Lenzburg/Seetal
Spitzenplatz für das regionale Crowdfunding «ideenkicker.ch»

Wieder macht die regionale Crowdfunding-Plattform «ideenkicker.ch» vom Lebensraum Lenzburg Seetal national positive Schlagzeilen.

Ruth Steiner
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Jörg Kyburz Geschäftsleiter Lebensraum Lenzburg Seetal

Jörg Kyburz Geschäftsleiter Lebensraum Lenzburg Seetal

AZ

Crowdfunding hat sich zu einer beliebten Finanzierungsform über das Internet entwickelt. Manchmal haben die Leute, die auf diese Weise Geld suchen, die verrücktesten Ideen. Die einen verwirklichen sich so ihren Traum vom eigenen Kochbuch, andere hoffen, ihre Beiz über die heissen Sommermonate zu retten, wie beispielsweise aktuell ein Lokalbetreiber aus Zürich Oerlikon, dem die Gäste der Hitze wegen gleich scharenweise wegbleiben. Die Schwarmfinanzierung, wie Crowdfunding auf Deutsch heisst, soll nun das ausgebliebene Geld in die Kasse spülen.

Sich online die finanziellen Mittel für sein Projekt zu beschaffen, ist ein wachsender Markt. In der Schweiz sind derzeit über 50 Internetplattformen aktiv, schrieb die «NZZ am Sonntag» kürzlich in einem Beitrag zum Thema.

Zu den im Bericht erwähnten Crowdfunding-Angeboten gehört die regional ausgerichtete Plattform «ideenkicker.ch». Sie wurde vom Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal (LLS) in Zusammenarbeit mit der Hypothekarbank Lenzburg lanciert. «Ideenkicker.ch» wurde im Oktober 2016 aufgeschaltet und erlebte einen fulminanten Start.

Attraktives Gebührenmodell

Bereits das erste Finanzierungsprojekt wurde nämlich zu einem riesigen Erfolg. Wider Erwarten, zumindest in seinem Ausmass, betont LLS-Geschäftsführer Jörg Kyburz. Für die Sanierung des Aaresteges von Holderbank nach Veltheim kam über «ideenkicker.ch» anstelle der angestrebten 20 000 Franken innerhalb kürzester Zeit über das Doppelte zusammen. 164 Spender haben total 42 139 Franken gesprochen. Damit hat «ideenkicker.ch» nicht nur die Kapitalsucher überrascht, sondern auch in den nationalen Medien für Aufsehen gesorgt.

Jetzt macht «ideenkicker.ch» wieder Schlagzeilen. Und wieder sind es positive. Bei einer Auswertung über die Gebührenhöhe, welche die Crowdfunding-Plattformen den Kapitalsuchern verrechnen, rangiert «ideenkicker.ch» laut «NZZ am Sonntag» auf der Spitzenposition. Die Zeitung zitiert damit eine Studie der Hochschule Luzern.

Vier Prozent des Betrages, welcher über das Crowdfunding zusammenkommt, muss bei «ideenkicker.ch» für die Nutzung der Plattform abgeliefert werden. Das ist ein Prozent weniger als der Zweitrangierte. Die Rangliste führt Gebühren von bis zu zwölf Prozent von anderen Finanzierungsplattformen auf.

Nichtkommerzielle Plattform

Wurde beim LLS der Preis bewusst so tief angesetzt? «Ja», sagt Kyburz. Nicht grundlos. «Im Gegensatz zu andern Plattformen verfolgt ‹ideenkicker.ch› keinen kommerziellen Hintergrund.» Weder der LLS noch die Regionalbank wollen abkassieren. «Sowohl für den LLS als auch für die Hypi ist es eine Investition in die Zukunft der Region», betont Jörg Kyburz. Für beide Partner sei das Crowdfunding ein Null-Summen-Spiel. Die Gebühren, welche weiterverrechnet werden müssen, fallen beim dritten Player im Bund an. Und zwar bei einem Finanzinstitut in der Schweiz, das für die reibungslose Abwicklung der Finanzierung verantwortlich ist. «Dieser Partner garantiert, dass das von den Geldgebern versprochene Kapital am Schluss da ist.» Laut Kyburz eine komplexe Angelegenheit, die aus sicherheitstechnischen Gründen so gehandhabt werden muss. Und das ist nicht gratis zu haben.

Gut für die Region

Mit der Crowdfunding-Plattform verfolgt der LLS eine ganz andere Absicht. «Wir wollen mit guten Projekten in der Region Wertschöpfung erzielen. Wenn wir eine prosperierende lebendige Region haben, so ist das ein grosser Gewinn für alle», sagt der LLS-Geschäftsleiter. 80 000 Franken konnten mit den auf «ideenkicker.ch» aufgeschalteten Projekten in weniger als einem Jahr gesammelt werden. Praktisch alles Geld wird in der Region reinvestiert.

Ist der Grund für das Betreiben von «ideenkicker.ch» im weitesten Sinne als verstecktes Standortmarketing des LLS zu verstehen? Jörg Kyburz schmunzelt. «Weshalb nicht? Spürbare Innovation hat eine positive Ausstrahlung über die regionalen Grenzen hinaus. Wenn ein Unternehmen aus diesem Grund bei uns anklopfen würde, würden wir auf jeden Fall nicht Nein sagen.»

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