelegt.

Der Kampf um Kunden beginnt

Im letzten Geschäftsjahr musste sich die SWL Energie AG nicht nur für möglichst günstige Einkaufsgelegenheiten für das Handelsgut Energie engagieren, sondern der Kampf um Kunden setzte 2013 im Hinblick auf das laufende Jahr voll ein.

«Wir konnten die meisten Grosskunden halten», berichtete Direktor Blättler Erfreuliches von dieser neuartigen Verhandlungsfront. «Zum Teil mussten wir Zugeständnisse machen», räumte er ein. So musste die SWL offen sein und Abrechnungen in Euro zulassen. «Eigentlich», so Blättler, «erinnern diese Verträge eher an Bankengeschäfte.» Mit der überblickbaren Grösse kann die SWL nicht alle Forderungen von potenziellen Partnern erfüllen, doch ist man auf der Gegenseite derart flexibel, dass man Grosskunden «massgeschneiderte Lösungen» anbieten kann.

Neue Organisationsstruktur

Die freie Wahl des Energielieferanten ist deshalb keine Einbahnstrasse. Ein Höhepunkt verdiene besondere Erwähnung: «Wir konnten erstmals einen Grosskunden von ausserhalb unseres angestammten Gebiets akquirieren», freute sich Blättler.

Diese direkten Kontakte zu Kunden seien «zwar interessant, aber zeitintensiv». Aus diesem Grund wird auch die Organisationsstruktur der SWL-Leitung angepasst. Geplant ist die Trennung zwischen den regulierten Bereichen (Netze) und dem liberalisierten Geschäft (An- und Verkauf). Die Anstellung eines sogenannten Key-Account-Managers zur Entlastung der Direktion steht kurz bevor.

Pionierrollen bei Energiewende

Die SWL sind weiterhin führend im Hinblick auf die von der Politik geforderte Energiewende: Verkauft wird ausschliesslich Strom aus sogenannt erneuerbaren Energien. Zusammen mit der Berufsschule betreibt man die aktuell drittgrösste Solarstromanlage des Kantons.

In zwei weiteren Bereichen nimmt die SWL Energie AG gar eine Pionierrolle ein: Mit der Inbetriebnahme einer Erdgas-Brennstoffzelle in Seengen betreut man zwei der schweizweit erst elf Anlagen. Bei den schlauen Zählern (Smartmeter) ist man mit über 60 Prozent national führend.