Lenzburg-Aarau
Staatsanwälte tragen Pendenzenberg fleissig ab

Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Lenzburg-Aarau ist dank Sondereinsatz gut auf Kurs. Sie hatten einen Pendenzenberg aus dem Jahr 2011 zu beältigen - mit rund 170 überjährten Fällen.

Toni Widmer
Merken
Drucken
Teilen
Barbara Loppacher, Leiterin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, mit den Stellvertretern Christoph Müller (links) und Urs Hoppler. To

Barbara Loppacher, Leiterin der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, mit den Stellvertretern Christoph Müller (links) und Urs Hoppler. To

Die Staatsanwaltschaft LenzburgAarau hat eine intensive Zeit hinter sich. Als sie sich 2011 neu formierte, stand sie vor einem Berg von unerledigten, zum Teil schon jahrelang pendenten Fällen. «Wir unterscheiden zwischen normalen Pendenzen, die sich stets bei rund 1200 Fällen bewegen sowie den überjährigen Fällen. Das sind Verfahren, die sich aus verschiedenen Gründen ungewöhnlich lange hingezogen haben», erklärt Barbara Loppacher.

Sie leitet die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau seit einem Jahr, zusammen mit ihren Stellvertretern Urs Hoppler, ehemals Bezirksamtmann in Muri und Christoph Müller, ehemals Bezirksamtmann in Kulm. Zum Team gehören weiter 8 Staatsanwälte, 7 Assistenz-Staatsanwälte und 4 Praktikanten. Insgesamt arbeiten im Lenzburger «Schneeflöckli»-Gebäude 41 Personen für die grösste der sechs regionalen Staatsanwaltschaften im Aargau – neben den juristischen Mitarbeitenden sind das auch Sachbearbeiter Strafverfolgung, Kanzleipersonal und Lernende.

Ein Teil der Fälle ausgelagert

Für die Bewältigung des Pendenzenbergs gab es Hilfe von einem Team, das von der Oberstaatsanwaltschaft speziell dafür gebildet worden ist. Diesem konnten rund 120 Fälle abgegeben werden. Es blieben noch genug: Menschen hätten die Tendenz, unangenehme Sachen vor sich herzuschieben und sich vorerst einfacheren Aufgaben zu widmen. Davon seien auch Staatsanwälte nicht gefeit, sagt Barbara Loppacher: Diesem Trend sei man konsequent entgegen getreten. «Wir sind im September 2012 mit rund 170 überjährigen Fällen gestartet. Dank zielgerichtetem Arbeiten und grossem Einsatz haben wir die Hälfte davon bis Ende März 2013 geschafft. Das ist eine deutliche Verbesserung.»

Arbeitslast permanent hoch

Die Arbeitslast bleibt permanent hoch und es werde, sagt die leitende Staatsanwältin, auch in Zukunft immer wieder langwierige Fälle geben: «Wir können verschiedene Faktoren nicht beeinflussen. Wenn beispielsweise Beweissicherungen und Befragungen im Ausland gemacht werden müssen, können sich diese über Monate oder Jahre hinziehen.» Besonders aufwendig seien die Ermittlungen bei Straftaten, in welche die EDV involviert sei: «Da gibt es oft riesige Datenmengen zu sichten.» Auch psychiatrische Gutachten und Glaubwürdigkeitsgutachten kosten Zeit: «Da geht in einer Untersuchung oft 6 Monate oder länger nichts mehr.»

Spätestens bis Ende Jahr, allenfalls schon früher, glaubt Barbara Loppacher, ist der Pendenzenberg auf der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau so weit abgearbeitet, dass man mit den überjährigen Fällen im kantonalen Mittel liegt. «Auch dann», sagt sie, «können lehnen wir uns nicht zurück. Aber wir dürfen endlich mal wieder durchatmen. Das mag ich vor allem den Mitarbeitenden gönnen. Sie alle haben sich in den vergangenen Monaten tüchtig reingehängt und einen Sondereffort geleistet.»

10 000 neue Verfahren pro Jahr

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg bearbeitet pro Jahr rund 10 000 neue Verfahren. Darunter nicht nur grosse Brocken wie Tötungsdelikte, schwere Verkehrsunfälle, Vermögensdelikten, häusliche Gewalt, Sexualdelikte, Raufhandel mit mehreren Beteiligten oder (stark zunehmend) Straftaten im Zusammenhang mit Internet und EDV. Sie ermittelt auch bei Delikten, die in der Regel mit einem Strafbefehl abgehandelt werden können. Laut dem stellvertretenden Staatsanwalt Urs Hoppler machen diese Fälle – Vergehen gegen das Strassenverkehrsgesetz, kleinere Diebstähle und Betäubungsmittelvergehen usw. – rund 80 Prozent aus.

«Meist können solche Verfahren innerhalb weniger Wochen erledigt werden. Es sei denn, die Betroffenen machen von ihrer Einsprachemöglichkeit Gebrauch», erklärt Hoppler. Im Schnitt seien das aber lediglich etwa 2 bis 3 Prozent. Nicht alle Verfahren enden mit einem Strafbefehl oder einer Anklage. Immer wieder kommt es auch vor, dass sie eingestellt werden oder die sogenannte Nichtanhandnahme verfügt wird.

Enge Zusammenarbeit mit Polizei

Im Gegensatz etwa zum Freiamt oder Fricktal, wo die Strukturen ländlicher sind, geht es im Raum Lenzburg-Aarau bezüglich Straftaten etwas heftiger zu. «Aarau ist eine grosse Stadt mit Partymeile und gut besuchten Fussballspielen wo es gelegentlich zu Scharmützeln kommt. In unserer Region ist auch der Drogenhandel bedeutender, weil der Markt grösser ist», sagt Barbara Loppacher.

Mit der Kantons- und Regionalpolizei arbeite die Staatsanwaltschaft eng und gut zusammen. So, wenn grössere Polizeiaktionen laufen oder wenn – wie kürzlich in Aarau die Tanznacht, eine unbewilligte Demonstration, stattfindet. Da stehen oft mehrere Staatsanwälte Pikett, um im Bedarfsfall rasche effiziente Verfahrensabläufe zu ermöglichen.