Lenzburg
Sprachheilkindergarten zieht in die leer stehende Villa Langenbach

Die Aargauische Sprachheilschule mietet ab August von der Stadt die ehemalige Fabrikantenvilla.

Fritz Thut
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Kindergartenkinder der Sprachheilschule im Park vor der Villa Langenbach.

Kindergartenkinder der Sprachheilschule im Park vor der Villa Langenbach.

Das Schicksal meint es momentan gut mit der Villa Langenbach. Das stattliche Gebäude beim Bahnhofplatz Lenzburg wird nicht wie befürchtet das Opfer einer Häuserbesetzung, sondern Aussenstation der Aargauischen Sprachheilschule (ASS). Bis im August wird hier ein Kindergarten samt Nebenräumen eingerichtet; der Mietvertrag mit der Stadt Lenzburg ist auf ein Jahr kündbar.

Eine Notiz über die Einwohnerratssitzung vom 25. September des letzten Jahres gab den Ausschlag für die neue Nutzung. Unter «Umfrage» hatte sich damals Martin Killias (SP) erkundigt, was die Stadt als Eigentümerin der Villa Langenbach im Schilde führe. Weiterhin leerstehend sei das Gebäude ein potenzielles Ziel für Besetzer, so der Strafrechtsprofessor damals.

«Ich habe die Notiz von der leerstehenden Villa gesehen und bin dann bei der Stadt vorstellig geworden.» So schildert ASS-Institutionsleiter Andreas Steinmann die Kontaktaufnahme. Für die Sprachheilschule, die in Lenzburg einen von sechs Aargauer Standorten betreibt und hier sogar ihren Geschäftssitz hat, war Steinmann schon länger auf der Suche nach zusätzlichen Räumen.

«Superverhältnis» mit der Stadt

Damit wurde die Sprachheilschule, die in Lenzburg erst vor wenigen Jahren neue Räumlichkeiten am Turnerweg bezogen hat und wegen dem Aufbau eines neuen Angebots weiter expandiert, ganz in der Nähe fündig. Die Verhandlungen mit der Stadt Lenzburg, die den früheren Privatsitz der Fabrikantenfamilie Langenbach im Jahr 2009 geerbt und seither mehrmals vermietet hat, beschreibt Steinmann als sehr erfreulich: «Wir haben ein Superverhältnis mit den Verantwortlichen.»

Beim Stadtbauamt ist man ebenfalls froh, einen Nutzer gefunden zu haben, der Hand bietet für eine flexible Lösung. Der Mietvertrag mit einer einjährigen Kündigungsfrist bietet Optionen. Es könnte ja sein, dass die Stadt das Langenbach-Grundstück im Rahmen der Bahnhofareal-Gestaltung selbst benötigt. «Für uns ist gut, dass die Liegenschaft wieder bewohnt ist und dass in der Villa Langenbach damit wieder Leben einkehrt», zeigt sich Thomas Hofstetter, Abteilungsleiter auf dem Lenzburger Stadtbauamt äusserst zufrieden mit dem abgeschlossenen Mietvertrag. Das Abkommen zu dieser «klassischen Win-win-Situation» komme zudem «gerade im richtigen Moment». Mit diesen vollendeten Tatsachen könne keine unruhestiftende Diskussion über das leerstehende Haus entstehen.

Ein weiterer Vorteil sei die Tatsache, dass für die neue Nutzung keine umfangreichen Instandhaltungsarbeiten nötig seien. Steinmann und Hofstetter sprechen in diesem Zusammenhang von wenigen Maler- und Gipserarbeiten.

Neu Psychomotorik-Therapie

So angepasst ist die Villa Langenbach bereit für die neuen Bewohner. Die Sprachheilschule plant im Erdgeschoss Therapie-. Sitzungs- und Pausenräume. Im Obergeschoss wird der Sprachheilkindergarten einziehen. Zehn bis zwölf Kinder mit einer Sprachbehinderung werden hier die Jugendstilvilla aus der vorletzten Jahrhundertwende in Beschlag nehmen. Wichtig ist auch der Garten, wo gespielt werden kann. Dazu wird mit einfachen Mitteln (Sandkasten, Rutschbahn etc.) ein Spielplatz eingerichtet.

Der Sprachheilkindergarten ist bislang am Lenzburger Turnerweg untergebracht. Dort wird mehr Platz gebraucht, «weil die ASS in ihren Räumen neu auch die Psychomotorik-Therapie anbieten will».

Dieses Angebot entspricht gemäss Institutionsleiter Steinmann einem Bedürfnis: «Viele Kinder haben nicht nur ein Sprachproblem.» 20 Prozent haben auch eine motorische Beeinträchtigung. Mit dieser Therapie kann die Koordination verbessert werden, was den Kindern hilft, «mutiger aufzutreten».

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