Lenzburg
Stadt verzichtet auf ballenberg-ähnliche Erhaltungsarchitektur und gewinnt

Lenzburg bekam für die Überbauung Sandweg-Eisengasse den mit 10000 Franken dotierten Aargauer Heimatschutzpreis überreicht. Damit der Bau überhaupt möglich war, brauchte es aber eine Portion Mut.

Fritz Thut
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Die Preisträger Daniel Mosimann (Stadtammann Lenzburg), Martin Eitelbuss (Verwaltungsratspräsident der «Isegass 2000 AG») zusammen mit Nicoletta Brentano-Motta (Obfrau der Jury Aargauer Heimatschutzpreis) und Josef Meier (NAB-Verwaltungsratspräsident) vor der ausgezeichneten Altstadt-Überbauung.

Die Preisträger Daniel Mosimann (Stadtammann Lenzburg), Martin Eitelbuss (Verwaltungsratspräsident der «Isegass 2000 AG») zusammen mit Nicoletta Brentano-Motta (Obfrau der Jury Aargauer Heimatschutzpreis) und Josef Meier (NAB-Verwaltungsratspräsident) vor der ausgezeichneten Altstadt-Überbauung.

Patrick Züst

Rund um historische Bausubstanz verträgt es moderne architektonische Akzente. Beispiele dieses Grundsatzes sieht man in der Lenzburger Altstadt einige. Für die Überbauung Sandweg-Eisengasse als Paradebeispiel erhielt Stadt und Bauherrschaft am Samstag den mit 10 000 Franken dotierten Aargauer Heimatschutzpreis 2014.

Das ausgezeichnete Projekt schliesst einer Lücke im nördlichen Altstadtbogen. «Die neuen Stadthäuser sind Vertreter des heutigen Zeitgeistes im Dialog mit den historischen Elementen», würdigte Nicoletta Brentano-Motta als Obfrau der Jury des Aargauer Heimatschutzpreises die gewählte Lösung. Mit Blick auf die Überbauung, deren Neubauten die Zinnen der Überreste der alten Stadtmauer zitieren, wurde auf der Promenade die Auszeichnung bei einem Apéro gefeiert.

Weiterbauen statt erhalten

Bei der vorgängigen, musikalisch vom Kammerton-Quartett umrahmten offiziellen Feier im Alten Gemeindesaal wurden von verschiedenen Rednern der Mut und die Beharrlichkeit bei diesem «Wiederbau eines historischen Stadtteils» (Brentano) herausgestrichen. Regierungsrat Stephan Attiger als kantonaler Baudirektor lobte, dass man hier bewusst auf ballenberg-ähnliche Erhaltungsarchitektur verzichtet habe: «Das Projekt beweist vorbildlich, dass ein Weiterbauen mit Sorgfalt, Können und Rücksichtnahme möglich ist.»

In einen geografisch und historisch grösseren Zusammenhang stellte Georg Mörsch, Professor für Denkmalpflege und Mitglied des Fachbeirats, die ausgezeichnete Überbauung in seiner ausführlichen Laudatio. Die historische Stadt, ganz speziell kleinere wie etwa Lenzburg, stellen laut Mörsch «das komplizierteste Produkt aus Menschenhand» dar. Diese Komplexität sei «eine Quelle ständiger Herausforderungen».

Mörsch würdigte den Mut, den bestehenden Gestaltungsplan von 1995 («Der Holzweg einer geschichtsklitternden Neuerfindung idyllischer Bilder.») über Bord zu werfen und einen Neuanfang zu wagen. Der Umgang mit den Mauerresten mache «die kreative architektonische Leistung bei der Wundenschliessung nur noch bemerkenswerter».

Heimat ist Zukunft

Mit der Auszeichnung der Überbauung Sandweg-Eisengasse wende sich der Aargauer Heimatschutz «demonstrativ gegen den Missbrauch des Heimatbegriffs», so Mörsch. Dass «Heimat» heute vielgestaltig definiert werden kann, nahmen andere Redner ebenfalls auf. «Heimatschutz ist auch Kulturschutz», sagte etwa Regierungsrat Attiger.

Stadtammann Daniel Mosimann, als Gastgeber der Feier und Preisempfänger in einer Doppelfunktion präsent, freute sich, dass die Geschichte von Lenzburgs Altstadt nun «ein gewichtiges Kapitel reicher» ist. Die neuen Häuser würden «Leben und Betriebsamkeit ausstrahlen», was das Wichtigste sei: «Wir wollen eine lebendige, lebhafte, belebte Altstadt. Dort, wo gelebt wird, kann Heimat entstehen.» Der Bedeutung von Heimat sei nicht rückwärtsgewandt: «Der Heimatbegriff ist hoch aktuell und zukunftsgerichtet.»

Box: Die Chronologie des Projektes

20 Jahre dauerte es vom Abbruch der nördlich Altstadt-Häuserzeile bis zur Auszeichnung der architektonischen Lösung zur Schliessung der entstandenen Lücke. 1994 wurden zudem die Stadtmauerreste unter kantonalen Denkmalschutz gestellt. Ein erster Gestaltungsplan von 1995 erwies als nicht praktikabel; 2000 erfolgte eine erfolgreiche Neuauflage. Im August 2007 erfolgte der Spatenstich. Die Bauarbeiten an der Überbauung Sandweg-Eisengasse wurden 2013 abgeschlossen.