«Bis auf den letzten, beschwerlichen Sommer lebte er gesund und mit seiner Forschung eng verbunden», heisst es in der Todesanzeige. Im Alter von 97 Jahren ist der international anerkannte Schweizer Sprachwissenschafter Hansjakob Seiler gestorben. Am Montag in Luzern.

Der emeritierte Prof. Dr. und mehrfache Ehrendoktor wurde in München als Sohn einer Wissenschafter- und Musikerfamilie geboren. Nach der Übersiedlung in die Schweiz studierte er von 1940 bis 1947 Klassische Philologie an der Universität Zürich.

Zunächst beschäftigte er sich mit altindogermanischen Sprachen, unter anderem mit Sanskrit und altiranischen Sprachen. Danach wandte er sich den modernen Sprachen Europas zu, insbesondere dem Neugriechischen. Ab 1947 folgten Studienaufenthalte in Paris und als ausserordentlicher Professor in Hamburg, wo im Kontakt mit den dortigen Überseeinstituten sein Interesse für aussereuropäische Sprachen geweckt wurde. Bei mehrjährigen Aufenthalten in den USA als Rockefeller-Fellow und dann in Stanford betrieb er Feldforschungen über Indianersprachen: Für das inzwischen ausgestorbene «Cahuilla» aus Südkalifornien verfasste er eine Grammatik, ein Wörterbuch und eine Textsammlung in englischer Sprache.

Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten von Austin (Texas), Columbus (Ohio), ferner nach Nairobi (Kenia) und Paris. 1959 berief ihn die Universität zu Köln auf den Lehrstuhl für «Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft», den er bis 1986 innehatte.

Mit seiner Ehefrau, der aus Lenzburg stammenden Künstlerin Elisabeth Seiler-Meyer, lebte und arbeitete Professor Seiler in Lenzburg. 2001 übergab er seine sehr umfangreiche sprachwissenschaftliche Privatbibliothek der Aargauischen Kantonsbibliothek. (SAW)